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BVB – Anschlag aus Geldgier?

Der Screenshot von der Website von Borussia Dortmund vom 21.04.2017 zeigt den Kursverlauf der BVB-Aktie vom 11.04. (dem Tag des Anschlags auf den BVB-Bus) bis zum 20.04.2017

BVB – Anschlag aus Geldgier?

Von Stephan Karkowsky

Der Anschlag auf den Mannschaftsbus von Borussia Dortmund am 11. April scheint aufgeklärt: Die Polizei nahm einen 28-jährigen Deutschrussen aus Freudenberg fest. Er habe den Anschlag nach Erkenntnissen der Ermittler verübt, damit der Aktienkurs des Fußballvereins sinkt. Damit wollte er Millionen an der Börse verdienen.

BVB - Anschlag aus Geldgier?

WDR 4 Zur Sache | 21.04.2017 | 01:52 Min.

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Sprengstoffanschlag in Deutschland? Das kann doch nur islamistischer Terror sein. Doch diese Gleichung stimmt schon seit den Nazimorden des NSU-Trios nicht mehr. Und offenbar haben die Behörden daraus gelernt: Statt reinzufallen auf die vermeintlich islamistischen Bekennerschreiben ermittelte man in alle Richtungen. Mit Erfolg.

Mein erster Verdacht war auf die Wettmafia gefallen: Die hohen Gewinne bei Sportwetten laden geradezu ein zur Manipulation. Bestechung und Körperverletzung kennt man dort bereits. Warum also nicht in letzter Konsequenz Terror? Nun wars also höchstwahrscheinlich Aktien-Insiderhandel: Den hatten manche auch hinter den Anschlägen vom 11. September vermutet, was sich dort aber nachweislich als Verschwörungstheorie herausstellte.

In Dortmund dagegen ist die Beweislast erdrückend. Alles passt zusammen: Ein Mann setzt kurz vor dem Anschlag auf Pump an der Börse auf fallende Kurse der BVB-Aktie. Er wohnt im Mannschaftshotel und will unbedingt ein Zimmer hinaus zur Straße, wo die Sprengsätze liegen. Nach den Anschlägen bestellt er in gespielter Unschuldsruhe ein Steak, während das komplette Hotel in Aufruhr ist.

Habgier nennt die Polizei ein solches Motiv: eine Fußballmannschaft zu töten, um sich selbst zu bereichern.

Dieser Anschlag lehrt uns zweierlei: Erstens, wie pervers das Aktiengeschäft funktioniert. Die Börse kennt keine Moral. Und zweitens, wie vorsichtig wir mit schnellen Rückschlüssen auf vermeintliche Täter sein sollten.

Denn Terror kann heute viele Motive haben: Aktienkurse oder Wahlergebnisse zu beeinflussen, genauso wie liberale Gesellschaften zu verunsichern oder schlicht sich den eigenen Lebensfrust von der Seele zu bomben. Die einfachen Antworten von Rechtspopulisten sind deshalb keine Hilfe in einer komplexen Welt, in der wir immer wieder neu geschockt werden von dem, wozu Menschen fähig sind.