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Bundesliga – Wenn das Video nichts beweist

Hellmut Krug

Bundesliga – Wenn das Video nichts beweist

Von Jörg Brunsmann

Es ist die größte Neuerung in der Fußball-Bundesliga in den vergangenen Jahren. Und die mittlerweile umstrittenste: Der Videoschiedsrichter sorgt immer wieder für Diskussion. Auch jetzt am Wochenende. Konkret geht es um den Vorwurf der Manipulation.

Der gebürtige Gelsenkirchener Hellmut Krug ist Vorsitzender der Videoschiedsrichter. Jetzt am Wochenende, so der Vorwurf, soll er seine Funktion missbraucht haben und dem FC Schalke 04 gleich zweimal einen Vorteil verschafft haben. Wird wahrscheinlich nie ganz zu klären sein, die Sache. Aber so oder so – der Videobeweis in der ersten Liga ist kaputt. Findet Jörg Brunsmann.

Bundesliga – Wenn das Video nichts beweist

WDR 4 Zur Sache | 06.11.2017 | 01:40 Min.

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Kennen Sie die Geschichte mit dem Unfall und den Zeugenaussagen? Wird gerne Schulkindern erzählt, um klarzumachen, wie unterschiedlich wir alle unsere Umwelt sehen. Dass der eine bei dem Unfall ein rotes Auto gesehen hat, der zweite ein gelbes und der dritte gar nichts.

Ungefähr so geht es beim Videobeweis auch gerade zu. Noch nie standen dem Schiedsrichter, seinen Helfern auf dem Platz und dem Videoschiedsrichter in Köln soviele Informationen zur Verfügung wie jetzt. Und noch nie wurde so oft über Schiedsrichter-Entscheidungen gemeckert.

Beim Unfall müssen am Ende Polizisten oder sogar Richter entscheiden, was da jetzt eigentlich passiert ist. Das ist für den Fußball natürlich unrealistisch. Schon jetzt stottern manche Spiele so vor sich hin, weil erst auf die Entscheidung des Videoschiedsrichters gewartet werden muss.

Ich finde, es ist an der Zeit zu sagen: Das ist eine gute Idee, aber sie funktioniert nicht. Jedenfalls so nicht. Entscheidungen sollten gemeinsam von mehreren Schiedsrichtern getroffen werden, aber das klappt nicht. Selbst die Experten sehen in ein und der gleichen Szene oft sehr Unterschiedliches. Der eine ein rotes, der andere ein gelbes Auto.

Konsequenz sollte der Abstieg des Videobeweises sein. Warum setzt man ihn nicht erstmal in der zweiten oder vielleicht sogar besser in der dritten Liga ein? Bei Spielen, die nicht ganz so im Fokus der Öffentlichkeit stehen? Das würde ein bisschen mehr Ruhe in die Sache bringen – und den Verantwortlichen die Gelegenheit geben, sich mal richtig klar zu werden, was das mit dem Videobeweis eigentlich soll.

Das ist nämlich im Moment das Hauptproblem. Wer hat eigentlich den Hut auf? Der Schiedsrichter auf dem Platz? Der vor dem Monitor in Köln? Oder diejenigen, die im Stadion am lautesten brüllen und die Schiedsrichter damit verunsichern?

Klar ist nur eins: So, wie es jetzt läuft, macht es keinen Spaß. Und hat auch keine Zukunft.

Stand: 06.11.2017, 13:20