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Dachbegrünungen als Lebensräume

Dachbegrünungen als Lebensräume

Begrünte Dächer schonen nicht nur das Klima, sondern können auch neue Lebensräume für Pflanzen und Tiere schaffen. Vorausgesetzt, sie werden entsprechend gestaltet. Wie das geht, zeigt Biologin und Naturgartengestalterin Ulrike Aufderheide.

Naturgartengestalterin Ulrike Aufderheide

Aus der vormals toten Dachfläche des Anbaus von Roswitha Schönwitz hat Ulrike Aufderheide eine Landschaft modelliert. Mit Biotopen für Wildbienen, Hummeln, Schmetterlingen, Schwebfliegen und eventuell sogar für Vögel. "Auf Dächern werden nistende Vögel weder von Menschen noch von Fressfeinden wie Katzen gestört." Damit aber Nestflüchter auf dem Dach überleben können, muss es dort auch Insekten geben, sonst haben die Jungvögel keine Nahrung.

Aus der vormals toten Dachfläche des Anbaus von Roswitha Schönwitz hat Ulrike Aufderheide eine Landschaft modelliert. Mit Biotopen für Wildbienen, Hummeln, Schmetterlingen, Schwebfliegen und eventuell sogar für Vögel. "Auf Dächern werden nistende Vögel weder von Menschen noch von Fressfeinden wie Katzen gestört." Damit aber Nestflüchter auf dem Dach überleben können, muss es dort auch Insekten geben, sonst haben die Jungvögel keine Nahrung.

Bevor es ans Pflanzen und Gestalten ging, hat Ulrike Aufderheide sich in Schutzmontur geworfen und mit einem Seil gesichert. Das ist bei Dächern ab drei Metern Höhe vorgeschrieben. So kann man gefahrlos Materialien und Werkzeug über die Dachkante von unten nach oben ziehen.

Das erste Biotop, das die Biologin eingerichtet hat, ist diese Sandlinse für Wildbienen. Die Insekten nisten in bindigem Sand und werden hier willkommen geheißen. Roswitha Schönwitz freut sich jetzt schon darauf, es künftig vor ihrem geöffneten Fenster summen zu hören. Dahinter eine malerische Wurzel.

Auch am linken und rechten Rand des Daches hat Ulrike Aufderheide Totholz arrangiert: "Die Engländer finden Totholz romantisch, bei uns gilt es als Dreck. Deshalb gibt es die meisten Hirschkäfer in Europa mitten in London." Hirschkäfer leben in abgestorbenen Eichen. Aber nicht nur die brauchen totes Holz: "Ein Drittel der Tierarten in Flächen, wo Bäume stehen, sind abhängig von Totholz."

Vor dem toten Ast auf der linken Seite des Daches hat die Biologin noch eine Tränke im Substrat versenkt – für Insekten und Vögel. Am rechten oberen Rand des Bildes sieht man im Schatten den Notüberlauf. Der sollte bei der Planung eines Gründaches keineswegs vergessen werden. Denn bei Starkregen sorgt er dafür, dass das Dach nicht zur Badewanne wird, so Aufderheide.

Dies ist zwar kein Foto von Roswitha Schönwitz‘ Dach, aber es zeigt, wie schön die rundblättrige Glockenblume blüht. Das ist eine der speziellen Dachbegrünungs-Stauden, die Ulrike Aufderheide auf das Dach gepflanzt hat. Darüber hinaus: weiß-blühende Graslilien, violetten Alpenquendel, kriechendes gelbblühendes Habichtskraut, milden Mauerpfeffer sowie rosafarbenen Berglauch.

Nach den Jungpflanzen hat die Gartengestalterin weitere Blühpflanzen gesät und den Samen mit der Rückseite der Schaufel festgeklopft. Bald wachsen hier Nelkenleimkraut, Natternkopf und echte Schlüsselblume. Das werde ein Feuerwerk aus pink, blau, gelb, verspricht Ulrike Aufderheide.

Vielleicht schon in einigen Wochen wird das Nelkenleimkraut so intensiv pink blühen wie auf diesem Foto. Und die Hummel tritt den Beweis an: Diese Pflanzen schaffen Lebensräume! Dabei sind sie extrem pflegeleicht: Nur einmal zu Beginn düngen und dann werden sie sich selbst überlassen. Extensive Dachbegrünungen wie diese werden nicht gegossen.

Sedumarten, also Fetthennen, wird Roswitha Schönwitz auch noch pflanzen. Hier ein Foto von einer Dachbegrünung auf einem Carport in Bonn-Friesdorf. Sedumpflanzen sind sehr widerstandsfähig und überstehen auch lange Trockenzeiten. Dieser Carport ist aber auch nur aus einiger Entfernung vom Kinderzimmerfenster aus zu sehen. Da muss die Bepflanzung nicht so vielseitig sein wie bei Roswitha Schönwitz, die häufig von ihrem Schreibtisch aus draufschaut.

Das ist der Blick vom Kinderzimmer auf den Carport der Familie Wallraff-Beck. Sie haben ihn selbst bepflanzt: "Das war ganz schön anstrengend, hochzuklettern und alles hochzuhieven", gesteht Anke Wallraff-Beck. Neben den Sedumarten hat sich auch der Blauschwingel gut entwickelt, eine Gräserart. Zudem wachsen auf dem Carport der Familie noch Felsennelke, Rispenflockenblume, Echtes Johanniskraut und Frühlingsfingerkraut.

Stand: 19.08.2017, 00:00 Uhr