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Luci d'artista: Die künstlerischen Lichter von Turin

Turin, abends beleuchteter Marktplatz

Luci d'artista: Die künstlerischen Lichter von Turin

Von Antje Zimmermann

Ein besonderes Festtagserlebnis erwartet Besucher in Turin: die "luci d’artista", die dort zur Weihnachtszeit erstrahlen. WDR 4-Reiseexpertin Antje Zimmermann hat sich die fantasievollen Lichtinstallationen angesehen.

Turin war lange die Autostadt Italiens. Fiat-, Lancia- und Ferrari-Modelle wurden hier gebaut. Doch die großen Fabriken sind längst Vergangenheit, die Gegenwart in Turin wird von Kunst und Kultur geprägt. Und gerade in der Adventszeit wird das besonders deutlich.

Lichter, die Geschichten erzählen

Turin, Gebäude

Turin war lange Jahre die Autostadt Italiens und galt als touristisch uninteressant

Von außen ist es einfach nur ein schönes altes Patrizierhaus im Zentrum von Turin. Mit makelloser Fassade und historischen Fenstern. Doch wenn man durch den dunklen Torbogen in den hellen Innenhof tritt, findet man sich unverhofft in einer Märchenwelt wieder. Alles leuchtet und strahlt in dem aufwändig restaurierten Palast aus dem 17. Jahrhundert.

Turin, Innenhof eines Palazzo mit beleuchtetem Baum an einem Balkon

Das filigrane Werk im Innenhof des alten Palazzo stammt von Richi Ferrero

Und zwischen den gusseisernen Balkonen und üppigen Pflanzen hängt ein filigraner Baum. Erst leuchtet er in einem warmen Weiß, dann in zartem Blau und letztlich wird er ganz bunt. Der Farbwechsel geht dabei sanft, fast unmerklich vonstatten. Die Lichtinstallationen der "luci d’artista" sind der Gegenentwurf zu aufdringlicher Weihnachtsbeleuchtung made in USA, denn sie respektieren und betonen die architektonische Schönheit Turins.

Turin – die unterschätzte Stadt Italiens

Turin, große Skulptur eines Frauenkopfes auf dem Gehweg

Heute hat sich Turin zu einer Kunst- und Kulturstadt gemausert

Aus touristischer Sicht gilt Turin noch als weitgehend unentdeckt. Um die Stadt mit ihrem gut erhaltenen Zentrum voller Patrizierhäuser und schöner Plätze ein wenig bekannter zu machen, hat Turin bereits 1998 ein europaweit einzigartiges Projekt gestartet und international anerkannte Lichtkünstler gebeten, Kunstwerke zu entwickeln.

Turin, Innenhof eines Palazzo mit beleuchtetem Baum an einem Balkon

Besonders sichtbar wird die Kunst in der Adventszeit, wenn überall fantasievolle Lichtinstallationen in der Stadt zu sehen sind

Eine Jury hat die besten Objekte ausgewählt und heute kann man die fantasievolle Lichtkunst zwischen Ende November und Mitte Januar in Turin bewundern. Mittlerweile sind die Lichter zu einer festen Attraktion geworden, die viele Besucher in der Adventszeit nach Turin locken. Denn die Objekte können kostenlos in der Öffentlichkeit bewundert werden; quasi als Zugabe zum Spaziergang oder Shoppingerlebnis. Und niemand muss ein Experte für zeitgenössische Kunst sein, um sich an der besonderen Stimmung, die die Lichter schaffen, zu erfreuen.

Fantasievolle Lichtkunst zum Staunen und Nachdenken

Turin, weihnachtlich beleuchtete Straße

Die Lichtkunst findet sich auf Plätzen, in den Haupteinkaufsstrassen und an historischen Bauten

Ein besonders schönes Werk stammt übrigens von einer deutschen Künstlerin. Von Rebecca Horn aus Michelstadt in Hessen. Ihre Lichtinstallation ist so ungewöhnlich, dass man sie am liebsten stundenlang betrachten und in unzähligen Fotos festhalten möchte. Große und kleine Lichterkreise in einem ganz intensiven Lila tanzen um eine weiße Kirche. Die Kirche liegt auf einer kleinen Anhöhe. Und das strahlende Weiß wirkt mit dem lebendigen, vibrierenden Lila zusammen fast außerirdisch schön.

Turin, bunt beleuchtete Straßenlaterne

Die modernen Installationen harmonieren perfekt mit den historischen Bauten

Weniger märchenhaft, aber nicht weniger faszinierend, ist die Lichtinstallation von Domenico Pannoli. Der Turiner Künstler ist von Anfang an bei den luci d’artista dabei und hat ein Werk geschaffen, das nachdenklich stimmt. Der Titel seiner Arbeit lautet "l’amore non fa rumore!"; übersetzt: "Die Liebe macht keinen Lärm". Damit möchte der Künstler zu Toleranz und gegenseitigem Verständnis aufrufen – nicht nur in der Weihnachtszeit.

Antje Zimmermann in Turin, Ausblick vom Castello di Rivoli auf Turin

WDR 4-Reiseexpertin Antje Zimmermann genießt den Ausblick vom Castello di Rivoli auf Turin

Die mehrteilige Lichtinstallation von Domenica Pannoli ist über einen großen Platz verteilt. Menschen wandern von einer Ecke zur nächsten und betrachten die leuchtenden Buchstaben und Tafeln. Das viel beachtete Kunstwerk ist auch schon an andere europäische Städte ausgeliehen worden, die sich dem künstlerischen Aufruf zu mehr Toleranz anschließen möchten.

Stand: 02.12.2015, 00:00

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