Jarett Kobek: London, Washington und das Weltuntergangsgefühl

Jarett Kobek

Jarett Kobek: London, Washington und das Weltuntergangsgefühl

Sind schlicht alle Neuigkeiten Fake News? Der US-amerikanische Literat Jarett Kobek - Autor von "Ich hasse dieses Internet" - vertritt diese Ansicht und schreibt darüber an WDR 3 in der Reihe "Briefe aus Amerika".

14. Juni 2017

Die Dinge, die man vergisst, sind am Ende die schlimmsten. Nehmen Sie zum Beispiel den letzten amerikanisch-britischen Anlauf zu einem misslichen Auslandsabenteuer, in dem der damalige Präsident George W. Bush und der damalige Premierminister Tony Blair beschlossen, die Kreuzzüge wieder aufleben zu lassen und in den Irak einzufallen. Die Folge war der Tod unzähliger irakischer Zivilisten, zehntausender britischer und amerikanischer Soldaten und ein geopolitisches Klima, das uns bis heute belastet.

Der prägende Vorfall des beginnenden Jahrhunderts

Alles, was Sie über ISIS und das Klima im Nahen Osten hören? Das ist das Erbe des Irak-Krieges. Die Briten schafften irgendwie den Ausstieg, aber die Amerikaner sind immer noch da. Es ist der längste Krieg in unserer Geschichte. Er wird nie enden. Es ist ein verschwiegener Krieg geworden, etwas, worüber man nicht spricht. Eine Unannehmlichkeit, die sich höflicher Konversation entzieht. Amerikanische Reflexionen über diesen Krieg als ein historisches Ereignis und ein fortdauerndes Problem sind seit Jahren immer leiser geworden, aber erst die Wahl Trumps hat das Irak-Abenteuer vollends aus dem nationalen Bewusstsein gelöscht. Das ist merkwürdig. Wenn in fünfzig Jahren Historiker über den Krieg im Irak schreiben – falls es dann noch Historiker gibt, was ich für sehr fraglich halte –, werden sie ihn zum prägenden Vorfall des beginnenden 21. Jahrhunderts erklären und als das Prisma bezeichnen, durch das alle folgenden Ereignisse betrachtet werden müssen.

Der 8. Juni 2017 - ein denkwürdiger Tag

Ich schreibe dies am Abend des 8. Juni, eines Tages, der in der englischsprachigen Welt mit Sicherheit als einer der seltsameren Momente erinnert werden wird. Am Morgen hat James Comey, der ehemalige FBI-Chef vor dem Geheimdienstausschuss des Senats ausgesagt über seine Interaktionen mit Präsident Trump, eine Kette von Vorfällen, die damit endete, dass Trump Comey feuerte. Das Schauspiel war unglaublich.

Es ist auch der Tag, an dem Theresa May, die Premierministerin des Vereinigten Königreiches, die Ergebnisse der vorgezogenen Wahl erfährt, die sie vor sechs Wochen ausgerufen hat. May hoffte, Nutzen aus der in den Umfragen deutlichen  Dominanz der Konservativen zu ziehen und im Unterhaus eine Zweidrittelmehrheit ihrer Partei zu erreichen. Vermutlich wollte sie ihre Machtbasis für die Brexitverhandlungen stärken. Aber im Lauf des Tages wurde klar, dass Mays Entscheidung ein Desaster war. Die Wahl endete mit einem hung parliament, einer Hängepartie, das heißt keine Partei kann allein regieren. Mays Partei hat weniger Sitze als vor der Wahl und ist gezwungen, eine Koalition einzugehen. Über die beiden Ereignisse kann und wird man eine Million Kommentare abgeben. Über ihre besonderen Einzelheiten, ihre bizarre Gestalt, ihre politischen Konsequenzen.

Chaos über den Epizentren der englischsprachigen Welt

Aber da beide am selben Tag geschahen, ist es schwer, diesem Nebeneinander  keine tiefere Bedeutung zu unterstellen. Zumindest bestätigen sie das Gefühl, dass zunehmend Chaos über die Epizentren der englischsprachigen Welt hereinbricht.

Täuschen wir uns nicht. Dies ist ein Problem, das offenbar allein Großbritannien und Amerika betrifft. Üble Wahlausgänge gab es hier und da auf der Welt , aber die Franzosen haben Le Pen vermieden, und Kanada wählte Trudeau. Natürlich kann man Länder wie Brasilien oder Venezuela in den Fokus nehmen und dort politische Instabilität entdecken. Aber was so ein richtiges Weltuntergangsgefühl angeht, da sind Washington und London im Moment nicht zu toppen. Brexit, Trump, parlamentarische Hängepartie.

Was passiert, wenn es in Atommächten zur Kernschmelze kommt?

Rückkehr auf vertrautes Gebiet

Ich arbeite an einem neuen Roman über den Nahen Osten. Das ist für mich so etwas wie die Rückkehr auf vertrautes Gebiet – meine erste erfolgreiche Publikation war die Erzählung ATTA, über Mohamed Atta, den Anführer der Flugzeugentführer vom 11. September. Aber das Buch war so angelegt, dass es kein Nachdenken über den Krieg im Irak forderte. Und es ist vor sieben Jahren entstanden, das heißt, in einer persönlich und politisch unschuldigeren Zeit.

Im Inneren der Dinge liegt eine Verdorbenheit

Jetzt, da ich das Thema wieder aufnehme, kann ich das Gefühl nicht loswerden, dass die politische Instabilität in Amerika und Großbritannien eine indirekte Auswirkung  dieses Krieges ist. Ich habe keinen handfesten Beweis dafür, nur ein Bauchgefühl, aber dass die für diesen Krieg Verantwortlichen nicht bereit sind, seine Schrecken und seine ökonomischen Folgen zuzugeben, weckt Pathos, glaube ich. Im Inneren der Dinge liegt eine Verdorbenheit, die an die Oberfläche drängt.

Ich habe viele Freunde, die Beifall klatschen, wenn ein ehemaliger FBI-Direktor gegen den amtierenden Präsidenten aussagt, Freunde, denen die Vorstellung von einem Parlament ohne aktionsfähige Mehrheit gefällt, die den Brexit mögen oder alle möglichen anderen Wegweiser auf der Straße zum Akzelerationismus. Aber mir machen diese Argumente Mühe, vor allem, weil ich ganz wie der große japanische Romancier Kenzaburo Oe "ein Anarchist mit einer Schwäche für Demokratie" bin.

Außerdem denke ich an die realen Folgen dieser Ereignisse. Die Zerrüttung des Staates kann ich aus einem einfachen Grund nicht gutheißen: Die Gesichter im Fernsehen zahlen niemals den Preis für das Chaos, das sie auslösen. Wirklich darunter leiden Menschen einer Gruppe, die weitaus verborgener ist als der Krieg im Irak oder die Tragödie, die darauf folgte. Die Menschen, die wirklich leiden, sind die am wenigsten Geliebten unter uns.
Die Armen.

3. Mai 2017

Vor ein paar Monaten wurde ich aufgefordert, an einem Interview im britischen Nachrichtensender Channel 4 News teilzunehmen. Das war eine seltsame Einladung –trotz anderslautender Gerüchte bin ich in erster Linie ein Romancier und kein Meinungsmacher.

Ich sollte über Fake News sprechen. Nach der Einladung hatte ich eine Email an den Sender geschrieben und klargemacht, was von mir zu erwarten wäre: Ich würde sagen, dass ich alle News für Fake News halte und dass die intensive Nach-Wahl- Entrüstung über Fake News nur einer von unendlich vielen rhetorischen Winkelzügen der US Liberalen oder gemäßigten Linken war, die möglichst vermeiden wollten, die bittere Wahrheit zuzugeben, dass Trump die Wahl gewonnen hatte. Dass das, was Channel 4 zu bieten habe, am Ende auch Fake News seien, würde ich sagen.

Alle News sind Fake-News 

Zu meiner Überraschung war der Sender anscheinend ganz froh über meine Antwort. Als der Zeitpunkt meines Auftritts näher rückte, wurde klarer, dass das Ganze ein Desaster werden würde. Der andere Gast, der das Gegenteil meiner Ansicht vertrat, war ein ehemaliger Angestellter der Washington Post, einer Einrichtung, die im Wahljahr 2016 reichlich Zeit mit dem Fabrizieren von Fake News für Leute wie mich verbracht hatte. Vor meinem Interview würde etwas über russische Fake-News-Fabriken gesendet werden. Nicht gerade ein förderlicher Kontext für mein Argument. Bevor ich weiter rede, muss ich eines klären: Das Neue ist eine Falschmeldung. Alle News sind Fake News. Das liegt in der Natur der Sache.

In Amerika verschwindet der Journalismus

Eine Neuigkeit ist der erste Eindruck von Ereignissen, die im Werden sind, ein Eindruck, präsentiert von Leuten, die keine Ahnung haben, was geschieht. Sie kann in keiner Weise richtig sein. Sie ist immer falsch. Journalismus ist etwas anderes als Neuigkeiten. Den Unterschied können wir kenntlich machen, wenn wir uns vorstellen, dass die Arbeit des Journalismus eine kontinuierliche, über längere Zeit fortgesetzte Berichterstattung ist – genau da, was jetzt in Amerika verschwindet.

Clown im Guns N' Roses T-Shirt

Wie auch immer, ich trat im Channnel 4 auf. Ich wusste, ich würde als idiotischer Romanschreiber aus Kalifornien vorgestellt werden, als einer, der eigentlich nichts in einer im ganzen Land ausgestrahlten Sendung zu suchen hatte.  Meine Reaktion: Ich zog mich an wie ein Clown. Trug ein Guns N’ Roses T-Shirt und einen lächerlichen Hut.

Der Auftritt war, je abhängig von Standpunkt des Betrachters, entweder ein Desaster oder das Komischste, was ich je gemacht habe. Es endete damit, dass ich mich drei Minuten lang mit dem Gastgeber stritt ihm dabei irgendwann erzählte, er sei irrelevant. Auswirkung auf die Verkaufszahlen meiner Bücher hatte dies nicht.

Mitfühlende Reaktionen von Freunden

Als die Sache vorbei war, schrieben mir Freunde, denen am Fernsehen liegt, mitfühlende Mails. Sie waren sicher, dass ich ein Flopp gewesen war. Alle anderen fanden den Auftritt irre komisch. Die einzige Reaktion von jemandem, den ich nicht kannte, kam von einem Mann aus Leeds. Er schrieb mir, mein Hut habe ihn geärgert.

Nicht lange danach spielte die ganze Idee der Fake News im Bewusstsein der gemäßigten Linken Amerikas keine Rolle mehr. Aus welchem Grund?

Vereinnahmung der Fake News durch die Rechte

Donald Trump und seine Mitspieler in den konservativen Medien begannen, den Begriff zu vereinnahmen. Wann immer jemand etwas Negatives über Trump schrieb, stempelte der Präsident den Bericht prompt als „Fake News“ ab. Damit entwertete  er die Idee des Begriffs. Denn auf bizarre Weise hatte er ja Recht.  News sind immer Fake News. Hat man diese Vorstellung einmal festgeklopft, kann man sie unmöglich wieder loswerden. Mittlerweile reden nur noch weit Rechtsstehende über Fake News. Und mit Vergnügen. Fake News ist alles.

Das rasante Tempo, mit dem diese bei der amerikanischen gemäßigten Linken auftauchenden rhetorischen Ideen von der Rechten benutzt werden, ist etwas ganz Neues. Früher brauchte dieser Transfer Jahrzehnte. Jetzt braucht er Wochen. Die sogenannten Küstenstaaten-Eliten, die früher unangefochten bestimmen konnten, in welcher Weise die Medien amerikanische Erfahrungen konstruierten und verpackten, haben die Kontrolle verloren, und die neuen Erfindungen können mühelos vereinnahmt werden.

Erfundene Skandale in beiden Lagern

Spiegelbildlich wird das deutlich an der Art, wie die gemäßigte Linke in den USA auf die Vorstellung fixiert ist, dass Trumps Wahlkampf von geheimen Absprachen mit Russland profitiert hat. Ich möchte allen reinen Wein einschenken, die an diesen Unfug glauben: Es ist nichts damit. Nicht einmal Rauch ohne Feuer. Kein Rauch und kein Feuer.

Wer immer sich noch an das letzte Jahr erinnern kann, müsste den Umriss dieser Idee wiedererkennen. Sie stammt direkt aus dem republikanischen Drehbuch. Die Clinton- und Obama-Regierungen wurden von erfundenen Skandalen heimgesucht. Die letzten Jahre der Präsidentschaft Obamas litten unter dem 2012 erfolgten Angriff auf die amerikanische Botschaft in Benghasi. Es gab Republikaner, die im Ernst glaubten, entweder Obama oder Hilary Clinton, damals Außenministerin, hätten ein Amtsvergehen begangen. Niemand konnte jemals beschreiben, was sie überhaupt getan hatten, aber alle wussten, dass sie es getan hatten. Genau wie die Absprache mit Russland.

Worte werden unbrauchbar gemacht

Das ist also die Welt, in der ich dieser Tage lebe, eine Welt, in der die beiden Seiten des amerikanischen politischen Lebens über Nacht die Rollen getauscht haben. Für jemanden, der versucht zu schreiben, ist sie eine konstante Bedrohung. Wie kann ich in einem historischen Moment, da Worte und was sie beschreiben, unbrauchbar gemacht werden, mit einer Arbeit weiterkommen, die so von der Sprache abhängig ist? Ich habe keine Ahnung.

Aber fürs Protokoll, ich meine immer noch, dass News Fake News sind.

"Ich hasse dieses Internet" heißt der Roman-Erstling des amerikanischen Autors Jarett Kobek. Der Autor mit dem türkischen Nachnamen studierte an der University of New York und tummelte sich in der IT/Technik-Branche. Seine schonungslose Abrechnung mit den sogenannten sozialen Medien, wie Twitter, Facebook und Co. beinhaltet also einiges an Insiderwissen. Kobek zeigt literarisch und in Geschichten erzählend, wie solche Unternehmen funktionieren, Geld verdienen und dabei Existenzen vernichten. Das Netz ist für ihn "intellektueller Feudalismus auf der Basis von technischen Neuerungen, die als Kultur getarnt daherkommen". Kobek nennt sein Buch im Untertitel süffisant "Ein nützlicher Roman".

22. März 2017

Vorige Woche bin ich in Europa herumgereist – erst war ich in Deutschland zur Litcologne und dann in Belgrad, wo ich entdeckte, dass ich als literarische Berühmtheit ein Schnäppchen bin – und wie immer war das Reisen lehrreich.

Zum letzten Mal hatte ich mich im Herbst 2016, in den Wochen vor und nach der Präsidentschaftswahl, längere Zeit außerhalb von Amerika aufgehalten. Jeder Europäer, auf den ich traf, wollte mit mir über Donald Trump reden. Fast jeder, mit dem ich sprach, schien überzeugt, dass der Star einer Fernseh-Reality-Show Wahlsieger werden müsse oder wenigstens ein Chance auf Sieg habe.

Das war ganz anders als zu Hause, wo ich in meinem Freundeskreis einer von nur drei Leuten war, die meinten, Trump werde unser neuer Präsident werden. Sagte man vor der Wahl, man traue ihm den Sieg zu, war es, als spucke man dem Papst ins Gesicht, ein so gravierender Verstoß gegen alle gesellschaftlichen Spielregeln, dass man sich sofort schwer verdächtig machte.

Trump-Sieg führte das Land ins emotionale Chaos

Das war der amerikanische Liberalismus in den Obama-Jahren – Verdienst einer Küstenstaaten-Elite, die immer auf der Suche nach dem Sand ist, in den sie ihren Kopf stecken kann. Eine sehr gute Strategie, falls man politisch vernichtet werden will; führt prompt in den Wahnsinn, wenn eine unangenehme Möglichkeit zur Realität wird.

Als ich dann Ende November nach Amerika zurückkam, war es für mich wie die Schlussszene in Planet der Affen, als Charlton Heston nur an den Trümmern der Freiheitsstatue erkennt, dass er sich auf der Erde befindet. Der geographische Ort war derselbe, aber alles sonst verändert, und den Moment des totalen Umschwungs hatte ich verpasst, weil ich mich jenseits der Landesgrenzen herumgetrieben hatte.

Ich sah nur noch das Nachspiel: ein Land im emotionalen Chaos. Meine Freunde waren außer sich vor Kummer. Selbst die Trump-Anhänger, die ich kannte, waren durch den Sieg verwirrt. Den Hauptgewinn hatten sie, aber was genau war damit gewonnen?

Die Wahl war eine Abstimmung über eine Illusion

Die folgenden Monate brachten keine rechte Klarheit. Das Land schleppte sich strauchelnd weiter. Fragen kamen auf, darunter die eher ermüdende, ob Schriftsteller und Künstler mit ihren Werken politischen Widerstand leisten könnten. Das erinnerte mich an den Vergleich, mit dem Kurt Vonnegut die Wirkungskraft der amerikanischen Kunst während des Vietnamkriegs beschrieben hatte: "Sie war so stark wie eine Bananencremetorte von knapp einem Meter Durchmesser, die man von einer drei Meter hohen Leiter fallen lässt."

Die Wahl war in vielerlei Hinsicht eine Abstimmung über eine Illusion, die der Kapitalismus seiner Kreativen Klasse gern nahelegt, die Vorstellung nämlich, dass Leute, die Poster malen und Romane schreiben, einen gewissen Einfluss auf die Welt haben könnten. Was natürlich nicht stimmt. Die Welt  wird von Banken und Vorstandsetagen aus regiert. Künstler sind – mit Glück – Hofnarren der Machthaber.

Ungetrübtes Vergnügen: Mächtige lächerlich machen

Damit will ich nicht sagen, dass man sich nicht trotzdem die Mühe machen sollte. Solange wir im Kopf behalten, dass wir irrelevant sind, bleibt uns immerhin wenigstens noch ein ungetrübtes Vergnügen: Wir können die Mächtigen lächerlich machen. Die Frage ist nur: wie?

Im August wird in Amerika ein neuer Roman von mir herausgebracht. Ein Buch über New York in den 1980er und 1990er Jahren. Trump kommt nicht darin vor, aber ich hatte mit dem Gedanken gespielt, ihn als Typ einzufügen und hatte sogar schon eine Nische für ihn gefunden: Ich wollte ihn in den VIP Room eines inzwischen eingegangenen Clubs namens Limelight stecken, der eine wöchentliche Freakshow im Programm hatte. Menschen gingen auf die Bühne und entwürdigten sich für eine winzige Spur Ruhm und Glück. Einer der berühmtesten Mitwirkenden war ein Mann, der seinen eigenen Urin trank.

Ich hatte mir ausgedacht,  dass Trump in den Kulissen mit einer Handvoll Kokain-Junkies aus dem Club abhängen und über den Urintrinker lachen sollte.

Massenmedien übertrumpfen schöpferische Impulse

Das wäre ein unübertreffliches definitives Bild unseres neuen Präsidenten, dachte ich mir – der Mann ist im VIP Room und sieht feixend zu, wie jemand den eigenen Harn trinkt. Ein weiterer Freak bei der Freakshow. Diese meine Grenzüberschreitung  gefiel mir, ich war stolzgeschwellt über meinen fantastischen Verstoß gegen gute Sitten und Geschmack.

Und dann redeten alle von einem Geheimdossier, das einen russischen Erpressungsplan aufgedeckt habe. Angeblich hatten die Russen Trump gefilmt, als er Prostituierte dabei beobachtete, wie sie auf ein Bett urinierten. Mein fantastisches, Grenzen sprengendes Bild war von den Massenmedien, den uncoolsten Leuten auf dem Planeten, überrollt worden.

Ich habe aufgegeben. Trump kommt im Roman nicht vor.       

Und ich reise hier in Europa herum und frage mich, wie die Fantasie mit einer historischen Periode Schritt halten kann, in der die Nachrichten schöpferische Impulse übertrumpfen. Vielleicht kann sie es nicht.

Vielleicht liegt die Kreativität in den letzten Zügen.

Stand: 14.06.2017, 16:20