Lawrence Osborne: Denen man vergibt

Cover Lawrence Osborne "Denen man vergibt", im Hintergrund eine Bergkette in der Wüste Marokkos

Lawrence Osborne: Denen man vergibt

Der britische Reporter Lawrence Osborne, geboren 1958, veröffentlichte Reisereportagen unter anderem in der "New York Times", außerdem Kurzgeschichten und Romane. "Denen man vergibt" ist sein erster Roman auf Deutsch.

Nach der Lesung am Samstag jeweils hier zum Nachhören: Teil 1 befristet bis zum 18. November 2017 und Teil 2 befristet bis zum 25. November 2017.

Lawrence Osborne: Denen man vergibt - Teil 2

WDR 3 Lesung | 18.11.2017 | 53:24 Min.

Lawrence Osborne

Lawrence Osborne

Ein mittelaltes britisches Ehepaar, er Hautarzt, sie Kinderbuchautorin, ist nach Marokko eingeladen worden. In einem Ksar, einer befestigten dörflichen Siedlung im Rif, veranstaltet ein wohlhabendes Männerpaar eine mehrtägige Party. Es wird Schnaps und Champagner in Strömen geben, Cannabis und Kokain, nicht zu vergessen erlesenes Essen. Die einheimischen Dienstboten, muslimische Berber allesamt, werden den beiden Gastgebern dabei helfen, ein Hochamt westlicher Dekadenz zu organisieren. Unentwegt werden sie eiskalten Wein herbeischaffen, über den Zeitplan der zahllosen Imbisse und Menüs wachen und diskret die Spuren der Ausschweifungen wegwischen.

Das Londoner Ehepaar, David und Jo Henniger, hat den afrikanischen Kontinent mit der Fähre aus Spanien erreicht. Der Hafen liegt nicht weit entfernt von jenen spanischen Exklaven auf dem afrikanischen Kontinent, über deren haushohe Zäune täglich hoffnungslose Klettermigranten Zutritt zur Festung Europa suchen. Die Autofahrt ins marokkanische Hinterland wird ein paar Stunden dauern, Anlass genug für die eine oder andere alkoholische Kräftigung unterwegs. Als es längst dunkel ist, die Fahrt sich zieht, der eine oder andere eheliche Disput ausgekämpft ist, trifft das Ehepaar an der nächtlichen Landstraße auf junge Fossilienverkäufer. Wie viele ihrer armen Landsleute betrachten sie jeden Weißen als reich und potentiellen Käufer ihrer landestypischen Versteinerungen. Einer der jungen Händler tritt auf den Wagen der Engländer zu, David verschätzt sich und bremst zu spät … .

Der farbenreiche Roman mit seinen zum Teil drastischen Szenen erörtert sprachmächtig das Verhältnis von traditionsbewußtem Orient und glaubensfernem Westeuropa. Er hilft dem Leser dabei abzuwägen, was Schuld und Strafe ist, wer Gnade verdient und wer vergeben darf. Ein Kritiker schloss seine Besprechung von Osbornes Buch sinngemäß mit dem Vergleich: Ein Roman, so elegant und gefährlich wie ein Panther. Richtig, der Leser merkt es kaum, wenn die Raubkatze bereits zum Sprung ansetzt. Und dann gibt es keine Rettung mehr.

Buch zur Lesung:
Lawrence Osborne: Denen man vergibt. Aus dem Englischen von Reiner Pfleiderer. Verlag Klaus Wagenbach Berlin 2017, 272 Seiten, 22,00 Euro

Ausstrahlung:
Teil 1 im Lesezeichen vom 6. bis 10. November und in der Lesung am 11. November 2017.
Teil 2 im Lesezeichen vom 13. bis 17. November und in der Lesung am 18. November 2017
Gelesen von Gerd Köster
Redaktion: Imke Wallefeld
Produktion: WDR 2017

Stand: 02.11.2017, 11:07