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Nachbildbeschleunigung: Der Dichter Thomas Kling

Thomas Kling bei Lesung am 28.01.1998

Nachbildbeschleunigung: Der Dichter Thomas Kling

Von Ulrike Janssen und Norbert Wehr

"Wir werden noch eine Weile brauchen, bis wir begreifen: Der Verlust dieses Dichters ist nur mit jenem zu vergleichen, den der Tod Paul Celans bedeutet hat ..." schrieb Marcel Beyer in seinem Nachruf auf den Freund Thomas Kling. Anfang Juni wäre der Lyriker 60 Jahre alt geworden.

Der Schriftsteller Thomas Kling

1957 in Bingen geboren, hatte Thomas Kling Mitte der achtziger Jahre, als selbsternannter Nachfahr der Avantgardisten Artmann und Prießnitz, mit seinen "Sprachinstallationen" die literarische Bühne betreten – laut, aggressiv und kompromisslos. Am Ende seines Lebens, in seinem letzten Band "Auswertung der Flugdaten", waren es die Antimodernisten George und Borchardt, denen er luzide Essays widmete. Dazwischen entstanden in zwanzig Jahren zahlreiche Bände, in denen Kling, der Spracharchäologe und Sprachekstatiker, die verschiedenen Schichten von Tradition, Experiment und Moderne in bis dahin unerhörter Form miteinander verband. Wie kaum ein zweiter Lyriker seiner Generation öffnete er das Gedicht für die unterschiedlichsten Sprach- und Sprechweisen und interessierte sich nicht nur für zeitgenössische Lebens- und Medienwelten, sondern auch für historische, geologische, biologische und naturgeschichtliche Phänomene. Das Gedicht, so sein Anspruch, habe ein Wahrnehmungsinstrument zu sein, "das kleinste subkutane Bewegungen der Sprache sichtbar und hörbar zu machen versteht". Ulrike Janssen und Norbert Wehr zeichnen ein Porträt, in dem vor allem Thomas Kling selbst zu Wort kommt: in zum Teil unbekannten Tonaufnahmen, darunter auch seinem letzten im Todesjahr entstandenen Gespräch, einem beeindruckenden Dokument.
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Ausstrahlung am 24. Juni 2017, Wiederholung am 25. Juni 2017
Von Ulrike Janssen und Norbert Wehr
Redaktion: Imke Wallefeld
Produktion: WDR 2006

Stand: 13.06.2017, 10:07