"Freeter" - Japans Aussteiger

"Freeter" - Japans Aussteiger

"Freeter"nennt man in Japan die zumeist jungen Männer mit Hochschulabschluss, die dazu gezwungen sind, ihren Lebensunterhalt dauerhaft mit befristeten Jobs und ohne große Aussichten auf Festanstellung zu bestreiten. Einige verbringen ihre Nächte in den Kabinen der Internet-Cafes, um sich am anderen Tag wieder auf die Jagd nach einer Arbeitsgelegenheit zum machen.

Strassenkreuzung in Shibuya, Tokio

Freeter gelten in Japan als das, was in Deutschland "Generation Praktikum" genannt wird. "Arubaito" - der japanische Begriff für Teilzeitarbeit oder Tagelöhner ist direkt dem deutschen Wort "Arbeit" entlehnt. "Freeter" ist ein Kunstwort aus dem englischen Begriff "free" und "arubaito".

Freeter gelten in Japan als das, was in Deutschland "Generation Praktikum" genannt wird. "Arubaito" - der japanische Begriff für Teilzeitarbeit oder Tagelöhner ist direkt dem deutschen Wort "Arbeit" entlehnt. "Freeter" ist ein Kunstwort aus dem englischen Begriff "free" und "arubaito".

Denn während noch bis in die 80er Jahre hinein das Prinzip der lebenslangen Festanstellung in Japan galt, arbeiten heute bereits mehr als ein Drittel der Japaner in nicht-regulären Arbeitsverhältnissen.

Damit sind die Freeter gezwungen, ihren Lebensunterhalt dauerhaft mit schlecht bezahlten Jobs zu bestreiten. Ein weltweiter Flashmob unter dem Motto "Aufstehen!" soll auch in Japan auf prekäre Arbeitsverhältnisse aufmerksam machen.

Amamiya Karin (Bildmitte), eine in Japan bekannte Schriftstellerin, engagiert sich in der Anti-Armutsbewegung und ist mittendrin im Flashmob.

Der auf der Fahne abgedruckte Schriftzug ist der Slogan gegen Ausbeutung der japanischen Freeter und bedeutet: "Ich kann nicht mehr durchhalten!"

Trotz des strukturellen Arbeitswandels in Japan sind die Amüsiermeilen in Tokio auch bei Nacht brechend voll…

… und ebenso bei Tag. Viele Freeter finden hier niedrig qualifizierte Tagesjobs wie Giveaways an Passanten verteilen oder Kassieren in einem 24-Stunden-Markt.

Ein langer Arbeitsweg aus den Vorstädten in die Innenstadt ist der Normalfall, denn in Tokio zu wohnen, ist sehr teuer. Die Freeter können oder wollen sich den langen Weg nach Hause in die Vorstädte nicht mehr leisten und übernachten in einem Internet-Cafe.

Viele Internet-Cafes sind auf Übernachtungsgäste eingestellt. Es gibt spezielle Tarife für die Nacht, ebenso Duschen, Unterhaltungsmedien, freie Softdrinks – und vor allem die Möglichkeit, online direkt Arbeit zu finden.

Die Internet-Cafes sind gut besucht und zumeist auch ziemlich groß. Wie überall in Japan zieht man sich die Schuhe aus, bevor man in eine gemietete Box schlüpft.

Für das WDR 3 Kulturfeature "Heimatlos - Tokios digitale Tagelöhner" reiste das Autorenduo Serotonin (Marie-Luise Goerke und Matthias Pusch - hier im Bild) nach Japan, um zum Thema "Arbeitswandel" in Japan zu recherchieren.

Stand: 07.10.2016, 14:10 Uhr