Staatsbegräbnis oder - Vier Lektionen politische Gemeinschaftskunde. Eine Collage

Köln nahm Abschied von Konrad Adenauer: Blick auf das Südportal des Kölner Doms am 25.04.1967, als Offiziere der Bundeswehr Kränze heraustragen.

Staatsbegräbnis oder - Vier Lektionen politische Gemeinschaftskunde. Eine Collage

Von Ludwig Harig

Als Konrad Adenauer vor 50 Jahren, am 25. April 1967, beigesetzt wurde, sendeten alle Rundfunk- und Fernsehanstalten der Bundesrepublik live. Aus diesen Aufnahmen montierte Ludwig Harig ein satirisch-politisches Stück Aufklärung.

Die Trauerzeremonie für den verstorbenen Bundeskanzler war damals omnipräsent: Aus den Reden und Ansprachen sowie Kommentaren von Politikern, Geistlichen und der Presse hat Ludwig Harig 14 Stunden ausgewählt und daraus eine Sprachanalyse zusammen-, ineinander- und übereinandergeschnitten. Diese Analyse besteht ausschließlich aus authentischem Originalmaterial, es ist nichts hinzugefügt worden. Sein Stück schrieb Programmgeschichte, nicht nur weil es dem Material gegenüber mehrdeutig und in seiner kritischen Aussage damit eindeutig war. Montiert aus Beileidsbekundungen, die Harigs Auffassung nach eben nicht nur dem Gedächtnis des Toten, sondern vor allem der Aufmerksamkeit der Lebenden galten, deckt er Sprach-Hülsen des öffentlichen Lebens auf. Die Collage ergibt vier Lektionen politische Gemeinschaftskunde: "Die Gemeinschaft der freien Völker", "Die christliche Bedeutung der politischen Tätigkeit", "Freiheit und Ordnung" sowie "Die Auferstehung und das Leben".

Das Staatsbegräbnis von Konrad Adenauer - Eine Chronik

Mehrere Tage dauerten die Trauerfeierlichkeiten: Als Konrad Adenauer, der erste Bundeskanzler der Bundesrepublik Deutschland, am 19. April 1967 starb, nahm das ganze Land Anteil. Das opulente Staatsbegräbnis lief nach offiziellem Zeremonie-Protokoll ab, wie unsere Bilder zeigen.

Staatsbegräbnis - Konrad Adenauer

22. April 1967 - 09:00 Uhr: Auf dem Weg zum Kanzleramt überquert der Trauerzug den Rhein mit der Fähre von Rhöndorf, Adenauers Wohnort, Richtung Bonn. Die Übersetzung erfolgt mit zwei Fähren von Nieder-Dollendorf nach Bad Godesberg.

22. April 1967 - 09:00 Uhr: Auf dem Weg zum Kanzleramt überquert der Trauerzug den Rhein mit der Fähre von Rhöndorf, Adenauers Wohnort, Richtung Bonn. Die Übersetzung erfolgt mit zwei Fähren von Nieder-Dollendorf nach Bad Godesberg.

22. April 1967 - 09:20 Uhr: Nach dem Anlegen der Fähre übernimmt auf Godesberger Seite eine Ehrenformation des Bundesgrenzschutzes den Sarg mit den sterblichen Überresten des Altbundeskanzlers. Sie geleitet den Kondukt zum Bundeskanzleramt Bonn.

09:50 Uhr: Eine Polizeieskorte begleitet den Wagen bis zum Bundeskanzleramt, wo der Zug von Bundeskanzler Ludwig Erhard empfangen wird.

23. April 1967 - 23:30 Uhr: Am Abend wird der Leichnam Adenauers von Bonn nach Köln überführt und trifft kurz vor Mitternacht am Kölner Dom ein. Am Morgen des 24. April wird das Defilee der Bevölkerung vom Oberbürgermeister, dem Rat und der Verwaltung der Stadt Köln eröffnet und dauert den ganzen Tag an.

25. April 1967 - 10:00 Uhr: Konrad Adenaur wird mit einem Staatsakt unter Teilnahme zahlreicher hochrangiger Gäste aus der ganzen Welt gewürdigt: Hier sitzen von links nach rechts Bundespräsident Heinrich Lübke, der französische Staatspräsident Charles de Gaulle und US-Präsident Lyndon B. Johnson nebeinander, rechts dahinter der Hohe Kommissar John McCloy, Bundeskanzler Kurt Georg Kiesinger und Bundestagspräsident Eugen Gerstenmaier.

15:10 Uhr: Nach dem Pontifikalrequiem werden die Trauerkränze von Offizieren der Bundeswehr aus dem Südportal des Kölner Doms herausgetragen. Es folgt der Sarg von Adenauer. Direkt dahinter setzt sich der Trauerzug, angeführt vom Kölner Kardinal Frings, in Richtung Rheinufer in Bewegung.

15:20 Uhr: In den Straßenzügen drängen sich die Menschen. Firmen geben ihren Beschäftigten frei, ebenso wie zahlreiche Schulen den Schülern, damit sie dem ersten Bundeskanzler der Bundesrepublik Deutschland die letzte Ehre erweisen können.

15:30 Uhr: Hohe Offiziere der Bundeswehr tragen die Orden von Adenauer dem Sarg auf dem Weg zum Rhein voraus.

15:45 Uhr: Der Trauerzug trifft an der Anlegestelle am Kölner Rheinufer ein. Im Hintergrund drei der sechs Flusspionier-Boote, die den Konvoi auf dem Rhein in Richtung Bonn begleiten.

16:00 Uhr: An Bord des Schnellbootes "Condor" wird Adenauer nach Bad Honnef überführt, gefolgt von zwei Schwesterschiffen mit Angehörigen und Trauergästen an Bord. In Köln wird Adenauer mit 23 Salutschüssen geehrt, im Bereich der Bonner Nordbrücke folgen 68 weitere Schüsse. Um 18:45 Uhr wird der Sarg von der Anlegestelle zur Grabstätte in Rhöndorf geleitet.

20:00 Uhr: Im engsten Familienkreis wird Konrad Adenauer auf dem Waldfriedhof in Rhöndorf beigesetzt. Nach der Beerdingung ist der Grabstein von zahlreichen Blumen und Kränzen umringt.

Aus urheberrechtlichen Gründen kann das Hörspiel leider nicht zum Download angeboten werden. Sie können die Sendung aufzeichnen. Auf unserer Seite "Der WDR RadioRecorder" finden Sie dazu einige Tipps.

Ausstrahlung: 19. April 2017
Von Ludwig Harig
Regie: Johann M. Kamps
Redaktion: Christina Hänsel
Produktion: SR/WDR 1969/1992/53'

Stand: 13.03.2017, 14:19

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