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American Pop Art in Oberhausen

American Pop Art in Oberhausen

Von Katja Goebel

Eine grelle Film-Ikone wie aus dem Comic, Pin-ups hinter Cola-Flaschen, der Blick in den Kühlschrank und Plakate, die den Vietnam-Krieg anprangern - all das ist Pop Art aus der Sammlung Heinz Beck - und jetzt zu sehen in der Oberhausener Ludwiggalerie.

Pop Art Bilder von Andy Warhol

Blick auf die wohl bekannteste Fertigsuppe der Welt. Auch Andy Warhols Suppendose ist in Oberhausen zu sehen. Steht sie doch sinnbildlich dafür, wie sich die Kunst ins Alltagsleben drängt, Verpackungen und Getränkeflaschen zu Kunstobjekten werden. Die Konsumwelt im Museumsformat ist gleichzeitig ein Fingerzeig auf die wachsende Wohlstandgesellschaft und das Feiern des Fetischs. Durch die Pop-Art-Bewegung wird Kunst aber auch im großen Stil vervielfältigt und ist damit erschwinglich für Jedermann. "Meisterwerke massenhaft" lautet auch deshalb der Untertitel der Oberhausener Schau "American Pop Art", die ab Sonntag (24.01.2016) in der Ludwiggalerie präsentiert wird.

Blick auf die wohl bekannteste Fertigsuppe der Welt. Auch Andy Warhols Suppendose ist in Oberhausen zu sehen. Steht sie doch sinnbildlich dafür, wie sich die Kunst ins Alltagsleben drängt, Verpackungen und Getränkeflaschen zu Kunstobjekten werden. Die Konsumwelt im Museumsformat ist gleichzeitig ein Fingerzeig auf die wachsende Wohlstandgesellschaft und das Feiern des Fetischs. Durch die Pop-Art-Bewegung wird Kunst aber auch im großen Stil vervielfältigt und ist damit erschwinglich für Jedermann. "Meisterwerke massenhaft" lautet auch deshalb der Untertitel der Oberhausener Schau "American Pop Art", die ab Sonntag (24.01.2016) in der Ludwiggalerie präsentiert wird.

Die Oberhausener Ausstellung zeigt mit den Werken erstmals einen Ausschnitt der Sammlung Heinz Beck. Der Düsseldorfer Rechtsanwalt und Kunstmäzen hatte bis zu seinem Tod 1988 rund 2.000 Werke dem Wilhelm-Hack-Museum in Ludwigshafen vermacht. Darunter befinden sich neben den Arbeiten von Andy Warhol auch solche von Roy Lichtenstein, Mel Ramos, Robert Rauschenberg, Jasper Jones oder Richard Hamilton.

Mit 140 Werken zeigt Oberhausen nur einen Ausschnitt der Beck-Sammlung. Dafür sind neben den Pop-Art-Ikonen im Großformat auch eine Vielzahl an Objekten zu sehen - wie dieses Leporello. Ein Faltbuch, das aufgeklappt einige Meter misst und eine Stadtlandschaft in zusammenhängenden Einzelbildern zeigt.

Pop Art, das ist vor allem auch beim Blick in die vielen Einzelvitrinen der Schau zu sehen, zeigt sich in Variationen verschiedener Techniken. So finden sich neben dem bekannten Siebdruck eben auch Radierungen oder Collagen. Im Vordergrund zu sehen: eine gemalte Nase, die Claes Oldenburg 1968 einfach auf ein Taschentuch bannte.

Dieser scherenschnittartige Aufsteller ist das passende Objekt zu einem Bild des Howard Kanovitz. Bei der Arbeit "The People" steht eine Gruppe von Menschen mit dem Rücken zum Betrachter. Kanovitz spielt mit der Absurdität des Kunstbetriebes, indem er die Gruppe scheinbar ins Nichts starren lässt.

Larry Rivers verbindet mit seiner Arbeit "Dutch Masters" den zweidimensionalen Druck mit dem dreidimensionalen Objekt - nämlich einer Zigarrenkiste. Vorbild war übrigens ein Gruppengemälde von Rembrandt. Das Einarbeiten bekannter Vorlagen ist ein typisches Vorgehen der Kunst in den 60er und 70er Jahren. Vorbilder finden die Popartkünstler somit nicht nur in den Medien und im Alltäglichen, sondern auch in der Kunstgeschichte.

Starkult - ein großes Thema der Pop Art. Während Warhol Filmstars wie Marilyn Monroe aus Pressevorlagen der Hochglanzmagazine vervielfacht, setzt der New Yorker Richard Bernstein die Beatles nackt und in Regenbogenfarben ins Bild.

Die nackte Frau mit Phallussymbol: Bei Mel Ramos werden Frauen wie Pin-ups in Szene gesetzt. Jedoch gehen die Damen dabei hinter Colaflaschen und anderen Produkten der Warenwelt in Deckung.

Pop Art zoomt jedoch nicht nur ins Banale, ist dekorativ und lustig. Die Künstler setzen sich auch kritisch mit Politik auseinander. In dieser Reihe von Grafiken ist es vor allem die Kritik am Vietnamkrieg. Eine der Arbeiten (Mitte) zeigt das Bild eines Kriegsfotografen, der ein Massaker an Zivilisten festgehalten hat. Die Künstlergruppe "Art Workers Coalition" greift das Motiv schließlich auf. Als Anti-Kriegs-Plakat taucht es auf Demonstrationen gegen den Vietnamkrieg auf. Mit Mitteln der Werbung kritisierte auch James Rosenquist die aggressive Kriegsführung der USA. In seiner Arbeit (links) mischt er Symbole der Air Force mit einem roten Kindergesicht, das für Verbrennungsopfer stehen kann, und garniert das Bild mit einer zerplatzenden Glühbirne.

Ein Extraraum der Ausstellung ist Andy Warhol gewidmet. Hier sind noch einmal die grell bunte Marilyn Monroe sowie ein Close-Up der berühmten Suppendose zu sehen. Warhol inszeniert das banale Lebensmittel als etwas Besonderes. So wird am Ende das Abbild vom Bild berühmter als die Suppe selbst. Eine Anekdote zur Suppe erzählt Museums-Direktorin Christine Vogt beim Rundgang durch die Ausstellung: Wer genau hinsieht, entdeckt auf der Dose eine Medaille. "Diese Suppe hatte doch tatsächlich auf der großen Pariser Gourmetmesse um 1900 eine Goldmedaille gewonnen. Im Land der Gourmets hatte also diese Fastfood-Dosensuppe den Preis für besten Geschmack gewonnen."

Auch ein von Andy Warhol gestaltetes Buch liegt in der Ausstellung hinter Glas. Zu schade, dass Besucher es nicht durchblättern können, fanden die Ausstellungsmacher und filmten das Durchblättern vorher einfach einmal ab. Den Film kann man sich nun auf einem daneben liegenden i-Pad ansehen.

Kunst für Jedermann war auch das Motto dieser Warhol-Arbeit. Die kleinen Künstlerporträts sind austauschbar und waren nicht nur zum Anfassen, sondern auch kreativem Durchmischen gedacht.

Noch bis zum 16. Mai 2016 sind die 140 Pop Art-Werke der Sammlung Heinz Beck in der Oberhausener Ludwiggalerie zu sehen. Außerdem gibt es ein umfassendes Rahmenprogramm - zum Beispiel die Werkstatt, wo Kinder und Jugendliche Schablonendrucke, Logos und Wand-Tattoos gestalten können.

Stand: 22.01.2016, 06:00 Uhr