WDR 3 Werkbetrachtung: Johannes Brahms' Violinsonate Nr. 1 G-Dur

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Graugänse fliegen im Herbst der Sonne entgegen, bewölkter Himmel, grau

WDR 3 Werkbetrachtung: Johannes Brahms' Violinsonate Nr. 1 G-Dur

Ein "kleines Andenken" an sein Patenkind Felix Schumann hat Brahms geschrieben. Der Geiger Christian Tetzlaff erläutert, wie der Komponist uns eine Geschichte in Tönen erzählt: von Tränen und Schmerz, aber auch von Sehnsucht, Trost und Glück.

"Denn das Größte ist die Liebe!" - diese Botschaft liest Christian Tetzlaff aus den Noten der Violinsonate heraus. Der sonst so verschlossene Brahms lässt uns hier an seinen intimsten Gedanken und Gefühlen teilhaben. Und die drehen sich von Mai 1878 bis zur Bonner Uraufführung im November 1879 um den künstlerisch begabtesten Sohn seines Musikerfreundes Robert Schumann. Felix Schumann, 24 Jahre alt, Geiger und Dichter, stirbt gerade an Lungentuberkulose. Der zweite Satz nimmt in seinem Trauermarsch darauf Bezug, setzt davor aber eine innige Seelenmusik.

Dieses Adagio-Notenblatt schickt Brahms an Clara Schumann mit den Worten: "Wenn Du Umstehendes recht langsam spielst, sagt es Dir vielleicht deutlicher als ich es sonst könnte, wie herzlich ich an Dich und Felix denke." Sein Mitgefühl kommt von Herzen: "Es wäre mir eine gar große Freude, wenn ich Felix ein kleines Andenken schaffen könnte."

WDR 3 Werkbetrachtung: Johannes Brahms' Violinsonate Nr. 1 G-Dur

WDR 3 TonArt | 17.06.2017 | 17:21 Min.

Wie mit einem kleinen Seufzer beginnt die G-Dur-Sonate. Ein punktiertes "Ach", das in allen drei Sätzen bedeutungsvoll wiederkehrt. Für Christian Tetzlaff spricht Brahms durch seine Noten hindurch deutliche Worte, allerdings zunächst nur "mit halber Stimme", wie zu einem Freund. Klavier und Geige verweben ihre drei Melodielinien zu einer intimen Kammermusik, die geradezu körperlich zu Herzen geht.

Im Schlusssatz zitiert Johannes Brahms die Melodie seiner Lieder op. 59/3 & 4: "Regenlied" und "Nachklang". Sie singen von Tränen und Regen: beides macht die Wangen nass, doch "wenn die Sonne wieder scheinet, wird der Rasen doppelt grün". Hoffnung und Trost werden hier in Musik gefasst. Auch der Beiname "Regenlied"-Sonate rührt hierher.

Christian Tetzlaff, Geige spielend

Schon Clara Schumann hat die Regenlied-Melodie zu ihrer Herzensmusik erwählt: "Kannst Du Dir die Wonne vorstellen, als ich im dritten Satz meine so schwärmerisch geliebte Melodie mit der reizenden Achtel-Bewegung wiederfand! Ich sage meine, weil ich nicht glaube, dass ein Mensch diese Melodie so wonnig und wehmutsvoll empfindet, wie ich. Die tiefsten Saiten der Seele vibrieren mir bei solcher Musik!"

Der Geiger Christian Tetzlaff hat Brahms' Violinsonate op. 78 zusammen mit seinem langjährigen Klavierpartner und Freund Lars Vogt 2016 ein zweites Mal aufgenommen. Er kommentiert die für ihn berührendsten Momente und Gefühle der Musik.

Eine Collage von Antonia Ronnewinkel

Redaktion: Eva Küllmer

CD-Tipp

Cover: Christian Tetzlaff spielt Johannes Brahms Violinsonate Nr. 1 G-Dur

Johannes Brahms: Violinsonate Nr. 1 in G-Dur
Christian Tetzlaff (Violine)
Lars Vogt (Klavier)
Label: Ondine
Bestellnummer: ODE 1284-2

Stand: 14.06.2017, 17:07