WDR 3 Werkbetrachtung: Die erste Sonate für Violine solo von Eugène Ysaÿe

A
B
C
D
E
F
G
H
I
J
K
L
M
N
O
P
Q
R
S
T
U
V
W
X
Y
Z
Eugène Ysaye,auf Lehne von Stuhl sitzend, Geige unter dem Arm haltend

WDR 3 Werkbetrachtung: Die erste Sonate für Violine solo von Eugène Ysaÿe

Johann Sebastian Bachs Sonaten und Partiten für Violine solo sind Meisterwerke. Mit seinen sechs Sonaten op. 27 stellte Eugène Ysaÿe den Werken von Bach einen eigenen Zyklus zur Seite. In seiner ersten Sonate g-Moll huldigt Ysaÿe dem großen Vorbild. Die Geigerin Antje Weithaas erläutert das Werk.

WDR 3 Werkbetrachtung: Eugène Ysaÿes Violinsonate Nr. 1

WDR 3 TonArt | 03.09.2016 | 14:12 Min.

Eugène Ysaÿe war einer der herausragenden Geiger der Interpretationsgeschichte. 1858 in Lüttich geboren und 1931 in der Region Brüssel gestorben, prägte er seine Zeit, wie zuvor nur Pablo de Sarasate oder Niccolò Paganini.

Ein Mann wie ein Berg: Wenn er spielte, war seine Geige auf seinem voluminösen Köper kaum zu sehen. Bevor er sie unter sein Kinn klemmte, schwang er sie oft wie ein Schwert. Der Ton seines Instrumentes war jedoch nicht grob, sondern lieblich, charmant und fesselnd. Als Interpret riss Ysaÿe, dessen wichtigster Lehrer Henri Vieuxtemps war, sein Publikum über Jahrzehnte hinweg zu Beifallsstürmen hin. Als er seine sechs Sonaten op. 27 komponierte - die er im Juli 1923 in nur 24 Stunden skizzierte - war seine große Zeit als Solist bereits vorbei. Die Werke hoben die Technik des Violinspiels auf ein neues Niveau. Jedes Stück widmete Ysaÿe einem anderen befreundeten Geiger.

"Für mich ist das ganz großartige Musik. Nicht virtuos, im eigentlichen Sinne", meint die Geigerin Antje Weithaas. Sie sucht in ihren Ysaÿe-Interpretationen nicht Glanz und Tempo, sondern nimmt die gemäßigten Metronomangaben Ysaÿes ernst und lotet die Werke tief aus. "Er wollte immer ernst genommen werden als Komponist. Und wenn man sich diese Stücke anschaut: welche Vielfalt in der Technik!"

Cover: Bach & Ysaÿe Vol. 1

Die erste Sonate seines Opus 27 schrieb Ysaÿe für Joseph Szigeti (1892-1973). Ysaÿe hatte ihn im Konzert die Bach-Werke spielen hören und begann daraufhin sofort mit seinem neuen Kompositionsprojekt. Nicht verwunderlich, dass in der ersten Sonate des Belgiers die Bezüge zu Bachs g-moll-Sonate (BWV 1001) vielfältig sind: Gleiche Tonarten und Satzfolge, ähnliche Ausdruckswelten. Aber es gibt Unterschiede. Ysaÿes g-Moll-Sonate ist vor allem auch zeitgenössische Musik ihrer Zeit, in der Barock und Moderne eine Verbindung eingehen.

Antje Weithaas hat mit ihrem auf drei CDs ausgelegten Aufnahmeprojekt die Sonaten von Bach und Ysaÿe einander gegenüber gestellt. Das "BBC Music Magazine" vergibt für den zweiten Teil Höchstwertungen: "Die schiere Freude, mit der sie beim Musikmachen kommuniziert, trägt den eigenen Lohn in sich."

Eine Collage von Markus Bruderreck

Redaktion: Eva Küllmer

Stand: 09.08.2017, 17:18