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WDR 3 Werkbetrachtung: Benjamin Brittens "Cellosinfonie"

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Detailaufnahme eines Cellos

WDR 3 Werkbetrachtung: Benjamin Brittens "Cellosinfonie"

Eine Reise vom Dunkel ins Licht sei Brittens Cellosinfonie op. 68, sagt der Cellist Daniel Müller-Schott, der sich in die Partitur vertieft hat. Er erläutert das komplexe und düstere Werk und führt wichtige Themen auf seinem Violoncello vor.

WDR 3 Werkbetrachtung: Benjamin Britten "Cellosinfonie"

WDR 3 TonArt | 28.01.2017 | 18:47 Min.

"Ich habe mir fest vorgenommen, Dir eins zu schreiben, und wir können wenigstens diskutieren, wie es werden soll." - Dies schrieb der Komponist Benjamin Britten an den russischen Cellisten Mstislaw Rostropowitsch. Und dieser antwortete: "Schreibe für das Cello alles, was Dein Herz Dir diktiert, egal wie schwer es ist; meine Liebe für Dich wird mir helfen, alle Töne zu meistern, selbst die unmöglichen." 

Benjamin Britten komponierte 1963 eine viersätzige Sinfonie für Cello und Orchester. Als er den ersten Satz per Post an Mstislaw Rostropowitsch geschickt hatte, notierte der Cellist: "Das Beste, was je für das Cello komponiert wurde". Aus dieser Begegnung erwuchs eine lebenslange Verbindung. Rostropowitsch sah in Britten einen echten Freund. Die Uraufführung fand am 12. März 1964 in Moskau statt. Benjamin Britten dirigierte und Mstislaw Rostropowitsch übernahm den Solopart.

Daniel Müller-Schott spiel im Wald Cello

Daniel Müller Schott, Schüler von Mstislaw Rostropowitsch, erinnert sich noch gut, mit welcher Leidenschaft sein berühmter Lehrer von diesem Werk geschwärmt hat. Er selbst benötigte einige Zeit, um sich in dieses - wie er es formuliert - sehr komplexe Werk hineinzufinden. Es ist eine Reise vom Dunkel ins Licht. Drei Sätze lang lotet Benjamin Britten düstere Klangfarben aus. Das Cello ist - wie Daniel Müller-Schott es beschreibt - wie in Nebelschwaden getaucht, Klangfetzen fliegen hin und her, ein Trauermarsch wird eingefügt. Benjamin Britten verarbeitet in den 1960er Jahren die Schrecken und die Leiden des Zweiten Weltkrieges. Sein berühmtes "War Requiem" entstand zwei Jahre vor der Sinfonie für Violoncello und Orchester. Nach drei trostlosen und dunklen Sätzen setzt der Komponist am Ende das Prinzip Hoffnung.

Eine Collage von Barbara Overbeck

Redaktion: Eva Küllmer

CD-Tipp

CD-Cover

Prokofjew/Britten: The Cello Symphonies
Daniel Müller-Schott (Cello)
WDR Sinfonieorchester Köln
Jukka-Pekka Saraste (Leitung)
Label: Orfeo
Bestellnummer: C847121A

Stand: 26.01.2017, 16:13