Live hören
WDR 3 zum Aufnehmen: Der RadioRecorder - Infos unter www.wdr3.de

14.05.2017 - Donizetti, "Don Pasquale" in Düsseldorf

14.05.2017 - Donizetti, "Don Pasquale" in Düsseldorf

Was für herrliche Belcanto-Sänger! Elena Sancho Pereg als Norina: glockenklar, beweglich, kokett, spitz und doch charmant, wenn Sie ihren Scheinehemann Don Pasquale mit „Un uom qual voi decrepito“ - „Ein so altersschwacher Mann wie ihr“ abkanzelt. Die lyrische Koloratursopranistin ist mittlerweile ein Star des Düsseldorfer Ensembles.

Ioan Hotea gibt dagegen einen larmoyanten, ein wenig dümmlichen Ernesto, der sich in seinen herzzerreißenden Tenorlinien verliert, anstatt um seine Norina zu kämpfen. Dann ein rechtschaffener Don Pasquale, in dem noch echtes Lebensfeuer brennt. Lucio Gallo singt volltönend und in den Prestissimo-Passagen sprachbrillant. Er verleiht der Rolle Würde, ist kein trotteliger Falstaff und kein abgefeimter Don Bartolo. Und schließlich Doktor Malatesta. Er hat etwas von der philosophischen Intelligenz des Don Alfonso aus „Così fan tutte“, aber in der Art, wie in Dmitri Vargin darstellt, zeigt sich eine neue Facette, smart und jugendlich. Auch diese Rolle ist aus dem rein Komischen herausgenommen. Dazu gehört eine Art Sorgfältigkeit und Soigniertheit des Gesangs. Dieses Sängerquartett hat nichts von abgestandener, altväterlicher Bauerntheaterkomik.

Donizetti, Don Pasquale an der Deutschen Oper am Rhein

Elena Sancho Pereg (Norina), Lucio Gallo (Don Pasquale), Ioan Hotea (Ernesto), Chor der Deutschen Oper am Rhein

Die Düsseldorfer Philharmoniker unter Nicholas Carter kommen immer zum richtigen Zeitpunkt in Schwung, etwa im Finale des 2. Akts, wenn die Solotrompete elegant schmettert, die anderen Instrumente mitnimmt und Don Pasquale zu seinem perlend hingeworfenen „Son tradito, beffeggiato“ - „Bin betrogen, verhöhnt“ anstachelt, als ob er schon hier ahnte, dass nur eine lustige Intrige gespielt wird.

Regie führt der (frühere) Startenor Rolando Villazón, was er in der letzten Zeit immer häufiger macht. So wie er sich oft auf der Bühne gibt, immer irgendwie als Schalk und eine lustige Geste in petto, so zeigt sich auch seine Düsseldorfer Don-Pasquale-Version. Da gibt es running gags, z.B. eine schwarze Spidermanfigur, die als Kunsträuber durch die Dekoration schleicht und sich später als hübsche Blondine entpuppt, mit der Don Pasquale anstatt mit Norina vorlieb nimmt oder Hare-Krishna-Jünger, deren Anführer als Notar eingesetzt wird, ein Jimi Hendrix-Verschnitt und eine sich vermehrende Anzahl von Andy Warhol-Klonen, die das Schlussbild bevölkern, denen auf der anderen Seite jede Menge Mona Lisas gegenüberstehen. Hier ist dann auch Villazóns Deutungsansatz zu erkennen: Don Pasquale ist ein Kunstsammler, der aufs Klassisch-Gediegene setzt. Seine falsche Braut Norina ist dagegen Parteigängerin der Popart im Amerika der Sechzigerjahre. Es geht also gar nicht gegen den Geiz und die Alterslüsternheit von Don Pasquale, sondern darum der Kunstmoderne zu ihrem Recht zu verhelfen. Das ist gar nicht mal so sehr um die Ecke gedacht, denn Norina singt an einer Stelle: „Das Haus ist schlecht eingerichtet, die Möbel sind völlig altmodisch, man muss sie erneuern“. Das Ganze mündet schließlich in das Schlussbild, das uns sagen will, dass alt und neu sich gut vertragen.

Premiere: 29.04.17, besuchte Vorstellung: 13.05.17, in dieser Spielzeit noch bis zum 03.06.17 sowie ab Januar 2018

Besetzung:
Don Pasquale: Lucio Gallo
Doktor Malatesta: Dmitri Vargin
Ernesto: Ioan Hotea
Norina: Elena Sancho Pereg
Notar: Daniel Djambazian
Kunsträuber: Susanne Preissler

Chor der Deutschen Oper am Rhein
Düsseldorfer Symphoniker


Musikalische Leitung: Nicholas Carter
Inszenierung: Rolando Villazón
Bühne: Johannes Leiacker
Kostüme: Thibault Vancraenenbroeck
Licht: Davy Cunningham
Chorleitung: Gerhard Michalski
Dramaturgie: Hella Bartnig

Stand: 14.05.2017, 17:48