"Licht gibt Lebensenergie"

Rhythmus Farbe Licht – Chromatische Konstellation, 2006

Künstler Heinz Mack im Interview

"Licht gibt Lebensenergie"

Mit seinen 84 Jahren ist Heinz Mack gefragter denn je: Der Pionier der Lichtkunst zeigt ab Donnerstag (22.10.2015) im Duisburger Museum Küppersmühle bisher nie ausgestellte Skulpturen, Leinwände und Objekte. Im WDR 3 Interview spricht er über Lebensenergie, Künstlerfreundschaften und das schönste Licht der Welt.

WDR 3: Herr Mack, in Ihrer Kunst spielt Licht eine zentrale Rolle. Was bedeutet Ihnen Licht?

Die große Familie, 1997

"Die große Familie" - Farben inspiriert von Ibiza?

Heinz Mack: Das Licht hat eine hohe Funktion bezogen auf den Kopf. Wer sich nicht in einem klaren Lichtraum aufhält, kann auch keine klaren Gedanken haben. Man muss sich vergegenwärtigen, dass die Energie des Lichts letztlich auch eine Lebensenergie ausstrahlt. Die Farbe ist dabei das schönste Kleid, das man dem Licht anziehen kann. Ich lebe und arbeite besonders gerne auf Ibiza, jetzt seit rund 35 Jahren. Diese Insel hat mit das schönste Licht auf der Welt. Ohne dieses wunderbare mediterrane Licht gäbe es nicht diese unglaublich schöne mediterrane Kultur. Alles, was nördlich der Alpen liegt, ist geeignet für Friedhof, ich sag das jetzt sehr hart, also da wird es sehr grau, sehr nüchtern und sehr kritisch.

WDR 3: Sie sind in Ihrer Karriere direkt durchgestartet. Mit Ihren Freunden Günther Uecker und Otto Piene gründeten Sie Ende der 50er Jahre in Düsseldorf die Künstlergruppe ZERO, die in ihrem Spiel mit dem Licht einen kompletten Neuanfang in der Kunst suchte. War das eine Zweckgemeinschaft oder Freundschaft?

Feuer-Floß Arktis, 1976

Fotodruck: Feuer-Floß in der Arktis

Mack: Wir waren verliebt miteinander, aber nicht verheiratet. Wir waren bereit, uns für den anderen genauso intensiv einzusetzen, wie für die eigene Arbeit. Es ging einfach darum, Ideen in der Welt zu präsentieren, zu verteidigen und bekannt zu machen. Alles das war natürlich eine sehr lebhafte Zeit. Und eines Tages kam der Tag, an dem sich alles wiederholt. Und ich habe meinen Freunden gesagt, wenn sich etwas, das als Künstlerfreundschaft gemeint war, institutionalisiert, dann muss man Schluss machen. Ich habe damals dafür plädiert, dass dieser Schluss mit einem Fest gefeiert wurde - was auch passiert ist. Im Grunde steht ein sehr ernster Gedanke dahinter: dass eben jeder Künstler letztlich ein Alleingänger ist.

WDR 3: Sie und Ihre Freunde wurden und werden immer wieder kritisiert, dass Sie eine mehr dekorative und schöne Kunst machen, statt gesellschaftskritisch zu sein.

Mack: Ich werde immer wieder öffentlich angegriffen, dass ich eben ein Ideal habe, das absolut "out of business" ist: Schönheit. Der Begriff ist vollkommen tabu. Der kommt in der modernen Kunst überhaupt nicht mehr vor. Für mich ist die Tatsache, dass ein Werk schön sein kann, ein Beweis für eine Humanität, die dahinter steckt. Mit größter Freiheit. Ich folge da einem Wort von Albert Camus: "Es gibt Menschen, die einen großen Teil ihrer Lebensenergie darauf verwenden, das Hässliche zu bewundern. Mir fehlt dazu die Kraft."

Das Interview führte Jörg Jung.

Heinz Mack-Ausstellung in Duisburg (20.10.2015) [WDR 3]

WDR 3 Mosaik | 20.10.2015

Einer der wichtigsten deutschen Nachkriegskünstler: Heinz Mack

Der Künstler Heinz Mack steht am 15.05.2015 im Museum Frieder Burda in Baden-Baden

Vor einem halben Jahrhundert plädierte Heinz Mack mit seinen Freunden in der Düsseldorfer Künstlergruppe ZERO - Günther Uecker und Otto Piene - für den totalen Neuanfang in der Kunst, schließlich brach gerade das Weltraumzeitalter an. Licht und Bewegung sollte der Stoff ihrer Kunst sein. Materialien aus der Industrie arrangierten sie zu faszinierenden Skulpturen, Bildern und Aktionen. Im politisch aufgeheizten Klima der 60er Jahre war das verdächtig. Kritiker vermissten die gesellschaftskritische Perspektive. Heinz Mack, der am 8. März 1931 im hessischen Lollar geboren wurde, und schon lange auf Ibiza lebt, ist heute für seine großen Skulpturen im öffentlichen Raum bekannt. Er ist mehrfacher Documenta-Teilnehmer.

Stand: 19.10.2015, 11:36