Riad Sattouf zeichnet Erinnerungen

Riad Sattouf zeichnet Erinnerungen

Von Christian Möller

Mit "Der Araber von morgen" wurde Riad Sattouf international bekannt. Den gezeichneten Kindheitserinnerungen aus Nahost stellt er nun mit "Esthers Tagebücher" eine Jugend in Paris gegenüber. Und findet nicht nur Unterschiede.

Riad Sattouf

So sieht er sich selbst, mit sieben Jahren: Riad Sattouf, einer der bekanntesten Comiczeichner aus Frankreich. In Paris geboren, verbringt er seine Kindheit größtenteils in Libyen und Syrien in den 1980er Jahren.

So sieht er sich selbst, mit sieben Jahren: Riad Sattouf, einer der bekanntesten Comiczeichner aus Frankreich. In Paris geboren, verbringt er seine Kindheit größtenteils in Libyen und Syrien in den 1980er Jahren.

Kein Wunder, dass der Blondschopf dort auffällt. Zum Beispiel in der Schule in einem kleinen Dorf in der Nähe von Homs in Syrien.

Da mag er sich noch so sehr anstrengen, Sattouf, Sohn einer Französin und eines Syrers, der in Frankreich studiert hatte, bleibt Außenseiter.

In seinem Comic "Der Araber von morgen", dessen dritter Band gerade erschienen ist, erzählt er von seiner Kindheit im Nahen Osten. Vom Schulunterricht mit Koranauswendiglernen und Prügelstrafe.

Vom immer stärker schwelenden Konflikt in der Ehe seiner Eltern, da seine Mutter sich ihr Leben anders vorgestellt hat.

Vom zunehmenden Einfluss seiner religiösen Verwandten, die seinen Vater, den promovierten Historiker, unter Druck setzen. Schon lange habe er vorgehabt, diese Geschichte zu erzählen, sagt Sattouf, habe aber zunächst bewusst damit gewartet.

"Ich wollte nicht als 'der Zeichner mit den arabischen Wurzeln' bekannt werden", erklärt Riad Sattouf. Stattdessen zeichnete er für das Satiremagazin "Charlie Hebdo" zehn Jahre lang den Comic Strip "Das geheime Leben der Jugendlichen".

Die Welt aus der Perspektive junger Menschen - das ist ein roter Faden, der sich durch Sattoufs Werk zieht. So auch durch seinen neuen Comic "Esthers Tagebücher".

Esther, die Tochter eines Freundes von Sattouf, ist ein zehn Jahre altes Mädchen und geht in Paris auf eine Privatschule. Regelmäßig erzählt sie Sattouf aus ihrem Alltag. Der macht aus ihren Erfahrungen dann kleine pointierte Geschichten.

Es geht um große Brüder und ihre doofe Musik. Angesagte Jungs, in die man verliebt ist, um Smartphones, die man unbedingt haben muss. Über Geschichtsunterricht ...

... und Zukunftshoffnungen. Auf acht Bände ist der Comic angelegt. In ihnen will Riad Sattouf Esther bis zur Volljährigkeit begleiten.

Beim Vergleich von Esther mit seiner eigenen Kindheit in den 80er Jahren im Nahen Osten finde er nicht nur Unterschiede, sagt Riad Sattouf. "Die Jungs spielen in der einen Ecke des Schulhofs Fußball, die Mädchen sind in der anderen und beide haben kaum miteinander zu tun. Das war bei uns genauso."

Stand: 19.06.2017, 16:43 Uhr