Live hören
Jetzt läuft: Something stupid von Robbie Williams /Nicole Kidman

Meister der ironischen Distanz

Meister der ironischen Distanz

"Arbeit ist meine Therapie gegen Pessimismus", hat Woody Allen einmal erklärt. Herausgekommen sind dabei zahlreiche unvergessliche Filme. Der New Yorker Regisseur und Schauspieler ist jetzt 80 Jahre alt geworden.

Woody Allen mit Diane Keaton in "Der Stadtneurotiker" ("Annie Hall") von 1977

Ein Werk von Woody Allen führt die Liste der lustigsten Filme aller Zeiten an: Der Film "Der Stadtneurotiker" (Foto, mit Diane Keaton) aus dem Jahr 1977 wurde vor kurzem von der Writer's Guild of America, dem Verband der amerikanischen Drehbuchautoren, auf den ersten Platz der besten Komödien gesetzt. Aber der Kultregisseur Woody Allen, der am Dienstag (01.12.2015) 80 Jahre alt wurde, lässt sich nicht auf Komödien festlegen.

Ein Werk von Woody Allen führt die Liste der lustigsten Filme aller Zeiten an: Der Film "Der Stadtneurotiker" (Foto, mit Diane Keaton) aus dem Jahr 1977 wurde vor kurzem von der Writer's Guild of America, dem Verband der amerikanischen Drehbuchautoren, auf den ersten Platz der besten Komödien gesetzt. Aber der Kultregisseur Woody Allen, der am Dienstag (01.12.2015) 80 Jahre alt wurde, lässt sich nicht auf Komödien festlegen.

Seit seinem ersten großen Auftritt in "What's New, Pussycat" von 1965 (Foto, mit Katrin Schaake) haben sich der Ton seiner Filme und auch manche seiner Themen geändert. Aber die meisten Woody-Allen-Filme erkennt man wieder - nicht nur an ihren Figuren und deren Problemen mit den Frauen und mit sich selbst. Die Themen kreisen immer wieder um Existenzängste und Einsamkeit, auch wenn die Filme lustig sind. Typisch für Woody-Allen-Werke ist jenes Ineinander von Komödie und Tragödie, die ironische Auseinandersetzung mit dem Judentum und dem Ort, an dem seine Filme früher oft spielten: New York.

Geboren wurde Allen 1935 als Sohn jüdischer Eltern in Brooklyn. In den 1950er Jahren stieg er als Ghostwriter für Komiker wie Bob Hope in die Branche ein. Allens frühe Filme sind turbulent, auch die, in denen er nur mitwirkte. In "Woody, der Unglücksrabe" von 1969 (Foto, mit Jacqueline Hyde) spielte Allen in einer Gaunerkomödie, die schon damals, als es diesen Begriff noch gar nicht gab, politisch sehr inkorrekt war.

"Was Sie schon immer über Sex wissen wollten, aber bisher nicht zu fragen wagten" (1972) war eine überbordende Satire auf die grassierende Sex-Hysterie. Seine Hauptfigur ist der nervöse Verlierer, der immer über Geschlechterrollen und Männlichkeitsideale schwadroniert. Diesen Charakter hatte Allen schon als Bühnenkomiker perfektioniert: mit Cordhose und dicker, schwarzer Hornbrille, die so etwas wie sein Markenzeichen werden sollte.

Die Kunstfigur Woody, mit ihrem intellektuellen Witz und der Suche nach den letzten Dingen, verkörpert für viele Kritiker auch so etwas wie den Protest gegen die Entfremdung in der modernen Massengesellschaft. Wie bei kaum einem anderen Regisseur ist man bei Woody Allen versucht, seine Filme autobiografisch zu deuten.

"Der Stadtneurotiker" von 1977 war sicherlich auch eine Paraphrase auf sein Zusammenleben mit der Schauspielerin Diane Keaton. Mit ihr hat er gleich mehrere Filme zusammen gedreht. Das Foto zeigt Woody Allen und Diane Keaton in "Die letzte Nacht des Boris Gruschenko".

"Ehemänner und Ehefrauen" (1992) kann man als eine Verarbeitung der Trennung von seiner Ehefrau Mia Farrow sehen. Woody Allen erzählt in diesem fast ausschließlich mit Handkamera aufgenommenen Film Geschichten von zwei Paaren, von Ehebruch und Scheidung. Das Foto vom 14.01.1988 zeigt Woody Allen mit Lebensgefährtin Mia Farrow, Adoptivtochter Dylan und mit dem gemeinsamen Sohn Satchel.

Die Dreharbeiten zu "Ehemänner und Ehefrauen" waren allerdings schon beendet, als Allens Beziehung zu seiner Ziehtochter Soon-Yi (Foto) öffentlich wurde und Mia Farrow sich trennte. Später heirateten Woody Allen und Soon-Yi Previn.

Den autobiografischen Bezug hat Allen auch selbst einmal auf die Schippe genommen: In "Celebrity" (1998) spielt Kenneth Branagh den "Stadtneurotiker" und kopiert Allens Schauspielstil getreu. Aber immer wieder ist Woody Allen auch der Welt der Beziehungskomödien und Stadtneurotiker entflohen, hat ernste, von Ingmar Bergman und Federico Fellini inspirierte Psychodramen gedreht. Filme wie "Innenleben" (1978), "September" (1987) oder das kafkaeske Werk "Schatten und Nebel" von 1992 (Foto, mit Mia Farrow) kamen bei seinen Fans aber nicht gut an.

Ganz anders "Zelig" (1983), in dem Allen selbst ein menschliches Chamäleon spielt, einen Überangepassten, der unter Iren zu einem Iren und unter Nazis zum Nazi wird. "Zelig" kommt im Stil einer - gefälschten - Fernsehdokumentation daher. Und man muss auch heute, in Zeiten digitaler Bildveränderungen, die Perfektion dieses Films bewundern.

Allens Filme sind, gerade in den vergangenen Jahren, immer reifer geworden. Und das nicht nur, weil er die Klassik bemüht und wie in "Geliebte Aphrodite" (1996) einen antiken Chor einführt. Er hat es auch geschafft, seine Komödien in wunderschöne Krimimuster einzubetten, in "Manhattan Murder Mystery" (1993) etwa oder "Schmalspurganoven" (2000).

Sein geliebtes New York hat er mittlerweile zum Filmedrehen verlassen und mit schönen Frauen wie Scarlett Johansson (Foto), Penelope Cruz und Julia Roberts gedreht - in London ("Match Point"), Barcelona ("Vicky Cristina Barcelona") , an der Cote d'Azur und in Paris. Auch in Venedig drehte er 2001.

Und es gibt etwas, das Woody Allen mit einer anderen Ikone des amerikanischen Films verbindet: Wie Clint Eastwood macht auch er in fortgeschrittenem Alter Jahr für Jahr einen Film. "Arbeit ist meine Therapie gegen Pessimismus", hat er einmal in einem Interview gesagt. Über das Filmemachen sagte er allerdings auch: "Das ist wie Körbchenflechten für die Patienten eines Irrenhauses." Wir sagen trotzdem: Herzlichen Glückwunsch!

Stand: 01.12.2015, 00:00 Uhr