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Kein Platz für Pauschalverurteilungen

Polizeifahrzeug vor dem Kölner Hauptbahnhof

WDR 2 Klartext zu den Übergriffen in der Silvesternacht

Kein Platz für Pauschalverurteilungen

Von Sabine Henkel

Die Übergriffe auf Frauen in der Silvesternacht in Köln haben eine emotionale Debatte ausgelöst. Keinesfalls aber darf die Folge sein, dass nun sämtliche Flüchtlinge diskriminiert werden, meint Sabine Henkel im WDR 2 Klartext.

Die Übergriffe von Männerhorden auf Frauen in Köln haben auch etwas… Achtung. Gutes! Ja, richtig gehört… Gut ist, dass den Opfern geglaubt wird. Einfach so. Ohne Nachfrage. Das ist ohne Zweifel ein Kollateralgewinn dieser abscheulichen Vorfälle.

Sexuelle Gewalt, Gewalt generell, gegenüber Frauen ist abscheulich. Etwa 90 Anzeigen liegen vor, von Frauen, die eine furchtbare Silvesternacht erleben mussten. Mitten in Köln spielten sich Szenen ab, wie wir sie nur aus Albträumen kennen. Wer die Täter sind? Weiß noch keiner so genau. Dunkler Hautfarbe sollen sie sein und irgendwie arabisch oder afrikanisch aussehen. Das reicht also für den landesweiten Aufschrei. Übergriffe von Betrunkenen an Karneval, auf dem Oktoberfest – egal bisher, alles Einzelfälle.

Jetzt aber sind alle aufgewacht. Und das ist gut so: Dass Männer sich zusammenrotten und Frauen als Freiwild betrachten, sie respekt- und schamlos angreifen: Widerlich! Diejenigen, die das getan haben, gehören überführt und verurteilt. Eine andere Antwort gibt es darauf nicht.

Was aber keinesfalls passieren darf: Dass die Diskriminierung von Frauen die Diskriminierung von sämtlichen Flüchtlingen zur Folge hat. Und die Gefahr besteht nicht nur, sie ist greifbar. Beim Lesen mancher Twitter- und Facebook-Einträge wird mir übel. Diesen selbsternannten Frauenverteidigern mit ihren rechtsradikalen Parolen geht es doch gar nicht um die Opfer, sondern um Hetze. Pauschalverurteilungen haben in diesem Land genauso wenig ihren Platz wie Männer, die Frauen als Ware betrachten. 

Schluss mit der Wegschaukultur. Und zwar konsequent. Frauen werden in diesem Land respektiert – das gilt es zu vermitteln, und zwar allen und jedem, ganz gleich, welche Hautfarbe er hat.

Stand: 05.01.2016, 15:00