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"Stiftungen bereichern den Staat"

Facebook-Gründer Mark Zuckerberg mit Ehefrau Priscilla Chan und Tochter Max

Zuckerberg will Vermögen spenden

"Stiftungen bereichern den Staat"

Anlässlich der Geburt seines ersten Kindes hat Facebook-Gründer Zuckerberg angekündigt, fast sein gesamtes Vermögen noch zu Lebzeiten in die Stiftung "Chan Zuckerberg Initiative" zu überführen. Stiftungen ergänzen den Staat sinnvoll, meint dazu Hans Fleisch, Generalsekretär des Bundesverbands deutscher Stiftungen, auf WDR 2.

WDR 2: Bill Gates hat es vorgemacht, jetzt hat Facebook-Gründer Mark Zuckerberg nachgezogen und hat nach der Geburt seines ersten Kindes bei Facebook angekündigt: „Als frisch gebackene Eltern haben wir über all die Dinge nachgedacht, die für die nächste Generation verbessert werden sollten.“ Und dann haben die Eltern Zuckerberg beschlossen, 99 Prozent ihres Vermögens zu spenden und in eine Stiftung zu überführen. Das sind nach derzeitigem Aktienkurs fast 45 Milliarden Dollar. Deswegen wollen wir darüber reden, wie das eigentlich hier in Deutschland funktioniert. Am Telefon ist der Generalsekretär des Bundesverbands deutscher Stiftungen Hans Fleisch. [...] Was machen denn die Reichen in Deutschland mit ihrem Geld?

Hans Fleisch: Das ist ganz unterschiedlich: Ein Teil spendet, ein Teil verwendet das Geld, um es weiter zu mehren und ein Teil errichtet Stiftungen, die dann gemeinnützige Zwecke verwirklichen.  

WDR 2: Es gibt ja Stiftungen jeder Größenordnung, was tun die zum Beispiel?

Hans Fleisch: Stiftungen verwirklichen Dinge im Bereich der gemeinnützigen Zwecke wie zum Beispiel Vereine. Das heißt, das geht von Wissenschaftsförderung hin zu Bildungsförderung, Denkmalschutz, Naturschutz. Der größte Bereich von Stiftungen ist Soziales - also mildtätige oder andere soziale Dinge. Aber Kultur, Bildung, Wissenschaft sind weitere Zwecke und danach kommen Umweltschutz und Entwicklungshilfe.

WDR 2: Und ist das wirklich so: Es gibt ganz winzige Stiftungen und riesengroße?

Hans Fleisch, Generalsekretär beim Bundesverband Deutscher Stiftungen

Hans Fleisch, Generalsekretär beim Bundesverband Deutscher Stiftungen

Hans Fleisch: Das ist richtig. Sie können mit einer Stiftung auch im kleinen Bereich tätig werden. Und wenn Sie dann im Jahr 3.000 Euro zu vergeben haben, dann kann das sinnvoll sein für einen Lesepreis an einem Gymnasium, wo sie sagen: ‚Ich bin dankbar, dass ich eine gute Bildung hatte, ich errichte eine Stiftung‘.

Die Erträge gehen dann in solche kleinen Projekte. Auf der anderen Seite gibt es eben die großen Stiftungen. Wir haben ja auch die Tschira-Stiftung, die Hopp-Stiftung, die Plattner-Stiftung – das ist im Milliardenbereich.

WDR 2: Das sind die SAP-Gründer, die sie gerade genannt haben.

Hans Fleisch: Ja, das sind die SAP-Gründer, das ist ein bisschen vergleichbar mit den Silicon Valley-Leuten. Die haben natürlich ganz andere Beträge - und dort werden zig Millionen jedes Jahr für gute Zwecke zur Verfügung gestellt.

WDR 2: Wie wichtig sind Stiftungen für das Funktionieren unseres Gemeinwesens?

Hans Fleisch: Stiftungen finanzieren vor allem, was in der Grundversorgung des Staates nicht enthalten ist. Das heißt, sie ergänzen den Staat sinnvoll, bereichern ihn damit. Wir wären auf allen Bereichen, die ich eben genannt habe, vom Denkmalschutz bis hin zur Bildung und Sozialem, wären wir schlicht ärmer. Auch ärmer an Vielfalt, weil Stiftungen eben jenseits dessen, was der Staat macht, Zusatzangebote ermöglicht: zusätzliche Wissenschaft, zusätzliche Kulturprojekte und so weiter. Und damit die Vielfalt, das Bunte bereichernd vergrößern in unserem Land.

Das Gespräch führte WDR 2 Moderator Tom Hegermann.

Stand: 02.12.2015, 13:58