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Raser-Urteil: Kölner Nachsicht für Tötungsdelikt

Bei einem illegalen Autorennen in Siegen ist es am Dienstagabend (13.06.2006) zu einem Unfall mit zwei Schwerverletzten gekommen

WDR 2 Klartext

Raser-Urteil: Kölner Nachsicht für Tötungsdelikt

Von Jochen Hilgers

Nach einem illegalen Autorennen mit Todesfolge sind zwei Raser in Köln zu Bewährungsstrafen verurteilt worden. Die Milde der Richter sei ärgerlich, verwunderlich und ineffektiv, so Jochen Hilgers im WDR 2 Klartext.

Muss man sein Unbehagen für sich behalten, wenn ein Richter zwei junge Männer zu Bewährungsstrafen verurteilt, die durch eine Wahnsinnstat einen Menschen getötet haben. Ich denke: nein!

Raser-Urteil: Kölner Nachsicht für Tötungsdelikt

WDR 2 Klartext | 12.01.2016 | 02:04 Min.

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Die Ampel ist bereits sieben Sekunden rot, als die Täter mit hoher Geschwindigkeit über eine Kreuzung rasen. Zählen sie doch in Gedanken mal langsam bis sieben.

Nach so einer langen Rotphase schießen die Männer in einem irrsinnigen Wettrennen über die Ampel. Da nimmt man billigend in Kauf zu töten – was ja dann auch geschah. Der Taxifahrer, der über die grüne Ampel gefahren war, hatte keine Chance, es kam zur Kollision. Ein Fahrgast auf dem Mittelplatz der Rückbank starb. Er war nicht angeschnallt, sagte der Richter und mutmaßte, andernfalls könne er wohl noch leben. Ein Pluspunkt für die Angeklagten vor Gericht. Das gab sich alle Mühe weitere Pluspunkte zu finden. Es sei eine absolut jugendtypische Tat, hieß eine weitere Entschuldigung des Gerichts für die Täter. Sie hätten über die Konsequenzen nicht nachgedacht.

Sind das Gründe für milde Urteile? Lächerlich! Wahrscheinlich trifft der einjährige Führerscheinentzug die jungen Raser härter als die Bewährungsstrafen von 12 und 16 Monaten.

Jochen Hilgers

Besonders die Kölner Justiz fällt immer wieder durch besonders milde Urteile auf. Ob bei Hooligans, nordafrikanischen Räuberbanden oder eben junge Rasern – die Richter in dieser Stadt neigen in vielen Fällen zur Milde. Kurze Bewährungsstrafen gab es für einen Eisenkettenangriff auf einen Bus mit Mönchengladbach-Fans durch Fußballgewalttäter. Sogenannte Antänzer kommen meistens mit wenigen Wochen Jugendarrest davon. Da kann die Polizei intervenieren, ermitteln, verhaften wie sie will – vor dem Gericht in Köln sind alle gleich, werden alle gleich milde behandelt. "Nicht wieder tun", sagen die Richter mit erhobenem Zeigefinger und strengem Blick.

Solange sich das nicht ändert, wird kein einziger potentieller Straftäter abgeschreckt.

Stand: 13.01.2016, 06:50

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