Live hören
Jetzt läuft: Ho hey von The Lumineers

Benno Fürmann im WDR 2 MonTalk Live: Abenteurer und Menschenfreund

Benno Fürmann im WDR 2 MonTalk Live: Abenteurer und Menschenfreund

Wer ist eigentlich der Mensch Benno Fürmann? Die Besucher des WDR 2 MonTalk Live hatten die Gelegenheit, es herauszufinden. In einem unterhaltsamen und nachdenklichen Abend freundete sich das Publikum mit dem ungewöhnlichen Schauspieler und Geschichtenerzähler an.

Benno Führmann im WDR 2 MonTalk

Benno Fürmann zählt zur ersten Garde unter den deutschen Schauspielern und zu den wenigen seiner Branche, die sich ihre Rollen wirklich aussuchen können. Schon von Anfang an kamen die Angebote nicht nur aus Deutschland, sondern auch aus Hollywood. Seinen Durchbruch erlebte er in der Rolle als junger Boxer in  "Die Bubi Scholz Story". Es folgten Filme wie "Anatomie", "Der Krieger und die Kaiserin", "Merry Christmas" und "Wolfsburg".

Benno Fürmann zählt zur ersten Garde unter den deutschen Schauspielern und zu den wenigen seiner Branche, die sich ihre Rollen wirklich aussuchen können. Schon von Anfang an kamen die Angebote nicht nur aus Deutschland, sondern auch aus Hollywood. Seinen Durchbruch erlebte er in der Rolle als junger Boxer in  "Die Bubi Scholz Story". Es folgten Filme wie "Anatomie", "Der Krieger und die Kaiserin", "Merry Christmas" und "Wolfsburg".

Beim WDR 2 MonTalk erzählt der gut aufgelegte Berliner zunächst von seinem jüngsten Projekt, "Volt" - einer knallharten Geschichte um einen Polizisten, der im Affekt einen Flüchtling erschießt. An dem Film habe ihn die brisante Thematik gereizt, so Fürmann. Der Film, der am 2. Februar in die Kinos kommt, erzählt auch davon, wie sich die Oberschicht in Hochsicherheitszonen vom Rest der Gesellschaft abschottet. "Und in Südafrika ist so was schon lange Realität", erzählt Fürmann. Wenn man dort jemanden privat zuhause besuche, gehe es nie in erster Linie darum, ob er "schön" wohne, sondern ob die Wohnung "sicher" sei.

Angesprochen auf seine Schauspielausbildung beim legendären Lee Strasberg Institute in New York erzählt Fürmann, dass er sich fast mehr für das Leben in der Stadt interessiert habe als für den Unterricht. Er war 19 Jahre alt und habe sich oft ins Nachtleben gestürzt. Wenn ihn der Schauspiellehrer am nächsten Tag dann dafür rüffelte, wie unfassbar schlecht er sei, hätte er nur antworten können: "Ich weiß, ich weiß", erzählt er lachend. Dennoch: Die Zeit in New York als junger Mann in einer fremden Kultur sei prägend gewesen. "Ich möchte es um nichts missen."

Auf die Frage von WDR 2 Moderator Marco Schreyl, was er jungen Schauspielern als Rat mitgeben würde, antwortet Fürmann, dass man sein Herz öffnen und hinausgehen müsse, um sich ins Leben zu stürzen. Er selbst habe in jungen Jahren in einer Bar und als Türsteher gearbeitet: Da würde man richtige "Patienten" und "Nachtgeister" treffen - diese Erfahrungen in der Begegnung mit echten Menschen seien für Schauspieler unbezahlbar. Letzten Endes spiegele man als Schauspieler "die Menschlichkeit der Zuschauer", so Fürmann, der unter lautem Applaus abschließend ergänzte: "Der Spruch hat zwar schon so einen Bart, aber es ist einfach so: Die beste Schule ist das Leben selbst."

Der erste per Telefonleitung zugeschaltete Überraschungsgast ist die Schauspielkollegin Anna Grisebach. Benno sei ein Mensch, der immer sehr ernsthaft auf der Suche nach "Aufrichtigkeit" sei, erzählt sie. Er habe aber auch ein wunderbares Gespür dafür, wenn "Leere" entstehe - die würde er dann mit seiner unglaublichen Energie ausfüllen. Außerdem habe er ein besonderes Talent, Menschen zusammen zu bringen: Wenn zum Beispiel fünf Menschen wortlos auf einer Party beisammen stünden, müsste Fürmann nur dazu stoßen - und fünf Minuten später würden alle angeregt miteinander diskutieren, während er selbst weiterziehe.

Das gleich gelte auch, wenn man mit Benno Fürmann in einer entlegenen Hütte in Äthiopien unterwegs sei, erzählt Till Behnke, ein langjähriger Freund Fürmanns, der gemeinsam mit dem Schauspieler viele Länder bereist hat. Die beiden haben sich über ihr gemeinsames gesellschaftliches und soziales Engagement angefreundet - Behnke ist unter anderem Gründer von "Betterplace.org", einer Hilfsorganisation, die Spenden direkt an Hilfsprojekte weiterleitet.

Auf den gemeinsamen Reisen würde er, Behnke, bei Ankunft im Hotelzimmer immer seinen kompletten Koffer einfach "ausschütten", bei der Abreise müsse er dann aber eine Stunde lang packen. Bei Fürmann sei das ganz anders: "Benno ist immer extrem gut organisiert." Teilweise müsse er, Behnke, seinen Schauspielerfreund sogar nachts wecken, weil er seine eigene Leselampe nicht finde.

Der MonTalk wird durch das Duo "Die Poplounge" bereichert. Die beiden Kölner Musiker spielen Jazz- und Swingstandards, begeistern das Publikum aber auch durch ungewöhnliche Interpretationen von Popklassikern wie "Love Cats" von The Cure, "The best thing that you ever had" von Radiohead und einer ungewöhnlichen Version von "Radio Gaga", die das Publikum fesselt und lang anhaltenden Applaus spenden lässt.

Benno Fürmann darf sich zwei Titel wünschen: "Fade into you" von Mazzy Star und "House by the Sea" von Iron and Wine, zwei Stücke, die ihm besonders am Herzen liegen. Er selber würde auch wahnsinnig gerne singen, das sei allerdings vermutlich nur für ihn selber schön, nicht so für die anderen. Als er seiner Tochter einmal erzählte, dass er eine Anfrage für ein Musical bekommen habe, hätte diese eine halbe Stunde lang nur gelacht...

Fürmann erzählt den rund 600 Zuschauern auch über den Einfluss, den sein Vater auf sein Leben gehabt hat. Nachdem die Mutter früh gestorben war, musste der Vater die Erziehung alleine übernehmen. Fürmann zufolge war er streng, aber gerecht. "Für meinen Vater zählten Werte." Vor allem sei es ihm wichtig gewesen, dass sein Sohn Verantwortung für seine Taten übernimmt. Gleichzeitig habe er dem kleinen Benno aber auch vermittelt, dass man als Privilegierter - "den meisten Menschen geht es schlechter als uns" - auch eine Verantwortung dafür habe, wie man sich anderen Menschen gegenüber verhält und was man für sie tut. "Die Verantwortung endet nicht hinter der Wohnungstür."

Auf Nachfrage von Marco Schreyl, welches Kindheitsbild sich ihm besonders eingeprägt habe, erzählt Fürmann von seiner Großmutter. "Ich hatte die perfekte Oma!" Dabei habe er ihr einmal aus Versehen einen Ohrring ausgerissen - und sie sei einmal böse über seinen herumliegenden Fußball gestürzt. Die Verletzung, die die geliebte Großmutter dabei erlitt, schildert Fürmann drastisch - und ergänzt dann lachend: "Ich konnte es nicht glauben, dass ich trotzdem so sehr geliebt wurde. Das war wunderbar!"

Auch von seiner Tochter erzählt Fürmann an diesem Abend. Wie er ihr zeige, dass sie für ihn die "Nr. 1" sei, wollte Marco Schreyl wissen. "Indem ich versuche, sie kübelweise mit Liebe zu überschütten", antwortet Fürmann unter Applaus. Zwar sei es auch wichtig, zu kritisieren, aber vor allem gehe es für ihn darum, junge Menschen darin zu bestärken, die Person zu werden, die sie sein wollen. Dabei zitiert er die chinesische Weisheit: "Wenn die Kinder klein sind, gib ihnen Wurzeln. Wenn sie groß sind, gib ihnen Flügel." Auch, wenn es schwer sei, müsse man dann doch irgendwann loslassen.

Wenn er seine Tochter Zoe frage, ob er was für sie kochen solle, sage sie oft einfach "Nö", um dann vorzuschlagen einfach essen zu gehen. "Ich bin dann auch nicht beleidigt, weil: Ich finde das dann selber besser", erzählt er lachend.

Für seinen Vater habe er damals auch einmal in der Woche gekocht - seit er zehn Jahre alt war. Seine Kochkünste seien allerdings auf etwa sieben Gerichte beschränkt, gesteht Benno Fürmann.

Zwischendurch lässt Fürmann auch immer wieder seine Schauspielernatur und Entertainerqualitäten durchscheinen. Wenn zum Beispiel Marco Schreyl eindringlich fragt: "Wer hat Benno Fürmann gemacht?" Dann springt der Mime auf, hebt den Arm zu einer lässigen und gleichzeitig nachdrücklichen Grußbewegung und ruft laut in den Saal zum Publikum: "DAS WART IHR! - ICH LIEBE EUCH!", um sich dann wieder lachend in den Sessel fallen zu lassen. Was für ein Typ!

Auf die Frage, wie wahre Hilfe für ihn aussehe, erklärt Fürmann, dass es nicht seine Art sei, sich mit karitativem Engagement zu schmücken, aber seit er eine Reise nach Indien unternommen habe, zahle er das Schulgeld für die Kinder einer Familie, die er dort kennengelernt habe. Fürmann engagiert sich außerdem seit Jahren für Amnesty International und die Aktion "Schule ohne Rassismus".

Wirklich wichtig sei aber die Begegnung mit den Menschen selbst. So habe er auf einer Reise mit einem UN-Hilfskonvoi in ein Flüchtlingslager in den Südsudan dort Flüchtlingskinder getroffen und mit ihnen "Quatsch" gemacht. Beim gemeinsamen Verstecken spielen und anderen Späßen habe er dort mit den Kindern so viel gelacht, wie lange nicht. Das sei auch etwas, das man mitbringe und mitnehme.

Dieser MonTalk Live war ein besonderer Abend: Benno Fürmann unterhielt und berührte das Publikum und zeigte sich mit seiner charmanten, witzigen und nachdenklichen Art als phantastischer Entertainer und echter Menschenfreund. "Es war nicht einfach nur Geplauder, es war tiefgehend, aber auch spaßig und ehrlich", sagte eine Zuschauerin. "Es hat wirklich gut getan."

Aber ohne Autogramme lassen die Fans ihren Buddy natürlich nicht gehen. Einer der Zuschauer sagt im Anschluss über Fürmann: "Den hätte ich echt gerne als Freund. Ich glaube, der ist extrem zuverlässig." Ein schönes Kompliment.

In diesem Sinne - auf bald!

Stand: 26.01.2017, 10:35 Uhr