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Trump schlägt in Syrien zu: Strategie nicht erkennbar

US-Präsident Donald Trump gibt am 06.04.2017 eine Pressekonferenz

WDR 2 Klartext

Trump schlägt in Syrien zu: Strategie nicht erkennbar

Von Martin Ganslmeier

Für die von ihm befohlenen Luftschläge in Syrien hat US-Präsident Trump zum ersten Mal im eigenen Land fast einhelliges Lob erhalten. Doch Trumps 180-Grad-Kurswechsel erfolgte aus dem Bauch heraus, ohne echte Strategie, meint Martin Ganslmeier im WDR 2 Klartext.

So etwas hat US-Präsident Donald Trump in den 80 Tagen seiner Amtszeit noch nicht erlebt: Für die von ihm befohlenen Luftschläge auf den Luftwaffen-Stützpunkt in Syrien bekommt er zum ersten Mal im eigenen Land fast einhelliges Lob. Fast alle in den USA begrüßen die Strafaktion gegen das Assad-Regime als längst überfällig.

Trumps miserable Umfragewerte werden nach dieser entschlossenen Aktion besser werden. Trump trat entschlossen auf, was Chinas Staatschef in Florida aus nächster Nähe verfolgen konnte. Und Trump konnte seinen Bürgern zeigen, dass er sich nicht von einer möglichen Russland-Connection leiten lässt. Sondern auch gegen Putins Verbündete vorgeht.

Martin Ganslmeier

Martin Ganslmeier

Wegen dieser für Trump nützlichen Effekte die Luftschläge zu kritisieren, wäre jedoch zynisch. Viel zu lange haben die USA, Europa und die Vereinten Nationen das Assad-Regime gewähren lassen. Zwar ist noch nicht endgültig bewiesen, dass Assad den barbarischen Chemiewaffenangriff befohlen hat. Aber kaum ein Experte zweifelt daran. Wer nicht davor zurückschreckt, Kinder und unschuldige Zivilisten grausam zu töten - der darf nicht ungestraft davonkommen.

Der amerikanische Präsident wiederum muss sich den Vorwurf gefallen lassen, dass er bis vor kurzem noch eine Art Bestandsgarantie für Assad abgegeben und ihn damit indirekt zur Gräueltat ermutigt hat. Trumps 180-Grad-Kurswechsel erfolgte aufgrund der schrecklichen Fernsehbilder: aus dem Bauch heraus, aber ohne echte Strategie.

Was passiert, wenn Assad weiter provoziert? Und ihn Russland ermutigt? Wie Trump dann reagiert, ist völlig unklar. Zumal eine Friedenslösung für Syrien weiterhin nicht in Sicht ist.

WDR 2 Klartext: Trump schlägt in Syrien zu, aber ohne Strategie

WDR 2 Klartext | 07.04.2017 | 01:44 Min.

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Stand: 07.04.2017, 17:20