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RWE: Volle Kraft in den Untergang

Das RWE-Logo am Braunkohlekraftwerk Neurath 2

WDR 2 Klartext

RWE: Volle Kraft in den Untergang

Bei der RWE-Hauptversammlung wurde einmal mehr klar: Die Unternehmensleitung will so lange wie möglich an einer veralteten Technologie festhalten. Das ist kein Geschäftsmodell, sondern eine Garantie für den Untergang.

Ausnahmezustand, Kollaps, Schreckensszenario – RWE-Chef Terium beschrieb in Essen die Lage des Unternehmens mit drastischen Worten. Dagegen verblassten selbst die heftigen Proteste der Kohle-Gegner zum Auftakt der Versammlung.

RWE: Volle Kraft voraus in den Untergang

WDR 2 Klartext | 20.04.2016 | 02:08 Min.

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Aber was hat den Vorstands-Chef zu diesem Offenbarungseid veranlasst? War es die Kapitulation vor den Fakten? 50 Prozent Kursverlust in einem Jahr lassen sich ja kaum noch schönreden. War es der Wille zum Wandel? Schließlich hat ja die bisherige Unternehmenspolitik die Katastrophe verursacht. Oder war es  am Ende nur eine wohlkalkulierte Drohung?

Jürgen Döschner

ARD-Wirtschaftsexperte Jürgen Döschner

Schaut man sich die Rede von Terium genauer an, dann spricht vieles für diese These. Denn der RWE-Chef erklärte in Essen unverblümt: Wenn es keine Staatshilfen für die konventionellen Kraftwerke gibt, dann werden in Deutschland die Lichter ausgehen. Terium umschrieb seine Forderung mit dem Begriff "Kapazitätsmarkt". Energieminister Gabriel nannte es "Hartz IV für Kraftwerke – nicht arbeiten, aber Geld kriegen". Und das sei mit ihm nicht zu machen.

Um den Widerstand aus Berlin zu brechen, schwingt Terium also nun die "Blackout"-Keule. In sein Zukunftsmodel für RWE hat er die gewünschte Staatshilfe gleich mit eingebaut. Neben der erneuerbaren Sparte und dem Energievertrieb sollen die auf diese Weise gepäppelten Kohlekraftwerke das dritte Standbein des künftigen RWE sein.

Eine solche Haltung zeugt weder von Realitätssinn noch von Einsicht und schon gar nicht von Veränderungsbereitschaft. Während alle Welt von Klimaschutz, Dekarbonisierung, also Ausstieg aus den fossilen Brennstoffen spricht – in der Rede von RWE-Chef Terium in Essen tauchte das Wort Kohleausstieg nicht ein einziges Mal auf.

Das Unternehmen scheint aus den Fehlern in der Atompolitik nichts gelernt zu haben. So lange wie irgendwie möglich an der alten Technologie festzuhalten, ist kein Geschäftsmodell, sondern allein die Garantie für den Untergang.

Stand: 20.04.2016, 17:06