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Mobilitätstopf: Immerhin ein Anfang

Demoschild Diesel-Fahrverbot

WDR 2 Klartext

Mobilitätstopf: Immerhin ein Anfang

Von Martin Gent

Die Luft wird durch den aufgestockten Mobilitäts-Topf so schnell nicht sauberer werden, ist aber ein Anfang. Vor Gericht werden nur Messwerte entscheiden, nicht gute Absichten, zitiert Klartext Autor Martin Gent Münchens OB Dieter Reiter. Dessen Aussage treffe den Nagel auf den Kopf.

Heute früh auf einem Radweg in Köln: Eine Geister-Radlerin kommt mir entgegen, umkurvt geschickt schlendernde Messebesucher, im Millimeterabstand tasten sich unsere Lenker aneinander vorbei. Der Falschfahrerin kann ich nicht einmal böse sein, sie wollte nur abkürzen. Ihre Alternative wäre gewesen: dreimal eine vierspurige Straßen überqueren und dann gefangen sein im Stop-an-Go des Auto-Staus.

Köln, Stuttgart, Hamburg und viele andere Städte haben nicht nur ein massives Abgasproblem, sondern auch miserable Radwege, grauenvolle U-Bahnhöfe, überfüllte Züge und hässliche Straßenschluchten, die ganze Stadtteile zerreißen. Die Städte leiden unter einer Jahrzehnte lang einseitig autoorientierten Verkehrspolitik.

Martin Gent

Immerhin ist nachhaltige Mobilität für die Stadt endlich ein Thema. Die Bundeskanzlerin will den Ausbau des Fahrrad- und Fußgängerverkehrs umfassend fördern. Zusätzliches Geld gibt es auch für Busse und Bahnen. Aber die Summen sind lächerlich niedrig – jedenfalls im Vergleich zu den Milliarden für billigen Dieselsprit.

Die Steuervergünstigung an der Tankstelle verschlingt so viel Geld, dass damit rechnerisch auch ein ÖPNV-Nulltarif für alle denkbar wäre. Die Luft wird durch den aufgestockten Mobilitäts-Topf nicht schnell sauberer werden. Die Gefahr von Fahrverboten ist also nicht vorbei. Vor Gericht werden nur die Messwerte entscheiden, nicht die guten Absichten, sagte Münchens Oberbürgermeister Dieter Reiter – und trifft damit den Nagel auf den Kopf.

Stand: 04.09.2017, 14:19