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The Rolling Stones - Their Satanic Majesties Request

Cover von The Rolling Stones - Their Satanic Majesties Request

Replay des Monats Oktober

The Rolling Stones - Their Satanic Majesties Request

Von Helmut Brasse

Im Katalog der "Rolling Stones" gibt es ein Album, das wie ein Fremdkörper wirkt. Mit "Their Satanic Majesties Request" legten die "Rolling Stones" 1967 ihre experimentellste Langspielplatte vor. Damals sehr umstritten wird sie heute zunehmend geschätzt. Und die Neuauflage zum 50sten Geburtstag dürfte dem Album weitere späte Anerkennung verschaffen.

Die Macht der "Beatles"

Fast jedes "Beatles"- Album definierte in den Sixties die Popmusik neu. Vor allem "Sgt. Pepper" war ein Einschnitt. Die "Beatles" mutierten zur reinen Studioband, das kunstvolle Plattencover wurde Teil der Performance. Die "Rolling Stones" zogen im Dezember 1967 nach und engagierten denselben Fotografen für "Their Satanic Majesties Request". Das Ergebnis sah auffällig ähnlich aus und war vermutlich der größte Fehler der Platte. Die deshalb immer als "Sgt. Pepper"- Kopie abgewertet wurde. Dabei ging es musikalisch in eine ganz andere Richtung.

Die "Beatles" hatten  mit "Sgt. Pepper" das perfekte Popalbum kreiert. Die "Stones" dagegen suchten das totale Experiment. Sie ließen den Blues weitgehend hinter sich. Stattdessen wurde in Stücken wie "Sing this all together (See what happens)" und "Gomper" frei improvisiert. Mellotron-Klänge mischten sich mit orientalischen Rhythmen. Und Songs wie "2000 Lightyears from home" oder "In another land" gingen auch textlich eher in Richtung früher psychedelischer Bands wie "Pink Floyd". Nur in Stücken wie "2000 Man" und "Citadel" lässt sich noch am ehesten erkennen, dass hier die "Rolling Stones" am Werk waren.

With a little Help from my Friends

Die Arbeiten am Album verteilten sich über viele Monate. Sie wurden unterbrochen durch die damaligen Drogenprozesse gegen Jagger, Richards und Jones. Unzählige Leute sollen an den Sessions beteiligt gewesen sein. Selten waren alle Stones gemeinsam im Studio. Meist kamen sie getrennt und brachten laut Bill Wyman jeweils ein eigenes Gefolge von Leuten mit. Wyman erhielt bei seinem Song "In another land" Hilfe von den "Small Faces". Der spätere "Led Zeppelin"- Bassist John Paul Jones schrieb das Streicher-Arrangement für "She's a rainbow". Nicht eindeutig geklärt ist, ob es tatsächlich John Lennon und Paul McCartney sind, die auf dem Opener "Sing this all together" mitsingen.

Schwierig und spannend zugleich

"Their Satanic Majesties Request" war sicher ein wichtiger Schritt für die Band. Er führte sie an Grenzen und ließ sie danach auf "Beggars Banquet" gestärkt zu dem zurückkehren, was sie am besten konnten, nämlich gemeinsam "rocken". Auf diesem Album lief immerhin Brian Jones noch einmal zu großer Form auf. Er brachte viele ungewöhnliche Sounds in die Musik ein. Kommerziell lief das Werk weniger erfolgreich. Es erreichte zwar weltweit gute Chartpositionen, rutschte aber schnell wieder ab. In Deutschland kamen die "psychedelischen" Stones am besten an. Nur hierzulande hatten sie mit den beiden Single-Auskopplungen "2000 Lightyears" und "She's a rainbow" zwei Top-Ten Hits.

Hervorragendes Remastering

Die Jubiläumsausgabe bietet einen neu gemasterten Mono- und Stereomix. Und das gleich in den drei Formaten Vinyl, CD und SACD. Das Mastering stammt von Bob Ludwig, der hier einmal mehr zeigt, was man aus alten Aufnahmen rausholen kann. Frühere Versionen klangen in allen Formaten sehr druck- und konturlos und hatten wenig Bass. Die neue Version lässt das Album so rund und voll klingen, wie man es noch nie gehört hat. Vor allem Bass und Percussion haben gewonnen, alles wirkt lebendiger.

Auch der Mono-Mix hat seinen Reiz, oftmals ist der Gesang hier wesentlich deutlicher als im Ping-Pong-Stereo von 1967. Zusatztracks oder Outtakes gibt es leider nicht. Dafür kommt das Auge auf seine Kosten. Das originale Cover wurde sehr aufwändig reproduziert, inklusive des originalen 3-D Fotos, bei dem die Musiker je nach Blickwinkel sogar die Köpfe bewegen. Aber vor allem der verbesserte Sound ist der Anreiz, sich mit diesem Album neu zu beschäftigen.

Stand: 01.10.2017, 00:00