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Fehlfarben - Monarchie und Alltag

Cover von Fehlfarben - Monarchie und Alltag

Replay des Monats Mai

Fehlfarben - Monarchie und Alltag

Von Helmut Brasse

Kritiker halten "Monarchie und Alltag" von Fehlfarben aus dem Jahr 1980 für eines der wichtigsten deutschen Alben. Zurzeit ist die Band auf Tour - und zu diesem Anlass gibt es eine Neuauflage auf CD und Vinyl.

"Monarchie und Alltag" von Fehlfarben aus dem Jahr 1980 ist verkaufsmäßig sicher nicht das erfolgreichste Album der deutschen Pop-Geschichte. Dennoch halten Kritiker es für eines der wichtigsten deutschen Alben. Erstmals ist die Band in diesen Tagen mit dem kompletten Werk auf Tour, zu diesem Anlass gibt es eine Neuauflage auf CD und Vinyl.

Zurück zum Original

"Monarchie und Alltag" wurde seit seinem Erscheinen mehrmals neu aufgelegt. Was letztlich dazu  beitrug, dass es 21 Jahre später mit einer goldenen Schallplatte ausgezeichnet wurde für 250.000 verkaufte Einheiten. Dabei half auch eine Neuauflage im Jahr 2000 mit einem kompletten Remix. Dieser Mix stieß aber nicht nur auf Begeisterung, denn das Werk erhielt einen völlig anderen Gitarrensound und klang fast wie eine Neuaufnahme. Beim jetzigen Remaster ging die Band wieder zurück zum Original von 1980. Im Vergleich zum Remix klingt alles jetzt wieder druckvoller und rauer, was die Aufbruchsstimmung jener Zeit wesentlich besser transportiert.

Eine selbstkritische Band

"Monarchie und Alltag" war und ist ein Lieblingsalbum vieler Kritiker und Journalisten. In die Texte von Peter Hein interpretieren sie bis heute die erstaunlichsten Dinge. Und sehen in den Worten von "Ein Jahr (Es geht voran)" oder "Grauschleier" jede Menge politische oder gesellschaftskritische Metaphern. Peter Hein selber amüsiert sich darüber und sieht seine Texte aus einem ganz anderen Blickwinkel: "Das sind ja nur Gebrauchsgedichte, wie Werbung. Das geht ja nur um drei Minuten Musik, dass das nicht Instrumental-Tracks bleiben. Und da kommt dann unheimlich viel von Leuten, die sich da selber wichtig machen oder wichtig nehmen wollen." Unbestreitbar jedoch ist, dass Peter Hein Texte schrieb, die noch heute sehr viel Raum für Interpretation lassen. Zeilen wie "Was ich haben will, das krieg ich nicht und was ich kriegen kann, das gefällt mir nicht" sind einfach zeitlos.

Die Neue Deutsche Welle

Inwieweit "Monarchie und Alltag" die damalige "Neue Deutsche Welle" beeinflusst hat oder vielleicht nur einen entscheidenden Moment dokumentiert, wird sich nie eindeutig klären lassen. Die Band selber beansprucht für sich keine Vorreiterrolle. Für Kurt Dahlke alias "Pyrolator" war der "Ratinger Hof" in Düsseldorf wesentlich wichtiger für die Entwicklung der NDW. Hier fanden nicht nur Fehlfarben zusammen. Es trafen Leute aus der Kunst-Szene auf unterschiedlichste Musiker. Und es gab einen regen Austausch von Bands mit einigen Clubs in Hamburg und Berlin. Vor allem daraus hat sich, so Dahlke, "so was wie die "Neue Deutsche Welle" entwickeln können, weil so ein deutschlandweiter Austausch plötzlich da war". 

37 Jahre danach

Fehlfarben blieben als Band mit einigen Personalwechseln und Unterbrechungen bis heute aktiv. Die Musiker leben aber inzwischen verstreut von Berlin bis Wien und kommen immer wieder für Alben oder Tourneen zusammen. In diesem Jahr führen sie zum ersten Mal das komplette "Monarchie und Alltag" Album live auf. Lange Zeit haben sie sich mit der Platte schwer getan. Einige Songs wurden noch nie in den Konzerten gespielt. Andere nur in stark veränderter Form. Vielleicht hat es was mit dem Alter zu tun, dass die Musiker um die 60 nun mit etwas mehr Milde auf ihren Meilenstein zurückschauen. Und das auch zum Anlass genommen haben, das Album wieder in seinen Urzustand zurückzubringen. Was - egal ob mit oder ohne Tour - auf jeden Fall eine gute Entscheidung war.

Stand: 09.05.2017, 13:00