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Mando Diao - Good Times

Cover "Mando Diao - Good Times"

WDR 2 Musiktipp - 12.05.2017

Mando Diao - Good Times

Von Oliver Rustemeyer

Dancefloor oder schrammeliger Garagenrock? Auf ihrem achten Studioalbum wollen sich Mando Diao nicht so eindeutig festlegen. Und so gibt es beides - und dazu noch viele andere Spielarten, von Streicherpop zu Soul und Klavierklängen.

Nur gut, dass Mando Diao zwei Sänger hatten. Bleibt ihnen nach dem Ausstieg von Gustaf Noren mit Björn Dixgard immerhin noch einer. Berechenbarer wird die Band dadurch aber mit ihrer achten Wundertüte "Good Times" noch lange nicht.

Wir erinnern uns: Mit ihrem wüsten, ungestümen Sixties-Rock'n'Roll hatten die Schweden vor 15 Jahren gleich auf sich aufmerksam gemacht ("Bring 'Em In"). Mit den beiden Nachfolgern tobten sich Mando Diao weiter aus, um auf dem vierten Album etwas Luft zu holen und die Stromgitarren wieder an die Leine zu holen. "Give Me Fire!" verführte die Musiker schließlich an so artfremde Instrumente wie Keyboards und erschloss ihnen mit dem unwiderstehlichen Hit "Dance With Somebody" ganz neue Hörerschichten. Die sind dann aber auch wieder mit ihren ausufernden, teils fragwürdigen synthetischen Experimenten auf "Aelita" verloren. Vom letzten Album blieb dann auch wirklich nur die Billy-Idol-Gedächtsnisnummer "Black Saturday" in Erinnerung.

Hybrid zwischen Garage und Tanzfläche

Und was nun? Nach dem Bruch des reizvollen Wechselspiels der beiden Sänger wieder Dance? Oder doch schrammeliger Garagenrock? Mando Diao wollen sich auf ihrem achten Studioalbum "Good Times" da noch nicht so eindeutig festlegen wie jeweils auf ihren homogeneren, in sich geschlossenen Veröffentlichungen davor. Im Sommerlager auf der schwedischen Insel Gotland entschied man sich mit dem neuen Gitarristen Jens Siverstedt für einen Hybrid. Ganz im Sinne ihres größten Hits möchte man nun bei aufgekratzt-hibbeligen Songs wie "All The Things", "Dancing All The Way To Hell" oder der Single "Shake" ausgelassen "Dance Dance Dance" schreien und auf die Tanzfläche stürmen. Die befindet sich 2017 aber nicht mehr in einer glattpolierten Großraumdiskothek, sondern eher wieder im schummerigen Indie-Keller. Mando Diao geben ihren rastlosen, hektischen Stromgitarren der charmanten Anfangsjahre nämlich wieder mehr Raum.

Aus Liebe zur Musik

Doch der Beat bleibt. Und die Schweden wollen sich einfach nicht festlegen, öffnen sich unterschiedlichsten Spielarten wie pathetischen Klavierklängen ("Break Us"), Lagerfeuer-Gitarrenakustik am nächtlichen Strand ("Hit Me With A Bottle"), versöhnlichem, zuckersüßem Philly-Streicherpop ("Without Love"), Gospelchören ("Shake"), groovigem Funk für die Indie-Disco ("Good Times") oder einfach nur theatralischem Soul-Drama ("Brother"). Und das alles nicht nur aus Liebe zum Dance. Oder zum Sixties-Beat. Einfach alles aus Liebe zur Musik.

Mando Diao - All the things

WDR 2 Musiktipp | 12.05.2017 | 00:13 Min.

Mando Diao - Voices on the radio

WDR 2 | 12.05.2017 | 00:16 Min.

Mando Diao - Good Times
1.Break Us
2.All The Things
3.Good Times
4.Shake
5.Money
6.Watch Me Now
7.Hit Me With A Bottle
8.Brother
9.Dancing All The Way To Hell
10.One Two Three
11.Voices On The Radio
12.Without Love

Stand: 12.05.2017, 00:00