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WDR 2 Gespräch mit Jürgen Prochnow

Jürgen Prochnow

Überzeugender Bösewicht

WDR 2 Gespräch mit Jürgen Prochnow

In der Verfilmung von Martin Suters Roman "Die dunkle Seite des Mondes" spielt Jürgen Prochnow an der Seite von Moritz Bleibtreu. Im Gespräch auf WDR 2 erzählte der Schauspieler von den Dreharbeiten.

WDR 2: Heute Abend in der Essener Lichtburg große Filmpremiere mit rotem Teppich und allem Drum und Dran. Gezeigt wird "Die dunkle Seite des Mondes" nach dem R oman von Martin Sutter. Moritz Bleibtreu spielt darin einen privat und beruflich sehr erfolgreichen Wirtschaftsanwalt, der allerdings abdriftet und seine dunkle Seite kennenlernt. Und dabei sollte er sich voll auf seinen Job zu konzentrieren, denn er soll für einen wichtigen, aber eiskalten Mandanten eine Fusio über die Bühne bringen. Jürgen Prochnow kennt ja fast jeder Deutsche noch als U-Boot-Kapitän in "Das Boot" oder aus Hollywood-Produktionen wie "Der englische Patient" oder aus "Air Force One". Sie lachen schon im Hintergrund, dabei sind Sie ja nicht unbedingt ein Symphatie-Träger hier in der Rolle.

Jürgen Prochnow: Nicht unbedingt, nein, aber man kann sich ja trotzdem darüber freuen.

WDR 2: Das heißt also - Böse macht wahrscheinlich auch besonders Spaß.

Jürgen Prochnow: Das macht unter Umständen sehr viel Spaß, ja, wenn es eine gute Rolle ist und ein gutes Drehbuch ist und wenn es in einem guten Zusammenhang gedreht werden kann, dass man vielleicht auch die nötigen Voraussetzungen dafür hat - ein Budget und einen guten Regisseur und so, dann kann das auch etwas ganz Schönes werden.

WDR 2: Das klingt, als hätte da alles gepasst. Können Sie mal die Rolle beschreiben?

Jürgen Prochnow: Ja, das ist also ein Unternehmer, der eine neue Droge auf den Markt bringen soll, die angeblich multiple Sklerose heilt. Und es stellt sich aber heraus, dass dieses Mittel ein Fake ist, dass das also nicht der Wahrheit entspricht, sondern das ist ausprobiert worden mit Versuchspersonen und da sind schon so und so viel Leute dran gestorben und das dürfte eigentlich nie auf den Markt kommen, aber der versucht mit einer Fusion mit einer anderen Firma, die der Urs Blank für ihn durchführen soll, dieses Medikament auf den Markt zu bringen - und daran sieht man schon, was das für ein Mensch ist.

WDR 2: Das klingt ja wirklich böse. Ist es nicht mal irgendwie mal ein bisschen traurig, wenn man immer nur als Bösewicht eingeplant wird oder zumindest überwiegend als Bösewicht?

Jürgen Prochnow: Überhaupt nicht, nein, das hängt ja immer davon ab, ich kann ja auch "Nein" sagen, also ich kann das ja auch ablehnen.

WDR 2: Wir haben ja eben im Filmausschnitt Moritz Bleibtreu gehört, der spielt die Hauptrolle - mit dem haben Sie vorher nie zusammen gearbeitet, den kennen Sie aber schon lange, oder?

Jürgen Prochnow: Ja, leider nein, mit dem habe ich nie zusammen gearbeitet und finde, dass der ganz ganz hervorragend diese Rolle spielt. Diese Wandlung, die er erfährt, seine Bewusstseinsveränderung, die er auf die Einnahme der Pilze schiebt und wo sich dann am Ende rausstellt, dass es nicht die Pilze sind, sondern dass er das selbst ist, der die abgekehrte Seite des Mondes, dieses Jekyll-Hyde-Wesen in sich trägt. Ja, der Moritz, ich kannte die Mutter sehr gut, die Monika, die eine ganz ganz hervorragende Schauspielerin gewesen ist und die wohnte mal eine Zeit lang in Hamburg, als ich da im Deutschen Schauspielhaus engagiert war, neben mir.

WDR 2: Und jetzt spielt der kleine Moritz mit dem Onkel von nebenan im Kino. So kanns gehen. Ihr Wohnsitz ist normalerweise Los Angeles, heute ist er aber in Essen, wo am Abend Deutschland-Premiere ist von "Die dunkle Seite des Mondes". Und, Herr Prochnow, Essen müssten Sie ja eigentlich noch kennen aus Ihrer Jugend.

Jürgen Prochnow: Ich bin ja hier in Essen auf die Folkwangschule gegangen, drei Jahre lang, und hab da meine Ausbildung zum Schauspieler gemacht und war später dann in Bochum bei Peter Zadek engagiert am Bochumer Schauspielhaus, mehrere Jahre. Also ich habe natürlich sehr, sehr viele Erinnerungen hier an diese Zeit.

WDR 2: Wenn Sie jetzt für große Hollywood-Produktionen arbeiten - ich habe den "Englischen Patienten" erwähnt oder auch "Der Wüstenplanet", zum Beispiel einer meiner Lieblingsfilme aus den 80ern - versaut so etwas nicht für kleinere Produktionen in Deutschland?

Jürgen Prochnow: Ja, man muss sich umstellen, das ist ganz klar. Aber ich weiß ja, was mich erwartet. Also in dem Augenblick, wo ich diese Produktion annehme, lasse ich mich natürlich auf ganz andere Produktionsbedingungen ein, die ich nicht habe, wenn ich drüben arbeite in einer großen Produktion.

WDR 2: Seit zehn Jahren sind Sie amerikanischer Staatsbürger, haben aber zwei Wohnsitze, habe ich gelesen: Los Angeles und München. Braucht man das, um mal so 'back to the roots' zu kommen?

Jürgen Prochnow: Ich spiele mit dem Gedanken, in Berlin wieder eine Wohnung zu nehmen. Ich bin in Berlin geboren und das ist sozusagen meine Heimat und da bin ich aufgewachsen, habe meine Kindheit da verbracht, da zieht's mich halt sehr wieder mal hin.

WDR 2: Serien liegen momentan stark im Trend. Das war ja früher fast ein Schimpfwort zu sagen, man ist Serien-Darsteller, aber Sie haben jetzt auch bei "24" mitgespielt und viele sagen ja: Serien sind das Kino von morgen, beziehungsweise sind interessanter als viele Kino-Filme.

Jürgen Prochnow: Also ich finde, was da so gemacht wird, ich sag jetzt nur mal "Homeland" oder so etwas, das ist ganz hervorragend. Wie das gehandhabt wird - und ich hab das auch bei "24" gesehen, das sind übrigens viele Produzenten, die jetzt "Homeland" machen - das wird mit Sorgfalt vorbereitet. Und ich hab dann in einer weiteren Serie nochmal gespielt, bei Michael Mann, "Luck" hieß das, das ist leider nach einem Jahr eingestellt worden, das spielte auf der Pferderennbahn. Aber ich will nur sagen, was da für Leute dran sitzen, die diese Bücher entwickeln und was für Leute da mitspielen, da spielte zum Beispiel Dustin Hoffman die Hauptrolle und Nick Nolte den Gegenspieler. Damit tut man sich also einen großen Gefallen, wenn man in so einer Serie mitspielt.

WDR 2: Herr Prochnow, ich danke Ihnen ganz herzlich, dass Sie Zeit hatten. Und viel Erfolg bei der Premiere und dass der Film auch gut in den deutschen Kinos anläuft.

Jürgen Prochnow: Vielen Dank, danke schön, tschüss.

Das Interview führte WDR 2 Moderator Stefan Quoos.

Die dunkle Seite des Mondes
Regie: Stephan Rick
Deutschland/Luxemburg 2015
97 Minuten
FSK ab 12

Stand: 12.01.2016, 15:45