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"Ärzte ohne Grenzen" zum Sieg über Ebola

Ein großes Plakat an einer Straße, auf das ein Mann zuläuft, zeigt einen Afrikaner und den Schriftzug: "Treatment for Ebola saves Lives!"

Die Skepsis bleibt

"Ärzte ohne Grenzen" zum Sieg über Ebola

Die Weltgesundheitsorganisation hat die Ebola-Epidemie in Westafrika offiziell für beendet erklärt. Auf WDR 2 bekräftigte Tankred Stöbe von "Ärzte ohne Grenzen" aber seine Skepsis - und die Kritik an den Pharmakonzernen.

Der schlimmste Ebola-Ausbruch in der Geschichte ist gestoppt. Nach Guinea und Sierra Leone gilt seit Donnerstag (14.01.2016) auch Liberia als ebolafrei. Wie die Weltgesundheitsorganisation, WHO, in Genf mitteilte, wurde auch dort seit 42 Tagen kein neuer Fall bekannt. Damit gilt die Übertragung des hoch ansteckenden Virus als beendet.

Das Ebola-Virus wütete seit zwei Jahren in Westafrika und kostete mindestens 11.300 Menschen das Leben. Mindestens 28.600 Menschen erkrankten. Die Epidemie brachte zudem das öffentliche Leben phasenweise zum Stillstand und richtete enorme wirtschaftliche Schäden an. Die WHO feiert jetzt den Sieg über die hoch ansteckende Krankheit, gibt aber keine Entwarnung für die Zukunft.

Gesundheitssysteme "liegen am Boden"

Tankred Stöbe, Präsident von "Ärzte ohne Grenzen" Deutschland

Tankred Stöbe, Präsident von "Ärzte ohne Grenzen" Deutschland

Ganz ähnlich schätzt auch Tankred Stöbe von "Ärzte ohne Grenzen" die Lage ein: Die Region sei durch Bürgerkriege schwer verarmt, zudem seien durch die Epidemie über 500 Ärzte und Pflegekräfte ums Leben gekommen - die Gesundheitssysteme der Länder "liegen am Boden", so der Präsident der NGO auf WDR 2.

"Die Mammuaufgabe ist jetzt, diese Länder so aufzubauen, dass zumindest ein "'Vor Ebola'-Status" erreicht wird.

Kritik an der Pharmaindustrie

Die Epidemie habe auch deswegen so wüten können, weil die WHO und die Weltgemeinschaft erst aufgewacht sei, als Ebolakranke nach Europa und Nordamerika kamen. Ebola sei überdies vor über 40 Jahren entdeckt worden, einen Impfstoff gebe es aber erst seit dem Ausbruch der Krise in Westafrika. "Wir haben aber immer noch keine Medikamente." Grund dafür sei, dass die Pharmaindustrie nur lukrative Geschäfte machen wolle. "Da muss ein Umdenken stattfinden. Es müssen vernachlässigte Krankheiten besser erforscht werden", so Stöbe im Gespräch mit WDR 2 Moderator Jürgen Meyer.

Die EU sicherte unterdessen weitere Hilfen für die Region zu. Bislang stellten die Europäer nach Angaben aus Brüssel gut zwei Milliarden Euro im Kampf gegen die Ebola bereit. Auch die Weltbank erklärte, dass ihr Engagement in der Region weiter andauern werde. Das Kinderhilfswerk Unicef verlangte besondere Zuwendung für die fast 23.000 Ebola-Waisen. Die Mädchen und Jungen dürften nach dem Ende der Epidemie nicht in Vergessenheit geraten.

Stand: 14.01.2016, 14:00