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Ängste überwinden

Interview zur Inklusion

Ängste überwinden

Behinderte Kinder in Nordrhein-Westfalen haben vom kommenden Schuljahr an ein Recht auf gemeinsamen Unterricht mit nichtbehinderten - zunächst in den Klassen 1 und 5. Der Landtag hat das umstrittene Inklusionsgesetzt am Mittwoch (15.10.2013) verabschiedet. Lehrerin Nina Rock, die bereits behinderte und nicht behinderte Kinder gemeinsam unterrichtet, verteidigte auf WDR 2 das Gesetz.

Differenzierte Lerninhalte für die Kinder

Nina Rock ist Lehrerin an der Gemeinschaftsgrundschule Rösrath und unterrichtet schon seit zehn Jahren behinderte und nicht behinderte Kinder gemeinsam. Auf WDR 2 schilderte sie, wie der Unterricht abläuft: "Das gemeinsame Lernen funktioniert nur, wenn man für alle Kinder differenziert arbeitet, und das ist auch für alle Kinder notwendig. Wenn man an eine Regelklasse denkt, da sind auch nicht alle gleich weit. Wir kennen das noch von früher - es gab die, die es schneller verstanden haben und die, die es langsamer verstanden haben. Und wenn man für alle spezielle Inhalte anbietet, dann kann jeder an seinem Förderschwerpunkt arbeiten."

Unterstützung durch Förderschullehrer

Praktisch sehe das so aus, dass es am Tag zwei Stunden individuelle Arbeit gebe. In dieser Zeit sei auch meist ein Förderschullehrer dabei, der die Lehrerin Nina Rock unterstützt. Jedes der 21 Kinder würde in dieser Zeit an seinem eigenen Förderschwerpunkt arbeiten. Darüber hinaus gebe es aber auch Stunden, wo gemeinsam unterrichtet werde, in denen alle am gleichen Thema arbeiteten. "Die Kinder schreiben einen Text, und diejenigen, die schon besonders gut schreiben können, schreiben eben sehr viel, überprüfen vielleicht schon auf Rechtschreibung, und die, die noch nicht schreiben können, malen vielleicht ein Bild und schreiben die Anlaute dazu," so Nina Rock.

Soziales Miteinander funktioniert gut

Bei den Schülern sei das soziale Miteinander sehr schön zu beobachten, da sie bereits daran gewöhnt seien und schon immer mit Kindern mit Förderschwerpunkten zusammen arbeiteten. "Grundsätzlich gilt bei uns, dass jeder anders ist und dass das auch gut so ist," so die Lehrerin Nina Rock.

Schulen brauchen Unterstützung

"Es gibt viele Ängste an den Schulen. Und die sind auch berechtigt, weil viele Schulen nicht darauf vorbereitet sind," sagt Nina Rock. "Es ist ganz wichtig, mit den Schulen vorher ein Konzept zu erstellen, wie sie im Unterricht so differenziert arbeiten können, so dass alle Kinder zu ihrem Recht kommen und dass der Lehrer nicht überfordert ist. Außerdem ist es wichtig, dass man Unterstützung durch Förderschullehrer, und zwar ausreichend Unterstützung, bekommt."

Schüler müssen mitgenommen werden

Anfangs habe es auch bei Eltern Ängste gegeben, beispielsweise, dass lernbehinderte Kinder ihre eigenen, nicht behinderten Kinder aufhalten könnten. Jetzt stelle sich das Problem andersherum dar, so Rock. "Wir haben inzwischen sehr viele Eltern, die ihre Kinder bewusst in den Klassen in unserer Schule haben wollen, in denen der gemeinsame Unterricht stattfindet."

"Wir leben alle in einer Gesellschaft"

Aber auch viele Schüler haben Ängste vor der Inklusion, und auch diese seien sicherlich berechtigt, so Rock. "Aber genau deswegen finde ich die Inklusion ein sehr wichtiges Thema. Wir leben alle in einer Gesellschaft, und wenn wir in der Schule nicht lernen aufeinander achtzugeben und jeden mitzunehmen, dann wird es später sicherlich nicht einfacher werden."

Stand: 16.10.2013, 13:55