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"Korruption abbauen, Wirtschaft stärken"

Prof. Rudolf Hickel im September 2011 bei einem Auftritt vor der SPD in Bremen

Gerspräch mit Wirtschaftsexperte Prof. Rudolf Hickel zu Griechenland

"Korruption abbauen, Wirtschaft stärken"

Gibt es nach dem Referendum der Griechen noch eine Zukunft für das Land im Euro? Am Dienstag (07.07.2015) treffen sich in Brüssel die Staats- und Regierungschefs zu einem Sondergipfel, dabei will Ministerpräsident Alexis Tsipras neue Reform-Vorschläge präsentieren. Doch die Stimmung zwischen Athen und der EU ist vergiftet.

Neue Verhandlungen: Was jetzt geschehen muss

Brüssel erwartet von Ministerpräsident Alexis Tsipras neue Vorschläge zu Reformen in Griechenland. Diese sind ausschlaggebend, ob das Land weiterhin Finanzhilfen erhält oder nicht. Prof. Rudolf Hickel ist Wirtschaftswissenschaftler. Er war Professor für Finanzwirtschaft an der Universität Bremen und von November 2001 bis Oktober 2009 Direktor des Instituts Arbeit und Wirtschaft (IAW). Im Gespräch auf WDR 2 erklärte er, was seiner Meinung nach jetzt dringend getan werden muss.

"Zwei Maßnahmen vorab: Cash für die Bankautomaten und eine humanitäre Politik"

"Zwei Maßnahmen, die jetzt auch eingeleitet werden. Wir müssen dafür sorgen, dass die Bankautomaten Geld haben, weil das insgesamt eine große Vertrauenskrise auslöst. Man hört ja, dass die 20 Euro-Scheine ausgegangen sind. Das zweite ist, das hat Martin Schulz, Präsident des Europaparlamentes angekündigt: Wir brauchen eine humanitäre Politik. Also eine gegen die Katastrophe, durch ein Sofortporgramm. Auf dieser Basis ist dann völlig richtig zu sagen: Jetzt muss auch die griechische Regierung etwas bringen."

"Institutionen schaffen, damit Steuern auch bezahlt werden - auch von den Reichen!"

Rudolf Hickels Idee für ein mögliches Reformprogramm: Die griechische Regierung sollte einen Aufbau und eine Stärkung des Staates in den Mittelpunkt stellen. "Eine Reformfähigkeit des Staates, Bekämpfung der Korruption. Und dass vor allem endlich Institutionen geschaffen werden, die dafür Sorge tragen, dass Steuern auch bezahlt werden. Wir haben in Griechenland das Problem, dass vor allem die Reichen keine Steuern zahlen!"

"Strukturreformen, Abbau der Korruption, Stärkung der Exportwirtschaft"

Nach dem Referendum seien die Karten neu gemischt, so der Wirtschaftswissenschaftler. Die Griechen hätten mit dem "Nein" vor allem gegen weiteren Sozialabbau und Lohnabbau gestimmt, der die Renter und Arbeitslosen belaste. Damit sei nun Raum geschaffen, ernsthafte Strukturreformen durchzuführen, beispielsweise eine Stärkung der Wirtschaft, des Exportes, des Staates. "Wenn die EU nun sagt, wir fordern keine weiteren Einsparmaßnahmen, die die soziale Armut erhöhen, dann ist auf der anderen Seite die Voraussetzung besser, dass jetzt auch ernsthafte Reformvorschläge gemacht werden. Das ist die Aufgabe, die bisher immer nur angekündigt worden ist."

"Es droht der Grexit - aber er wird nicht kommen"

Fazit des Wirtschaftwissenschaftlers: "Es droht der Grexit - aber am Ende wird er nicht kommen, weil alle Beteiligten wissen, dass er für alle eine schwere Belastung wäre."

Stand: 07.07.2015, 07:45