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Auf der Suche nach dem einfachen Weltbild

 In der Landeserstaufnahmestelle (LEA) für Flüchtlinge in Karlsruhe (Baden-Württemberg) warten Flüchtlinge auf ihre Registrierung

WDR 2 Gespräch zu Gerüchten im Netz

Auf der Suche nach dem einfachen Weltbild

Seit einiger Zeit verbreiten sich im Internet explosionsartig unwahre Geschichten. Zuletzt ging es um ein angeblich vergewaltigtes Flüchtlingsmädchen. WDR 2 bat Medienwissenschaftler Matthias Kohring um eine Erklärung.

Gerüchte und erfundene Geschichten finden im Internet "deswegen so viel Verbreitung, weil die Menschen verunsichert sind", meinte Matthias Kohring im Gespräch mit WDR 2 Moderator Uwe Schulz. Die angeblichen Ereignisse gäben ihnen "eine Art Sicherheit" und ein "einfaches Weltbild: hier wir - dort die bösen Flüchtlinge". An diese Geschichten wollten die Betroffenen dann auch glauben, und deshalb verbreiteten sie sich so schnell.

Entscheidend ist die Verbreitung

Matthias Kohring, Professor für Medien- und Kommunikationswissenschaft an der Universität Mannheim

Matthias Kohring

Oft greife dann der altbekannte Mechanismus, dass sich aus einem Gerücht eine vermeintliche Tatsachenbehauptung und üble Nachrede ergäben. Allerdings gebe es auch bewusst "inszenierte Gerüchte". Entscheidend sei in jedem Fall, dass die Geschichten vebreitet werden, betonte der Medien- und Kommunikationswissenschaftler von der Universität Mannheim. Kohring empfiehlt allen, die versucht sind, Gerüchte zu verbreiten: "Man muss auf diesen kleinen Aufmerksamkeitsgewinn verzichten, den man bekommt, wenn man sowas weitererzählt." Gleichzeitig hält er es für wichtig einzuschreiten, wenn andere ungeprüfte Informationen weitergeben und zu fragen: "Woher weißt du das? Warum erzählst du sowas?"

Gerüchten kann Gewalt folgen

Auch für die Medien hat Kohring einen Rat: Sie könnten zeigen, wie Gerüchte funktionieren und welche fatale Wirkung sie haben können. Viele Geschichten erzeugten trotz ihrer Unwahrheit ein Wir-Gefühl und verfestigten sich so, erläuterte der Wissenschaftler. Empörung und Gewalttaten müssten nicht zwingend daraus folgen, würden aber dadurch begünstigt.

Stand: 30.01.2016, 14:27