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"Sie hat kein Konzept"

Blick in die Kaiser-Wilhelm-Straße in Marxloh. Eine junge Frau mit Kopftuch überquert die Straßenbahnschienen

WDR 2 Gespräch zum Bürgerdialog der Kanzlerin

"Sie hat kein Konzept"

Im Rahmen des Bürgerdialogs hat Kanzlerin Angela Merkel den Duisburger Stadtteil Marxloh besucht. Bezirksbürgermeister Uwe Heider erläuterte zuvor auf WDR 2, warum er glaubt, dass der Besuch dem Stadtteil eher schadet.

WDR 2: Guten Morgen, Herr Heider.

Uwe Heider: Guten Morgen.

WDR 2: Man zeigt ja gerne die beste Seite, wenn die Kanzlerin kommt. Was ist die beste Seite von Duisburg-Marxloh?

Uwe Heider: Die Weserstraße zum Beispiel und die Menschen, die dort leben. Die vielen Nationalitäten haben ja auch ihren Vorteil, nicht nur ihre Nachteile, so wie das immer in der Öffentlichkeit dargestellt wird.

WDR 2: Frau Merkel will mit ausgesuchten Bürgerinnen und Bürgern aus Marxloh sprechen, hört sich deren Probleme an und dann? Schön, dass wir drüber geredet haben oder was erwarten Sie ganz konkret vom Besuch von Angela Merkel?

Uwe Heider: Gar nichts. Ganz einfach gar nichts, weil ich glaube nicht, dass die Frau Merkel von heute auf morgen alles verändern kann, was sich auf Jahre in Marxloh angesammelt hat und an Ängsten bei den Bürgern da ist. Das wird sie heute nicht verändern können und morgen auch nicht. Deshalb gehe ich davon aus: Sie kommt und fährt wieder und hat kein Konzept, wie man den Menschen vor Ort helfen kann.

WDR 2: Also Sie halten den Besuch für gar nicht hilfreich?

Uwe Heider: Nein, halte ich nicht. Ich halte ihn eher für schädlich für die Geschäftsleute, die dort sind, weil man zurzeit nur negativ über diesen Stadtteil redet. Und der Stadtteil ist nicht nur negativ. Er hat ja auch seine sehr guten Seiten. Und da verdienen auch Geschäftsleute ihr Geld, so ist das ja nicht.

WDR 2: Sie selbst werden nicht mit der Kanzlerin sprechen können, da die nur „normale“ Bürger treffen will. Wenn Sie aber könnten, was würden Sie ihr denn mit auf den Weg nach Berlin geben. Wo liegen die Probleme, wo müsste was passieren?

Ein Mann mit dunklen Haaren und Brille

Uwe Heider, Bezirksbürgermeister Duisburg-Marxloh

Uwe Heider: Also ich sage immer wieder: Wer die Musik bestellt, soll auch bezahlen. Und wenn die Bundesregierung Rumänien und Bulgarien öffnet für Europa, muss sie auch wissen, dass wir eine Arbeitswanderung nach Deutschland hin bekommen aus diesen beiden Ländern. Und man sollte mal den Leuten, die dort dann kommen, erklären, wie man hier in Deutschland lebt. Wenn die Leute, die früher auf Müllhalden gelebt haben, heute in eine Stadt kommen, wo der Müll abgeholt wird und sie wissen das nicht, weil man ihnen das nie erklärt hat, ist das schwierig. Und deshalb glaube ich, wäre es ganz gut, wenn die Kanzlerin sagen würde: Wir geben euch Geld und ihr könnt ein begleitendes Wohnen für die Menschen machen, damit wir die mal aufklären, wie wir hier leben, dass man hier den Müll nicht rausschmeißen kann.

WDR 2: Also dazu bräuchte man Stellen und Geld?

Uwe Heider: Stellen und Geld – genau. Und das könnte die Bundeskanzlerin ja geben, weil in Europa die Gelder nicht abgerufen sind für Rumänien und Bulgarien, um gerade diese Leute auch dementsprechend zu schulen. Das haben sie in der EU nicht abgerufen, das Geld liegt ja noch da.

WDR 2: Wenn Sie’s nicht können, vielleicht sagt’s der Kanzlerin ja jemand anders.

Uwe Heider: Das wäre schön, ja.

WDR 2: Uwe Heider, Bezirksbürgermeister aus Duisburg-Marxloh zum heutigen Besuch der Kanzlerin dort. Herzlichen Dank für das Gespräch.

Uwe Heider: Bitte schön und auf Wiedersehen.

Das Interview führte WDR 2 Moderator Helmut Rehmsen.

Stand: 25.08.2015, 18:04