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Digitaler Frühjahrsputz

Ein Baustellenschild auf einer Festplatte

Ordnung auf PC und Handy

Digitaler Frühjahrsputz

Wenn der PC aus allen Nähten platzt und unzählige Programme, Ordner und Dokumente den Blick trüben, ist Zeit aufzuräumen. Gleiches gilt für's Handy. Wie man aufräumt weiß unsere WDR 2 Reporterin Anita Horn.

WDR 2: Fangen wir mal mit dem Laptop oder PC an.

Anita Horn: Mein Computer Zuhause war der Inbegriff von Chaos – bis ich zwischen den Feiertagen wirklich mal allen Mut zusammen genommen und einen digitalen Frühjahrsputz hingelegt habe.

WDR 2: Dank Tabula Rasa? Alles runter und neu ordnen?

Anita Horn: Jein, um wirklich ordentlich aufzuräumen sollte man erstmal all seine Daten sichern. Entweder auf einem externen Medium, also Festplatte, DVD und Co. Oder ich richte mir auf dem Rechner einen neuen Ordner ein – am besten auf einem anderen Laufwerk und kopiere alles dort hinein. Nicht verschieben, nur kopieren! Sonst ist bei einem Absturz hinterher evtl alles weg… Fachinformatiker Dirk Schoemakers aus Kleve empfiehlt zwei Ordnungssysteme: "Das eine ist, ich sortiere meine Dateien nach Dateityp, als Musik zusammen, Dokumente zusammen, das ist aber dann thematisch natürlich bunt gemischt. Also Fotos aus dem Internet zwischen den Urlaubsfotos. Der andere Ansatz ist, dass man eine inhaltliche Struktur macht: also ein Ordner für Privates, einer für Arbeit und Schule und darunter verzweige ich dann." Und diese vielen Ordner liegen dann am in einem Überordner „Dokumente“ oder „Eigene Dateien“ – und zwar als Verknüpfung auf dem Desktop.

WDR 2: Und wie bekomme ich die vorher kopierten Dateien jetzt vernünftig wieder rüber – in einer neuen, besseren Struktur?

Anita Horn: Am besten macht man sich vorher mal einen Plan, was man alles an Daten hat und wie man es schlau aufbauen will – nach Jahren, nach Inhalt oder nach Personen im Haushalt – also z.B. im Ordner Fotos "2016_01" und darin "WDR2 Silvesterparty". Und im Ordner 2015 sortiere ich nochmal alles von vorne: Fotos_2015_12_Weihnachten… 2015_11_Urlaub… Wie eine Leiter. Das dauert zwar vielleicht mal einen halben Tag, lohnt sich aber auf lange Sicht.

WDR 2: Und dann schmeiße ich meine kopierten Dateien wieder dort rein?!

Anita Horn: Nachdem ich mir überlegt habe, ob die Dateinamen Sinn machen. Im Zweifel betitele ich meine Dateien neu und schmeiße unwichtige Sachen ganz vom Rechner. Nur so finde ich bei meiner nächsten Suche wirklich das Foto oder das mp3, das ich suche.

WDR 2: Das klingt nach Handarbeit. Gibt es auch Programme, die helfen?

Anita Horn: Schon, aber die wissen natürlich nicht, welche Strukturen mir gefallen. Programme und Apps wie Evernote oder DEVONThink helfen z.B. beim Anlegen von Ordnern und beim Ordnung-Halten, aber erstens kosten sie meist monatlich eine Gebühr und die ganze Arbeit nehmen sie mir nicht ab. Ich bevorzuge deshalb meine selbst angelegte Ordner-Struktur. Optische Hilfsmittel machen alles etwas übersichtlicher, z.B. "Dexpot" und "Deskspace" – damit kann ich z.B. mehrere Oberflächen für den Desktops zu gestalten und so einen Startbildschirm für mich privat und einen für Gäste schaffen, oder mit IconTweaker und LabelsWin z.B. den Ordnern einen neuen Look verpassen, so dass man alles ganz einfach wiederfindet.

Ein Mann schaut seinen Rechner und ein Handy an

Aufräumen auch auf dem Handy

WDR 2: Gleiches gilt doch auf fürs Handy? Damit hinterher nicht das große Jammern ausbricht, dass alle Unterlagen, Fotos und Telefonnummern auf ewig verschollen sind – wie geht man vor, um alles immer frisch synchronisiert und gesichert zu haben?

Anita Horn: In Sachen Handy gibt es immer Programme für den PC. Da kann man mit wenigen Klicks den gesamten Inhalt des Telefons übertragen – via USB-Kabel oder auch Bluetooth oder WLAN, je nach Handymodel und wie alt es ist. Im Handy selbst sollte man Fotos und Kontakte nie auf dem internen Telefonspeicher, sondern auf einer externen Mini-SD-Karte speichern – wenn nämlich "nur" das Betriebssystem kaputt geht, bleiben mir meine heiligen Dateien. Und die Kontakte synchronisiert man am besten regelmäßig oder voll automatisch mit seinem Email-Konto.

WDR 2: Ich habe manche Kontakte ja doppelt und dreifach, was mache ich da?

Anita Horn: Auch einen Frühjahrsputz. Am besten man setzt sich wirklich mal einen halben Tag hin, verknüpft doppelte Kontakte – also alle mit gleichem Namen anklicken und dann auf "verknüpfen" klicken – so werden Name, Nummer, Email-Adresse und Co in eine Datei zusammengefasst – das dann mit dem Email-Postfach abgleichen, fertig. Zusätzlich könnte man die Kontakte auf eine zweite, externe SD-Karte kopieren und die z.B. im Schreibtisch aufbewahren. Ich kann natürlich auch alle Telefonnummern in einer Cloud ablegen oder mit Outlook oder Excel verknüpfen. Aber...

WDR 2: Ich habe gewusst, dass da noch ein Aber kommt

Anita Horn: Ja, man muss natürlich dem Anbieter, wenn man die Online-Variante nutzt. Und wenn man USB-Sticks, DVDs, SD-Karten oder externe Festplatten nutzt muss man wissen, dass auch das alles mal kaputt gehen kann – das hat Datenretter Olexiy Ushakov mir erklärt. Fünf bis zehn Jahre halten Datenträger, Rumtragen, Stöße, Luchtfeuchtigkeit und Kaffee verkürzen die Lebensdauer. Hier ein Beispiel von Olexiy Ushakov: "Die Festplatte war schon alt. Man konnte erstmal 75 Prozent sichern, dann im Labor aufgemacht und die Köpfe ausgetauscht und so hat der Kunde 100 Prozent aller Daten zurückbekommen." Die Köpfe sind die Scheibenköpfe, die die Daten auslesen, wie beim Plattenspieler.

WDR 2: Also selbst wenn alles weg scheint, kann man noch was tun?!

Anita Horn: Meistens – aber am besten versucht man es nicht selbst, sondern wendet sich an einen Experten. Das kostet zwar Geld, aber spart auch eine Menge Nerven!

WDR 2: Datensicherung für PC und Handy. Anita Horn war das.

Das Interview führt Uwe Schulz.

Stand: 02.01.2016, 11:59