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Gesunde Lebensweise schützt

Zwei alte Menschen sitzen und zwei alte Menschen stehen an einem Tisch

Risikofaktoren für Demenz

Gesunde Lebensweise schützt

Die Nachricht schockiert nicht nur die Fußballwelt: Torjäger-Legende Gerd Müller ist im Alter von 69 Jahren an Alzheimer erkrankt. Expertin Änne Türke erklärte auf WDR 2, wovon das Risiko einer Demenzerkrankung abhängt.

Änne Türke arbeitet beim Demenz-Servicezentrum für die Region Köln. Im WDR 2 Gespräch beantwortete sie die wichtigsten Fragen zum Thema.

Wie früh kann man an Demenz erkranken?

Das Alter ist der größte Risikofaktor. Bei den 65- bis 75-Jährigen, von denen es in den kommenden Jahren immer mehr in Deutschland geben wird, erkranken etwa 1,7 Prozent an einer Demenz. Bei den 85-Jährigen sind es schon mehr als 30 Prozent.

Gibt es bei Demenzerkrankungen eine genetische Vorbelastung oder besondere Risikofaktoren?

Genetische Risikofaktoren gibt es grundsätzlich bei allen Demenzerkrankungen. Eine wirkliche Vererbung, bei der ein Gen mutiert ist, kommt allerdings äußerst selten vor und ist in weniger als zwei Prozent der Fälle nachweisbar. Wenn es eine familiäre Häufung gibt, hat das meist eher mit Risikofaktoren wie Bluthochdruck, Diabetes oder Übergewicht zu tun. Das sind im Wesentlichen die gleichen Faktoren, die auch für Herz-/Kreislauferkrankungen verantwortlich sind, weil sie die Gefäße schädigen.

Kann man der Demenz vorbeugen oder den Verlauf der Krankheit hinauszögern?

Vorbeugen kann jeder einfach dadurch, dass er gesund lebt. Wichtig sind vor allem soziale Betätigung, körperliche Aktivität und gesunde Ernährung - im Grunde alles, was einem auch ein Kardiologe raten würde. Man sollte zudem regelmäßig das Gehirn trainieren. Dabei geht es jedoch weniger um die Lösung von Kreuzworträtseln als um soziale Aktivitäten. Durch diese Maßnahmen kann die Krankheit auch hinausgezögert werden. Einen hundertprozentigen Schutz vor Demenz gibt es trotz allem nicht. Es kann im Prinzip jeden treffen.

Was kann man noch tun, wenn die Krankheit schon ausgebrochen ist?

Es gibt zwar Medikamente, sie können den Krankheitsverlauf aber nur verzögern. Heilende Arzneien gibt es nicht. Grund dafür ist auch, dass die Ursache von Alzheimer, der häufigsten Demenz-Erkrankung, noch nicht bekannt ist. Es gibt andere Formen von Demenz, bei denen man bei den Ursachen etwas tun kann. Daher ist Früherkennung sehr wichtig. Wenn man weiß, welche Art von Demenz vorliegt, kann man Risikofaktoren auch medikamentös beeinflussen. Bei Alzheimer kann man zu Beginn auch Medikamente geben, die die geistige Leistungsfähigkeit erhöhen und den Krankheitsverlauf um etwa zwei Jahre verzögern können. Das hört sich zwar zunächst nicht nach viel an, bringt aber zum Beispiel einer betroffenen Familie viel Zeit.

Stand: 07.10.2015, 12:06