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WDR 2 Gespräch zum Verbot von Dieselautos in Städten

Der qualmende Auspuff eines Dieselfahrzeuges

Luftbelastung kein Kavaliersdelikt

WDR 2 Gespräch zum Verbot von Dieselautos in Städten

Die Luft in Wiesbaden und Darmstadt soll besser werden und Dieselautos draußen bleiben. Jürgen Resch, Bundesgeschäftsführer der Deutschen Umwelthilfe, sagte auf WDR 2: "Die hohe Luftbelastung ist vorsätzliche Körperverletzung mit Todesfolge."

WDR 2: Nicht einmal einen Euro kostet der Liter Diesel im Augenblick an den Tankstellen. Aber früher oder später werden die kleinen Dreckschleuderchen verschwinden müssen, wie es aussieht. Das Verwaltungsgericht Wiesbaden hat dem Land Hessen aufgetragen, ultimativ, Wiesbaden und Darmstadt von Stickoxid zu befreien. Es bedeutet, Dieselautos müssen draußen bleiben, wegen dieser Emissionen. Das ist aber erst der Anfang. Jürgen Resch, Bundesgeschäftsführer der Deutschen Umwelthilfe, hat mit uns gesprochen. Er macht Druck, dass es so kommt: Sie tun mit Ihrer Politik knapp 14 Millionen Dieselfahrern weh in Deutschland.

Jürgen Resch: Wir tun vor allen im Moment vielen Millionen Menschen weh, die diese Luft einatmen müssen. Und wenn es eben Grenzwerte gibt für Innenstädte, die einzuhalten sind, dann müssen wir irgendetwas unternehmen, dass insbesondere die besonders schmutzigen Fahrzeuge ausgesperrt werden. Das heißt für den Fahrer eines älteren Dieselfahrzeuges: Das sollte ich möglichst bald umtauschen in ein möglichst sauberes Fahrzeug – oder eben, dort wo es geht, mehr mit dem ÖPNV fahren.

WDR 2: Dürfen wir jetzt erwarten, dass die deutsche Umwelthilfe von Gericht zu Gericht, von Bundesland zu Bundesland zieht und nach und nach dafür sorgen wird, dass Dieselautos in den Citys nicht mehr verkehren?  

Jürgen Resch: Exakt dieses haben wir vor Jahren schon gestartet und im November letzten Jahres dann auch verstärkt, weil wir gegenüber acht weiteren Städten – einigen auch in Nordrhein-Westfalen – jetzt auch neue Klagen eingereicht haben. Und zwar nicht einfach nur als Deutsche Umwelthilfe, sondern einfach als Verbraucherschutzorganisation für die betroffenen Bürger.

WDR 2: Zum Beispiel welche Städte?

Jürgen Resch: Beispielsweise Düsseldorf, beispielsweise Köln, beispielsweise Bonn – und dort werden wir sicherlich auch zu Fahrverboten für Dieselfahrzeuge kommen. Wir machen jetzt das, was eigentlich die Politik schon vor Jahren hätte unternehmen müssen – nämlich zum Beispiel eine blaue Plakette einführen für saubere Fahrzeuge, um damit auch Anreize für die Autoindustrie zu schaffen, dass Dieselfahrzeuge so auf die Straße gesetzt werden, dass sie nicht nur im Labor, sondern im realen Leben die Grenzwerte einhalten.

WDR 2: Ich glaube, wir sind uns im Ziel einig: wir wollen, dass möglichst wenige Menschen sterben an den Emissionen, die auch aus den Dieselfahrzeugen rühren. Aber haben Sie es nicht ein bisschen sehr eilig? Wir reden im Grunde über den kompletten Umbau unserer Infrastruktur. Supermärkte, die versorgt werden müssen, Warenlieferungen vor die Haustüre, und den Fahrten von Menschen, die auf das Auto angewiesen sind.

Der Bundesgeschäftsführer der Deutschen Umwelthilfe (DUH), Jürgen Resch

Der Bundesgeschäftsführer der Deutschen Umwelthilfe (DUH), Jürgen Resch

Jürgen Resch: Also, wir haben normalerweise bei allen Regelungen, auch bei den Umweltzonen-Regelungen, immer Übergangsfristen - deswegen schlagen wir auch City-Maut-Systeme vor. Wir gehen fest davon aus, dass die Automobilindustrie in diesem Jahr beginnen wird, erste, saubere Dieselantriebe auf die Straße zu setzen. Ich bin auch sicher, dass wir ähnlich wie bei der Nachrüstung der Partikelfilter, Nachrüstlösungen finden werden. Was wir auf jeden Fall nicht mehr akzeptieren können, ist, dass tausende von Menschen vorzeitig sterben an dieser hohen Luftbelastung, und dass man das als Kavaliersdelikt abtut. Das ist vorsätzliche Körperverletzung mit Todesfolge was die Automobilindustrie betreibt. Die Politik weiß seit Jahren, dass die Fahrzeuge viel schmutziger sind als erlaubt, und erst durch den VW-Skandal ist dies jetzt bekannt geworden.

WDR 2: Jürgen Resch, Bundesgeschäftsführer der Deutschen Umwelthilfe – sie stimmen mir zu, wir stehen im Grunde vor der Entscheidung: Komfort oder Gesundheit.

Jürgen Resch: Exakt dieses und ich hoffe, dass sich die Gesundheit durchsetzt.

Danke für das Gespräch mit WDR 2

Das Interview führte WDR 2 Moderator Uwe Schulz

Stand: 14.01.2016, 12:52