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Mehr Lärm- und Klimaschutz

BUND stellt Luftverkehrskonzept vor

Mehr Lärm- und Klimaschutz

Die Umweltschutzorganisation BUND in NRW präsentiert ein eigenes Luftverkehrskonzept. Es legt den Fokus auf den Klimaschutz und auf den Schutz vor Fluglärm. Regionalflughäfen hält der BUND für verzichtbar.

Bundesweit würden sechs Flughäfen 85 Prozent des Flugverkehrs abwickeln, erklärte Werner Reh, Luftverkehrsexperte des BUND, auf WDR 2. Dazu gehört in NRW nur der Flughafen Düsseldorf. Ansonsten bedürfe es auch keiner weiteren Flughäfen, da interkontinentale Verbindungen sowieso über Frankfurt erledigt wüden.

Flughäfen in NRW:

BUND Verkehrsexperte Werner Reh im Portrait: Mann mit weißen Haaren, die ihm etwas in die Stirn fallen und dunkel umrahmter Brille

Werner Reh

Es könne kein staatliches Anliegen sein, "Flughäfen zu subventionieren, die langfristig wirtschaftlich keine Tragfähigkeit haben und die auch keinen echten Beitrag zur regionalen Ökonomie leisten". Letztendlich würden kleine Flughäfen wie Weeze, Paderborn oder Münster-Osnabrück am "Subventionstropf der Steuerzahler" hängen, so Reh. Die Arbeitsplätze, die durch eine mögliche Schließung entfallen würden, stünden nicht in Relation zu den gesellschaftlichen Kosten wie Klimaschutz und Lärmkosten, die durch die Flughäfen aktuell entstehen. Es müsse eine Gesamtbilanz gezogen werden - und die würde nach Berechnung des BUND negativ ausfallen: "Wir haben Riesen-Überkapazitäten aufgebaut an vielen Flughäfen, die sich gegenseitig kannibalisieren."

Flughäfen über die Schiene entlasten

Es sei möglich, im Raum um Köln-Bonn und Düsseldorf 50 bis 60 Prozent des Flugverkehrs auf die Schiene zu verlagern, glaubt der Luftverkehrsexperte vom BUND. In den meisten Fällen gehen die Flüge nach Frankfurt, Berlin oder München. "Wenn die Bahn vernünftige Angebote macht, wären die ökologisch gesehen natürlich viel, viel besser auf der Schiene untergebracht." WDR-Luftfahrtexperte Horst Kläuser gibt jedoch zu bedenken: "Die Infrastruktur ist bis heute nicht ausgebaut. Das heißt nicht, dass man dieses große Ziel nicht verfolgen sollte, aber von jetzt auf gleich umzustellen geht nicht." Der BUND schlägt außerdem eine Kooperation der Flughäfen Düsseldorf sowie Köln-Bonn vor: Dies würde den Flughafen Düsseldorf entlasten, wo stattdessen mehr Interkontinentalflüge starten könnten, die aktuell nur über Frankfurt abgewickelt werden.

Garvens: "Regionale Flughäfen wichtig für NRW"

Michael Garvens, Geschäftsführer des Flughafens Köln/Bonn, befürwortet indes auf WDR 2 "in der Fläche ein Flughafen-Angebot für die regoinale Wirstchaft". Dieses "reiche Angebot an Regionalflughäfen in NRW" sei unverzichtbar. Darum solle laut Garvens alles so bleiben wie es ist. Ausnahmen seien Fehlentwicklungen wie im Falle des Flughafens Kassel-Calden: Nur 50 Kilometer entfernt von Paderborn seien laut Garvens 270 Millionen Euro "Steuermittel für den Bau verschwendet" worden. Solchen Entwicklungen müsse man selbstverständlich "entgegentreten", betont der Chef des Köln-Bonner Flughafens.

Grüne relativieren BUND-Vorschlag

Die Grünen in NRW unterstützen den BUND-Vorschlag grundsätzlich. Es stimme, dass die Regionalflughäfen in NRW "allesamt defzitär seien und von öffentlicher Unterstützung lebten". "Städte, die ansonsten viel Geld auszugeben haben für andere Dinge wie Kinderbetreuung, Schulsanierung etc.", müssten viel Geld investieren, um diese Flughäfen "am Leben zu erhalten", sagt Klocke auf WDR 2. Ob diese Flughäfen am jeweiligen Standort aber überflüssig seien, so wie es der BUND kritisiert habe, müssten allerdings letztenendes die Reisenden entscheiden, die von diesen Flughäfen fliegen.

2013 hatten SPD, CDU und CSU im Koalitionsvertrag festgehalten, dass bundesweit ein neues Luftfahrtkonzept entwickelt werden sollte - unter Einbeziehung der Öffentlichkeit. Der BUND hat daraufhin nun sein Konzept vorgelegt.

Flugzeug am Himmel

Düsseldorf und Köln sind die einzigen Flughäfen in Nordrhein-Westfalen, die auch rentabel arbeiten. Andere wirken wie teure Liebhabereien von Kreisdirektoren und Stadtwerken, findet auch WDR-Luftfahrtexperte Horst Kläuser.

Düsseldorf Spitze in NRW

Unangefochten an der Spitze steht Düsseldorf, die Nummer drei in Deutschland, mit fast 22 Millionen Passagieren. 210.000 Starts und Landungen gibt es und immerhin 19.500 Beschäftigte in 260 Unternehmen, die rund um DUS angesiedelt sind.

Köln-Bonn, lange im Schatten, holt mit Wachstumsraten von 6 Prozent auf. So will man in diesem Jahr 10 Millionen Passagiere bei 123.000 Flugbewegungen abfertigen. Ab Herbst kommen zahlreiche Langstrecken hinzu, die die Niedrigpreistochter der Lufthansa Eurowings neu ins Programm nimmt. Lärmprobleme haben vor allem Düsseldorf und Köln-Bonn, wo auch nachts geflogen werden darf und Frachtflieger eine große Rolle spielen.

Stand: 21.08.2015, 15:07