Live hören
Jetzt läuft: Up&Up von Coldplay

Erste Hilfe gegen schlechte Noten?

Nachhilfe

Bertelsmann-Studie zu Nachhilfe

Erste Hilfe gegen schlechte Noten?

Von Oliver Jürgens

Eltern in Deutschland lassen sich die Förderung ihrer Kinder etwas kosten. 1,2 Millionen Schüler erhalten nach einer neuen Studie der Bertelsmann Stiftung Nachhilfe. Nicht alle von ihnen haben schlechte Noten. Aber was bringt Nachhilfe überhaupt?

14 Prozent der Schülerinnen und Schüler in Deutschland bekommen Nachhilfeunterricht. Ob die Eltern viel Geld oder wenig verdienen, das spielt für die Entscheidung kaum eine Rolle. Im Durchschnitt geben sie 87 Euro pro Monat für die Hoffnung auf bessere Noten aus. Allerdings zahlen längst nicht alle Eltern für Nachhilfe, sagt Ulrich Kober, Bildungsexperte bei der Bertelsmann-Stiftung. Ein Drittel nutze kostenfreie Angebote: "Die Studie zeigt, dass die Schüler an Ganztagsschulen eher Zugang haben zu kostenfreien Förder- und Nachhilfeangeboten. In Halbtagsschulen ist das nicht so der Fall."

Grafik zeigt Teilnahme an Nachhilfeunterricht

Am häufigsten bekommen Gymnasiasten Unterstützung beim Lernen. Bei jedem Fünften muss der Sport manchmal warten. Allerdings haben viele Gymnasien in den vergangenen Jahren ihr Förderangebot deutlich ausgeweitet, sagt Lehrerin Sandra Charter vom Gymnasium im lippischen Blomberg. Es sei eine ganze Menge passiert, um auf die individuellen Bedürfnisse von Schülern einzugehen. "Sei es durch eine Hausaufgabenbetreuung oder das Lernpaten-Projekt, das Lerncoaching oder den klassischen Förderunterricht", betont Charter.

barrierefreie Tabelle zur Grafik

Nachhilfe auch bei guten Noten

Auffallend in der Studie ist, dass Kinder und Jugendliche nicht nur Nachhilfe bekommen, wenn sie schlechte Noten haben. Ein Drittel der Nachhilfeschüler haben Schulnoten zwischen sehr gut und befriedigend. Diese Erfahrung macht auch Nachhilfelehrerin Verena Hasse aus Lügde im Kreis Lippe: "Ich habe viele Kinder, die sind eigentlich relativ gut in der Schule. Die brauchen nur ein bisschen Motivation."

Häufig griffen die Eltern auch zum Nachhilfeunterricht, weil sie den Stress mit den pubertierenden Kindern bei den Hausaufgaben vermeiden wollen, sagt die angehende Lehrerin. Am häufigsten wird laut Studie Nachhilfe in Mathematik erteilt, gefolgt von Fremdsprachen und Deutsch. Aber wie erfolgreich ist eigentlich Nachhilfeunterricht?

barrierefreie Tabelle zur Grafik

Hilft Nachhilfe wirklich?

Es sei wissenschaftlich nicht erwiesen, dass Nachhilfe die Leistung der Kinder verbessert, so Ulrich Kober von der Bertelsmann-Stiftung. Es komme zentral auf die Motivation der Schüler an. "Ein Schüler, der unfreiwillig zur Nachhilfe geht, von dem kann man davon ausgehen, dass er nicht unbedingt etwas davon hat", glaubt Kober.

Im internationalen Vergleich bekommen die deutschen Schülerinnen und Schüler übrigens eher wenig Nachhilfe. Japanische, koreanische, aber auch die griechischen Kinder müssen laut Pisa-Studie nach dem Unterricht doppelt so häufig weiterbüffeln.

Stand: 27.01.2016, 12:09