Gefährdete Kultur in NRW

Die Rote Liste

Gefährdete Kultur in NRW

Mit der Roten Liste bedrohter Kultureinrichtungen stellt der Deutsche Kulturrat gefährdete Kulturinstitutionen, -vereine und -programme vor. Ziel ist es, auf den Wert einzelner Theater, Museen oder Orchester hinzuweisen. Scala stellt in einer Serie vier dieser Einrichtungen in NRW vor.

Hagen, das städtische Theater

Städtisches Theater Hagen

"Oft wird die Bedeutung einer kulturellen Einrichtung den Nutzern erst durch deren Bedrohung deutlich", erklärt ein Sprecher des Deutschen Kulturrates in der Publikation "Politik & Kultur". Alle zwei Monate stellt der gemeinnützige Verein darin vier Einrichtungen vor, die wirtschaftlich gefährdet sind. Der Gefährdungsgrad wird dabei in Kategorien eingeteilt: Null heißt "bereits geschlossen", vier bedeutet "gerettet". Die Einteilung wird bei Bedarf korrigiert und nach oben oder unten angepasst. Auf der Internetseite des Deutschen Kulturrates kann man die Listen des vergangenen Jahres einsehen. Sechs Kulturinstitutionen aus NRW haben es 2015 auf die Rote Liste geschafft.

Rotstift gefährdet Dinslakener Theater

Neuster Zugang ist das Landestheater "Burghofbühne Dinslaken". Der Kreis Wesel hatte schon im November angekündigt, seine finanzielle Unterstützung ab 2017 auf null zurückzufahren. "Eine Umsetzung dieser Pläne würde zweifelsohne das Aus des Landestheaters bedeuten", ließ das Haus verlauten und startete eine Online-Petition. Ein Kompromiss scheint nun gefunden: Der Kreis will die Zuschüsse nur noch um 50 Prozent reduzieren. Und die Stadt stellte in Aussicht, die bestehende Finanzlücke zu kompensieren.

Bonn dreht Geldhahn für das Deutsche Museum zu

Das "Deutsche Museum Bonn" zeigt Errungenschaften aus Naturwissenschaft und Technik der vergangenen 70 Jahre. Unter den rund 100 Exponaten sind auch viele nobelpreisgekrönte Forschungsergebnisse. Trotzdem steht die Bildungsstätte vor der Schließung, denn die Stadt Bonn will nicht mehr für den Unterhalt aufkommen. Forschungseinrichtungen protestierten in einem "Offenen Brief". Ein Förderverein sammelt jetzt Geld für den Erhalt des Museums.

Abrissbirne droht Kölner Industriedenkmal

Deutzer Zentralwerk der Schönen Künste Köln

Deutzer Zentralwerk der Schönen Künste Köln

Die Werkshallen der Maschinenfabrik Humboldt in Köln-Kalk wurden zwischen 1895 und 1905 erbaut und stehen unter Denkmalschutz. Die Halle 75 war zeitweilig auch Spielstätte des Schauspiel Köln. Das Museum Ludwig nutzte eine Halle in den vergangen Jahren als Depot. Der Kulturausschuss des Kölner Rates sollte auf Antrag der Kulturdezernentin den Abriss der Hallen 76 und 77 beschließen – das lehnte er ab. Neue Gutachten wurden eingeholt. Jetzt ist die Zukunft der denkmalgeschützten Industriehallen wieder offen.

Neues Heim für Schulmuseum Bochum

Pulte und Sitzbänke, Tintenfässer oder Bücher aus verschiedenen Epochen, ein nachgestelltes Rektoren- und Lehrerzimmer sowie ein "Klassenzimmer anno 1900". All dies konnte man seit 1989 in der ehemaligen Bochumer Cruismann-Schule besichtigen. Wegen fehlender Brandschutzeinbauten musste das Museum im Frühjahr 2014 schließen. Museumsleiter Peter Schneller ist seitdem mit dem "Mobilen Klassenzimmer anno 1900" an Schulen unterwegs. Ab 2016 findet das Klassenzimmer im umgebauten Heimatmuseum Wanne-Eickel Unterschlupf.

Autorin Susanne Wankell rückt in einer vierteiligen »Scala«-Reihe diese bedrohten Institutionen ins Bewusstsein. Sie spricht mit Vertreterinnen und Vertretern der Kultureinrichtungen, mit Rettungs-Initiativen sowie mit den klammen Kommunen.

Stand: 22.12.2015, 10:00