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Hendrik Plaß

Der Ölberg - ein Viertel mit Charme

Ladenfront im Ölbergviertel in Wuppertal.

Süperunterwegs - Wuppertal

Der Ölberg - ein Viertel mit Charme

Von Jennifer von Massow

Wuppertal hat ein schlechtes Image. Das kann nur daran liegen, dass die Leute den Ölberg nicht kennen.

Ein Viertel voller schöner Altbaufassaden und engen steilen Straßen, das aussieht wie der Pariser Mont Martre. Eine echte Filmkulisse. Und gar nicht abgehoben, denn der Ölberg war schon immer eher rauh. Er heißt so, weil es ist das letzte Viertel in Wuppertal war, das elektrifiziert wurde – und die Leute zu Hause mit Petroleumlampen saßen. Die Leute, die da leben und arbeiten waren eben schon immer ein bisschen anders. Seit ein paar Jahren kommen viele neue Leute auf den Ölberg.

Sie gehen in die kleinen, leeren Ladenlokale und setzen auf offene Atelierwerkstätten. Da rattern Nähmaschinen, weil neue Entwürfe gleich im Laden genäht werden. Oder recycelte Taschen aus Feuerwehrschläuchen und Turnmatten. An der nächsten Ecke arbeitet die Goldschmiedin an neuen Ringen. Fast alle Läden bestehen aus einem großen Raum. Dann steht man zum Beispiel bei einer jungen Konditorin vor der Kuchentheke - und sieht, wie hinter ihr die Leute Pralinen rollen. Wenn man hier etwas kauft, dann weiß man auch, was da eigentlich an Arbeit hintersteckt - das wertet ein T-Shirt genauso auf wie einen Ring oder ein Stück Torte.

Cool aber stabil

Trotzdem gehen die Mieten dort nicht durch die Decke. Dazu gibt es genug abgeranzte Ecken. Es gibt auch Kioske mit grelll-blinkender Leuchtreklame und dunkle Hinterhöfe. Hier werden niemals nur Anwälte und Ärzte sitzen. Es gibt ja auch viele  Alteingesessene, die diesen Ölberg-Charme lieben. Maler in kleinen Ateliers. Den coolen Weinladenbesitzer, der da seit 30 Jahren ist. Der feiert alle zwei Monate ne Party und hat immer die Bude voll. Oder das kurdische Restaurant - das ist ne richtige Institution - für viele Ölberger ein zweites Wohnzimmer. Es gibt eine Food-Sharing-Initiative und türkische Kulturvereine. Es gibt Floh - und Kunstmärkte - Lesungen und Ausstellungen. Es ist eben gemischt - das wird auch so bleiben.

Stand: 24.03.2016, 10:00