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Massimo Maio

Graphic Novel aus der Kolonialzeit

Buchcover Èloi

Buchtipp - Éloi

Graphic Novel aus der Kolonialzeit

Das Graphic Novel-Debüt "Èloi" der beiden bretonischen Comickünstler Younn Locard und Florent Grouazel spielt auf einem französischem Schiff während der Kolonialzeit. Graphic Novel-Fan Lina Kokaly hat das Buch gelesen und stellt es uns vor.

Lina, worum geht es genau?

Ein französisches Schiff war auf großer Fahrt und zwar in Neukaledonien. Das sind die Inseln im Pazifik, die zu Frankreich gehören. Sie brechen auf und es soll zurück nach Frankreich gehen. Sie verschleppen einen jungen Mann, der dort geboren ist und natürlich auch nicht ihre Sprache spricht. Das tun sie, weil ein Naturforscher mit im Team ist, der ihn erforschen will – wie ein seltenes Tier oder eine Pflanze. Sie taufen ihn Éloi und bringen ihm bei, sich Kleidung anzuziehen und mit Besteck zu essen. Und so ein Schiff zu dieser Zeit, das ist kein schöner Ort. Die Mannschaft macht die ganze Zeit eklige Witze und schikaniert Éloi. Der Pfarrer und der Naturforscher instrumentalisieren ihn und die Stimmung wird immer bedrohlicher und aufgehetzter und das auf einer Fahrt, die monatelang dauert. Geschrieben und gezeichnet haben das Buch zwei französische Autoren: Younn Locard und Florent Grouazel und es ist ihr erster Comic.

 Wie ist der Comic denn gezeichnet? Sieht er gut aus?

Das sind sehr schöne Zeichnungen. Mir gefallen ganz besonders die großen Bilder vom Schiff, wenn es mal stürmischer wird, dann werden die Bilder immer größer und die Wellen überschlagen sich. Da bekommt man einen guten Eindruck, wie sich die Mannschaft auf dem Schiff fühlen muss – nämlich ganz klein und verloren. Der Comic ist schwarz auf weiß gezeichnet, aber die Künstler setzen auch Farbe ein – auf ganz eigene Art. Es gibt nämlich nur eine Farbe - ein Blauton - und das ist mal nur ein Schatten, mal das Meer und mal die Dunkelheit.

Du kannst diesen Comic also empfehlen?

Ja, dieser Comic sieht nicht nur gut aus, sondern behandelt auch einfach ein spannendes Thema. Ich finde bei Geschichten aus der Kolonialzeit wird häufig ein Fehler gemacht und zwar sind die Schwarzen, die Kolonialisierten, natürlich Opfer, aber oft hat man in solchen Geschichten so viel Mitleid mit ihnen, dass die Figuren gar nicht wirklich menschlich wirken. Zum Beispiel in Onkel Toms Hütte hat man so viel Mitleid mit Onkel Tom, dem Sklaven, dass der in dieser Opferrolle gefangen ist. Das ist ganz anders in diesem Comic. Hier verlässt Éloi seine Opferrolle und wehrt sich gegen den Rassismus und die Demütigungen der Mannschaft. Man ahnt allerdings bald, dass die Geschichte kein gutes Ende nehmen wird…

Stand: 16.09.2015, 17:30