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Frischzellenkur durch Vibes

Foto des Musikers Chronixx im Profil

Sound Supreme - "Chronology"

Frischzellenkur durch Vibes

Von Ellen Köhlings

Chronixx ist die große Hoffnung im Reggae. Für sein Debüt hat er sich die Zeit genommen, die es braucht, um Großes zu schaffen. "Chronology" ist eine Reise durch die Reggae-Historie und in die Zukunft.

Jimmy Fallon lud ihn bereits zweimal in seine Tonight Show ein. Mick Jagger feierte bei seinem Konzert im New Yorker Central Park seinen 70. Geburtstag. Vergleiche mit Bob Marley werden herangezogen. Obwohl Chronixx erst 24 ist, verfügt er bereits über einen beachtlichen Hit-Katalog. All dies ist ihm bisher nicht zu Kopf gestiegen. Denn der jamaikanische Sänger schert sich wenig um Hype und Erwartungshaltungen. So hat er sich für sein Debütalbum "Chronology" die Zeit genommen, die es für ein ganz großes Album braucht.

Der Sound großer Klassiker

Seit Kindertagen liebt und lebt Jamar McNaughton aka Chronixx Musik. Als Sohn des Dancehall-Deejays Chronicle war er früh in den einschlägigen Aufnahmestudios Kingstons unterwegs. Er hat die Sounds der Insel verinnerlicht, aber auch die Soul-Musik der Plattensammlung seines Vaters und den Klang der Kirchen, war er doch bereits als Jugendlicher Leiter eines Gospelchors. Anders als viele seiner Kollegen experimentiert Chronixx gerne außerhalb der Studios mit Sounds. Ihn ziehe es zu den Menschen, in die Natur, in die wirkliche Welt. Wenn es um Musik geht, lasse er sich nicht hetzen. Er folge seinem eigenen Rhythmus, seinem eigenen Vibe und lasse die Musik zu sich kommen. Daher verströmt "Chronology" einen warmen, organischen Sound, der an alte Soul-Klassiker erinnert. Und daher besticht das Album durch eine ungezwungene, betörende Leichtigkeit, aber auch eine ergreifende Intensität. "Chronology" weist alles auf, was es für ein Album bedarf, das auch viele Jahre später noch gehört werden will.

Alle Zeit der Welt

Chronixx hat sich für "Chronology" alle Zeit der Welt gelassen. Denn er hat keine Zeit zu verlieren. Bei Chronixx ist das kein Widerspruch. Zum einen hat der perfektionistische Künstler einen sehr hohen Anspruch an seine Musik. Zum anderen hat er sehr früh und plötzlich seinen kleinen Bruder sowie 2011 einen jungen, befreundeten Musiker verloren. Da niemand weiß, was die Zukunft bereit hält, wie Chronixx in der Soul-Ballade "Tell Me Now" singt, hat er alles für sein Debüt gegeben, weil niemand weiß, ob Zeit für ein nächstes Album ist. Um seine Vorstellungen umzusetzen, entstand "Chronology" in den Top-Notch-Studios in Brooklyn, London, Chicago und Kingston mit großen Musikern. Chronixx nahm im Regiesessel Platz und zeigt, dass Reggae klanglich und mixtechnisch mit allen anderen Musikstilen konkurrieren kann.

Chronixx

Chronixx

Reggae Historie

Chronixx hat das Zeug, jamaikanische Musik wieder nach vorne zu bringen. In der ersten Hälfte seines Albums lotet er die vielen Facetten und Stärken von Reggae, die Reggae Vibes aus - seien es die Message, spiritueller Roots, wabernder Dub oder gewaltiger Dancehall. In dem Eröffnungstrack "Spanish Town Rockin'" erzählt Chronixx seine eigene Geschichte. Darauf folgt mit "Big Bad Sound", eine aktuell klingende Hommage an 80er Jahre Dancehall, die einzige Kollaboration des Albums mit seinem Vater Chronicle, der an den jamaikanischen Sänger Barrington Levy erinnert und eben diese Epoche jamaikanischer Musik auf "Chronology" repräsentiert. In dem von Winta James produzierten hitverdächtigen "Ghetto Paradise", der Chronixx und Protoje "Who Knows" auf den Leib geschneidert hatte, werden die Widersprüche gegenübergestellt, die jamaikanische Kultur prägen.

Einen Schritt weiter

In der zweiten Hälfte verschiebt und dehnt Chronixx die Parameter von Reggae. Nach dem er genügend Reggae Vibes versprüht hat, dreht er den Spieß um und nutzt Reggae als Vibe. Denn für Chronixx kann jedes Genre Reggae sein, solange die Intention stimmt. Bei ihm wird Elektro-Pop ("I Can") aufbauend wie Roots Reggae. 70s Soul wird in dem Song "Selassie Children" zu einer Rasta-Hymne. Das von HipHop-Beats getragene und von Streichern umgarnte "Black Is Beautiful" wird zu einem für Reggae typischen versöhnlichen Statement. Bei dem überwältigenden, von Gospel durchdrungenen "Legend" verstärkt ein sich aufbäumender Chor die Botschaft, dass jeder eine Legende sein kann - egal, wie vermeintlich unwichtig er oder sie sein mag. In dem von Stephen McGregor mitproduzierten "Christina" spannt Chronixx einen Bogen von Old School HipHop über einen poppigen Refrain hin zu Dancehall. An der Uni in Kingston imitierte Chronixx vor ein paar Jahren mit dem Mund jamaikanische Musikstile, die er alle ineinander fließen ließ, um deren Gemeinsamkeiten zu betonen. Auch wenn er auf "Chronology" einen Schritt weiter geht und verschiedene Black Music-Genres einschließt, gehorchen Flow und Vibe einem Reggae-Verständnis.

Sound Supreme - Chronixx: "Chronology"

COSMO Sound Supreme | 17.07.2017 | 02:40 Min.

Stand: 17.07.2017, 00:00