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#5: Homophobie

Todsünden im Rap: Homophobie

Todsünden des Rap

#5: Homophobie

Von Katrin Melchior

Dass Homophobie im Deutschrap nach wie vor Thema ist, ist nichts Neues. Auch hier kann man bei der Berliner Untergrund-Ära Anfang der Nullerjahre ansetzen.

Zum Beispiel, wenn sich Kool Savas sich in "Schwule Rapper" über die Gesamtheit aller Rapper austobt: "Was geht mit Euch/Alle MCs sind schwul in Deutschland." Hier wird das Wort "schwul" als Synonym für schlecht bzw. scheiße benutzt. Im Battlerap eine gängige Praxis, um sein Gegenüber schlecht zu machen. Genauso wie auch Sexismus gegen Frauen, ist dies also ein Stilmittel der Selbsterhöhung. Denn jemand der schwul ist, gilt in weiten Teilen der Gesellschaft – und damit auch nicht nur im Rap - als verweichlicht, schwach und wenig maskulin.

Viele deutsche Rapper distanzieren sich mittlerweile von homophoben Ausdrücken. Bei anderen schleichen sich Wörter wie "Schwuchtel" oder "Homo" allerdings immer wieder ein: Kollegah, Farid Bang, SSIO und noch viele andere scheuen nicht davor. Allerdings benutzen sie diese im Battlerap-Kontext, dadurch richten sich solche Lines meist nicht gegen Schwule selbst.

Homophobie als Anklagegrund

In manchen Fällen kann bei Homophobie ein Strafbestand vorliegen. Bushido wurde zum Beispiel 2013 von Klaus Wowereit angeklagt, ehemaliger Bürgermeister von Berlin und geoutet homosexuell, weil er in seinem Track "Stress ohne Grund" folgende Line rausgehauen hat: "Halt die Fresse, fick die Presse – Kay, du Bastard bist jetzt vogelfrei/Du wirst in Berlin in deinen Arsch gefickt so wie Wowereit." Die Anklage lautete: schwulenfeindliche Beleidigung und Volksverhetzung. Im Unterschied zum Battlerap-Kontext wurde hier Wowereit persönlich angegriffen. Deshalb kam es auch zur Anzeige, mit der der ehemalige Bürgermeister allerdings nicht durchkam. Das Landgericht Berlin entschied: Hier haben wir es mit einem Fall von Kunstfreiheit zu tun.

Pro Homo statt No Homo!

Zahlreiche Rapper sprechen sich aber auch gegen Homophobie aus: Sookee erklärt zum Beispiel in ihrem Track "Pro Homo": "Pro Homo – und die Zeit ist reif/Pro Homo – das ist keine Leichtigkeit/Wie kann man nur hassen, dass Menschen sich lieben/Die Normalität wünscht sich endlich Frieden".

K.I.Z.

K.I.Z.

Auch die Berliner Combo K.I.Z arbeitet das Thema Homophobie auf – hochironisch und maßlos überspitzt rappen sie von einem Männlichkeitsbild, in dem der Mann eben nicht weich und schwul sein darf, sondern ein ganz harter Kerl sein muss: "Ich bin hetero, ich scheiß auf Zähneputzen/Es erinnert mich viel zu sehr an Penislutschen/Ich bin hetero, ich muss mit Ollen schlafen/Und ich kann ohne zu blinzeln in die Sonne starren!" (K.I.Z – Ich steh auf Frauen)

Wo sind die wirklich schwulen Rapper?

In den USA gibt es Rapper wie Mykki Blanco oder Le1f, die ihre Homosexualität offen ausleben. In Deutschland gibt es Juicy Gay: "Ich bins, Deutschraps Revoluzzer, Martin Luther,yeah/Ich bin gay, ich bin Juicy/Ich bin fame, ich hab Groupies". Auf seinem Track "Bei Tag", übrigens angelehnt an Bushidos Klassiker "Bei Nacht", sagt er ganz offen, dass er schwul sei. Mittlerweile ist aber klar, dass dem nicht so ist. Zu Beginn seiner Karriere habe ihm der Name gut gefallen, außerdem wollte er das Thema Homosexualität im Deutschrap einbringen. Heute rudert er damit ein Stück zurück, steht offen zu seiner Freundin, behält aber trotzdem seinen Namen Juicy Gay. Nicht mal der einzig offenbar schwule Rapper Deutschlands ist also schwul – eine echte Lücke in der Szene.

Stand: 10.11.2017, 18:30