#3: Das N-Wort

Todsünden des Rap

#3: Das N-Wort

Von Katrin Melchior

In den USA ist das N-Wort eigentlich Tabu. Im US-Rap dient es aber vor allem der Selbstermächtigung: Wenn Schwarze es benutzen, ist es ok. Wenn allerdings Weiße es benutzen, ist es diskriminierend und in manchen Fällen sogar strafbar.

N.W.A. sitzen auf der Motorhaube eines Polizeiwagens

N.W.A.

Deutschrap orientierte sich schon immer stark an seiner großen Schwester US-Rap. Und so, wie damals N.W.A oder der Wu-Tang Clan das N-Wort in ihren Tracks benutzten, hat jemand wie Taktlo$$ Ende der Neunziger auch mitgezogen. Für ihn als Afrodeutscher spricht erstmal nichts dagegen. Was aber, wenn sein damaliger Rap-Kollege KKS, besser bekannt als Kool Savas, als Nicht-Schwarzer in der Hook vom "Letzten tighten Ni****" spricht? Wird in diesem Fall eine Grenze überschritten?

Von der Cypher in die Charts

Damals war es vor allem die Berliner Untergrund-Ära, in der man das N-Wort nutzte - bei Taktlo$$, Kool Savas, Rhymin Simon, aber später auch Rappern wie Kollegah. Natürlich nicht, um rassistische Ansichten auszudrücken. Mittlerweile haben die meisten der obengenannten Vertreter ohnehin davon Abstand genommen.

Es kommt aber auch heutzutage noch immer vor, dass zum Beispiel bei Battle-Rap-Cyphern das N-Wort afrodeutschen Rappern vor den Latz geknallt wird. Und auch DCVDNS, Rapper aus dem Saarland, der für seine krasse Inszenierung als Kunstfigur bekannt ist, frischte die Debatte mit seinem kürzlich erschienenen Album "Der erste tighte Wei$$e" wieder auf, indem er direkt zu Beginn des Titeltracks sagt: "Der erste tighte Weiße, seit dem letzten tighten Ni***." Mit Blick auf Taktlo$$ wird schnell klar, dass das N-Wort hier im Zuge eines Zitats fällt. Die Frage bleibt auch hier: Darf er das?

Da spaltet sich Deutschrap

Porträtaufnahme des Rappers Sylabil Spill

Rapper Sylabil Spill

Viele deutsche Rapper schalteten sich an der Stelle ein, auch mit afrikanischem Background. Newcomer Mortel und Battlerapper Sylabil Spill zum Beispiel. Spill wirft DCVDNS zwar keine rassistische Motivation vor, findet die Angelegenheit aber mehr als fragwürdig. Manche würden den Bezug zu Taktlo$$ überhaupt nicht erkennen, sondern einfach nur DCVDNS als einen weißen Typen sehen, der das N-Wort droppt. Und das N-Wort sollte nun mal eben kein Weißer sagen. Der Meinung waren auch viele Raphörer. Allerdings gab's auch einige Stimmen, die sich eben auf die Kunstfreiheit beriefen und alles was im Rap passiert eben auch darunter verorten - sei es das N-Wort oder aber Ausdrücke wie "Fotze" oder "Hurensohn".

Kill The Kunstfreiheit?

Ist das Kunstfreiheit oder kann das weg? Sylabil Spill meint, dass diese Welt eben nicht nur aus Kunst bestehe. Und da es sich bei dem N-Wort in unserer Welt um eine klare Diskriminierung handelt, sollte man von seinem Gebrauch absehen. Auch Megaloh, Rapper mit nigerianischen Wurzeln, distanziert sich mittlerweile vom N-Wort, obwohl er es früher noch für sich beansprucht hat. Warum das so ist, erklärt er im Interview mit HipHop.de: "Wir geben alle was weiter und beeinflussen alle unsere Hörer. Ist die Frage, was man seinen Hörern auch mitgeben will. Und das [N-Wort] einfach als Lückenfüller zu benutzen, ist in meinen Augen unnötig."

Wer entscheidet?

Absurderweise haben in der Debatte um DCVDNS sehr viele weiße Leute - darunter vor allem weiße HipHop-Journalisten - diskutiert, was in puncto N-Wort erlaubt ist und was nicht. Und das, obwohl niemand davon direkt oder gar persönlich betroffen ist. In einem Interview mit dem JUICE Magazin fasst Megaloh die Debatte mit einem Satz ziemlich passend zusammen: "Wenn ein Mensch dir sagt, dass er nicht so genannt werden möchte, weil es ihn verletzt, dann gibt es doch keine Diskussionsgründe mehr."

Und ein DCVDNS, der mit einem Track wie "Der erste tight Wei$$e" das N-Wort in den Mund nimmt und damit an die Öffentlichkeit tritt, wird jemanden mit hundertprozentiger Sicherheit beleidigen. Diskussion beendet. 

Stand: 09.11.2017, 14:19