#2: Rape Culture

Todsünden des Rap

#2: Rape Culture

Von Katrin Melchior

Rape Culture ist ein Fachbegriff, der die Verharmlosung von sexueller Gewalt beschreibt. Das Thema Vergewaltigung ist ja auch gerade außerhalb von Rap ganz groß - Stichwort: Harvey Weinstein und die #MeToo-Aktion in den letzten Wochen. Im Rap wird diesbezüglich oft übertrieben.

Das kann Fiktion sein, da können manchmal aber auch Grenzen verschwimmen. So zum Beispiel bei Bushidos Track "Dreckstück" von 2003, wo es heißt: "Nur weil du eine Frau bist und man dir in den Bauch fickt/Heißt es nicht, dass ich dich nicht schlage bis du blau bist." Die Message ist klar: Seine Freundin geht fremd, die Ehre ist verletzt, also gibt's Schläge. Inwiefern das mit Bushidos tatsächlichem Frauenbild übereinstimmt, lässt sich hier allerdings nur erahnen.

Die sexuelle Verwahrlosung der Jugend?

Allerdings macht es auch hier Sinn zu unterscheiden. Neben den schwierigen Fällen, gibt es auch Texte, die mit der offensiven Überspitzung spielen und bewusst auf pornografische und gewalttätige Inhalte setzen. Zum Beispiel der "Arschficksong" von Sido aus dem Jahr 2004: "Es fing an mit 13 und 'ner Tube Gleitcreme/Dann braucht man nicht erst lockern, sondern kann ihn gleich reinschieben/Kathrin hat geschrien vor Schmerzen, mir hat's gefallen/Ich hab gelernt, man kann ne Hand reinschieben und dann ball'n."

Natürlich haben wir es auch hier mit sexuellen Gewalt gegen Frauen zu tun. Allerdings wird spätestens als Sido im zweiten Teil den unbekannten Rapper adressiert deutlich, dass dies nur der für den Battle-Rap-typischen Selbsterhöhung dient: "Und dann kam der erste Rapper, der dachte er sei besser/Als jeder von der Sekte und als ich dann in ihm steckte/hat er geweint und gesagt, es tut ihm leid." Alles nur Provokation, die wenig mit den sexuellen Vorlieben von ihm zu tun habe, hat Sido auch selbst gesagt. Und Provokation ist eben genau das, was Jugendsprache ausmacht.

Das Frauenbild anno 2017

Noch immer schleicht sich die Rape-Thematik in aktuelle Raptracks ein. Erst vor zwei Monaten haben Majoe & Kurdo ein gemeinsames Album veröffentlicht, auf dem es heißt: "Die Bitch muss bügeln - muss sein/Wenn nicht, gibt's Prügel - muss sein." Im Übrigen heißt der Track "Charlie Sheen". Wie ironisch es ist, den Titel nach einer Person zu benennen, die bekannt ist, für häusliche Gewalt, ist sicherlich Auslegungssache.

Die Selbstverständlichkeit der Rape Culture

Rapper RIN läuft derzeit auf sämtlichen Radiostationen des Landes und konnte mit seinem Debütalbum "Eros" beachtliche Erfolge erzielen. Beim näheren hinhören der Platte, fällt allerdings ein Track besonders negativ auf: Arrêté. Denn da heißt es: "Machen wir Liebe, Babe, im Bett/dann schreist du 'Arrêté'." Übersetzt heißt das so viel wie: "[...]/dann schreist du 'Hör auf'". Natürlich gibt es bei so einem Satz mehrere Lesarten, allerdings heißt es später: "Gehst du von mir weg macht's Ratata" und "Ich benutz kein Gummi, denn ich liebe dich!".

Liebe wird hier also ganz selbstverständlich als Argument genommen, um das Kondom wegzulassen. Das erinnert stark ans "Date-Rape"-Phänomen, wenn zum Beispiel ein Mann eine Frau nach dem ersten Date zum Sex überredet. Besonders erschreckend ist, dass dieser unterschwellige Sexismus von Seiten der Musikindustrie nicht unterbunden wird und die Jugendlichen denken, dass es eben ganz normal ist, so mit Frauen umzugehen.istanziert sich mittlerweile vom N-Wort, obwohl er es früher noch für sich beansprucht hat. Warum das so ist, erklärt er im Interview mit HipHop.de: "Wir geben alle was weiter und beeinflussen alle unsere Hörer. Ist die Frage, was man seinen Hörern auch mitgeben will. Und das [N-Wort] einfach als Lückenfüller zu benutzen, ist in meinen Augen unnötig."

Stand: 09.11.2017, 14:19