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"Wir haben Grime am Laufen gehalten"

Lethal Bizzle

Lethal Bizzle

"Wir haben Grime am Laufen gehalten"

"I Win" heißt der neue Song der Grime-Musiker Lethal Bizzle und Skepta. Und dieser Titel ist ein Statement: Lange wurde bezweifelt, dass Grime in der Musikwelt eine nennenswerte Rolle spielen könnte. Lethal Bizzle erklärt im Interview nicht ohne Stolz, wie Grime groß geworden ist.

"I Win" ist dein neuer Song, zusammen mit Grime-König Skepta. Ist es eine Aussage über die erfolgreiche Zukunft des Grime oder eher ein persönliches Statement?

Lethal Bizzle: "I Win" steht für beides. Es ist einerseits ein persönliches Statement: Skepta und ich sind schon so lange befreundet, und wir sind gerade einfach in einer sehr guten Position, mit unserer Musik und der Aufmerksamkeit, die sie bekommt. So lange hat man versucht, diesen Musikstil zu stoppen - und jetzt gewinnen wir, deshalb wollten wir eine Hymne für alle machen, die Grime lieben. Und generell für Leute, die irgendwie gewinnen wollen. Es ist ein Song, der Leute verbinden soll.

Bei deinem Song "London" war Grime-Producer Swifta Beater beteiligt, und du rappst darin "I'm a London Boy". Was bedeutet London für dich?

Lethal Bizzle: London ist meine Heimatstadt. Ich bin da geboren, meine Eltern sind aus Ghana. Ich bin also in der ghanaischen Kultur aufgewachsen. Aber London hat mir alles gezeigt und mich auch zu dem gemacht, der ich bin.

Und wie sind deine Verbindungen zu Ghana?

Lethal Bizzle: Meine Eltern sind aus Ghana und leben auch wieder dort. Ich besuche sie, so oft es geht und baue gerade auch ein ein Haus dort. Es ist echt ein wunderbarer Ort. Seit 1989 gehe ich immer wieder hin und habe mitbekommen, wie das Land sich entwickelt. Jeder, der noch nie dort war, sollte mal hin! Es ist einer meiner Lieblingsorte.

Welche Rolle spielt denn Afrika im Grime?

Lethal Bizzle: Ich würde sagen, sehr viel. Grime hat ja soviele Einflüsse - Afrobeat, Highlife, Reggae, HipHop, Dance. Afrika spielt da definitiv eine große Rolle.

Einer deiner Tracks, "Celebrate", verbreitet Sommerfeeling. Ist das dein Tune für den Sommer?

Lethal Bizzle: Ja, ist es! Ich glaube, den kann man wirklich überall auf der Welt spielen, zum Geburtstag, zur Hochzeit - und alle werden sich gut fühlen dabei.

Was steckt hinter deinem Song "Millionaire"? Ist es ein ironisches Statement, dass man mit Grime keine Millionen machen kann?

Lethal Bizzle: Ja, zu hundert Prozent. In den Anfangszeiten von Grime, um 2000, da war das ein neuer Sound, und sehr viele Leute haben bezweifelt, dass etwas Größeres daraus wird. Alle haben gesagt, das ist viel zu rau, das hat keine Chance auf Erfolg, das kann nicht um die Welt gehen. Tja, und jetzt ist 2017 und Grime ist eine durchschlagende Kraft.

Warum war Grime so lange eher ein Untergrund-Phänomen?

Lethal Bizzle: Ich denke, wir hatten einfach nicht die Ressourcen, um die Musik nach draußen zu kriegen, das war unser größtes Problem. In normales Radioprogramm hat es nicht gepasst, dafür war es zu rau. Wir mussten also unsere eigenen Wege finden, und wir hatten unsere eigene Kultur, haben in Privatradios gespielt und in eigenen Clubs. Wir haben Grime einfach immer am Laufen gehalten, und das Internet hat auf jeden Fall sehr geholfen, Grime international zu verbreiten. Aber wir haben nie auf Erfolg gedrängt, wir wollten immer den Wurzeln unserer Musik treu bleiben und sie für sich selbst sprechen lassen.

Es gibt eine neue Webseite, grimeforcorbyn.com. Da werden vor allem junge Wähler aufgefordert, am 8. Juni zur britischen Parlamentswahl zu gehen. Mehrere Rapper der britischen Grime-Szene unterstützen diese Seite aktiv.

Lethal Bizzle: Ja, das ist irgendwie komisch. Ich habe über Twitter erfahren, dass sie mit der Webseite Leute für Corbyn gewinnen wollen, den Chef der Labour Partei. Ich bin ja selbst Labour-Fan, aber nicht unbedingt von Corbyn. Ich hoffe, er benutzt uns nicht als Wahlhelfer und vergisst uns nach der Wahl. Man kann Politikern nicht trauen. Ich find die Seite lustig. Ich weiß aber nicht, ob man sie zu ernst nehmen sollte.

Stand: 18.05.2017, 16:00