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Die Geburt des Drum n Bass

Goldie beim Bizarre Festival 1998

London is the Place for me

Die Geburt des Drum n Bass

Anfang der 90er-Jahre beherrschten die Breakbeats der Drum-n-Bass-Szene die Clubs der britischen Hauptstadt. Die Musik setzte auf die Kraft der wuchtigen elektronischen Bassläufe. Und sie war voller Strukturen, vielschichtig und intelligent.

Die Protagonisten des Drum n Bass wie LTJ Bukem kannten sich im Jazz aus. Andere, wie beispielsweise Goldie, lehnten sich an die Soulmusik an und schufen zeitlose urbane Klassiker wie "Inner City Life".

Die Anfänge

Zu Beginn der 90er-Jahre. Entstanden aus der Breakbeatszene in England der 80er-Jahre, die sich immer wieder mit HipHop und Reggae fusioniert hatte. Drum n Bass hatte im Gegensatz dazu mit seinen beschleunigten Funkbeats eine leicht erkennbare, eigene musikalische Sprache.

Die Ära

Auf Margaret Thatcher folgte John Major, Großbritanniens unbeliebtester Premier. Skandale in der Regierung, illegale Waffengeschäfte, Rinderseuche und in London explodieren Mieten und Mortgages. In Europa beginnen die großen Veränderungen nachdem der eiserne Vorhang gefallen ist. Und nach dem glücklosen John Major übernimmt Mitte/Ende der 90er-Jahre Jahre Tony Blair mit dem New-Labour-Konzept die Macht.

Musik in den Charts

KLF wurden gerade richtig groß. Snap mit "Rhythm is a Dancer". The Shamen und Ebenezer Goode regt die Gemüter auf wegen seiner Drogenanspielung. Und Prince ist mit beim 14. Studioalbum "Love Symbol" angekommen.

Der Stil

Der Name Drum n Bass sagt bereits viel über diese Musik. Da ist der Bass, der mal langsam, mal schnell auf einen zurollt. Das Tempo liegt zwischen 160 und 190 Bpm. Und dann nadeln im Wechsel - oder Seite an Seite - dazu die Drums dazu und die HighHeads mit ihrem hohen Staccato Sound rattern an einem vorbei wie Stroboskop-Blitze. Die Musik geht unter die Haut. sie ist hypnotisch. Die Tracks sind im Gegensatz zu manchen andreren Clubsounds vielschichtig. Manchmal klingt der Jazz durch als Anleihe. Bei aller Basswelle hat Drum n Bass auch melodiöse Seiten. So oder so, Drum n Bass ist intensiv. Die beiden Musiker von Source Direct erklären ihr Universum so: "Wir mögen unsere Beats hart. Sie müssen rollen, die Beats müssen die Leute in Erstaunen versetzen. Die dürfen kompliziert sein, aber packend. Wenn du im Club stehst, kommen die Beats von hinten, von der Seite, von vorne - von überall. Wie wenn du in den Drums drinsteckst. Und sie müssen laut sein!"

Der Name

Drum n Bass wird manchmal auch Jungle genannt, der Begriff liegt aber zeitlich davor. Für DJ Hype aus dem Nordlondoner Stadtteil Hackney gehen die verschiedene Begriffe sowieso auf eine gemeinsame Quelle zurück: "Ich nenne meine Musik British Breakbeat. Jedes Jahr findet die Szene neue Namen. Erst war es Hardcore, dann Dark, dann Jungle, dann Intelligent. Jetzt Drum n Bass. Dabei ist es alles ein und dasselbe. Das Problem mit dem Wort Jungle war nur, das es auch mit Ragga gleichgesetzt wurde. Aber das stimmt eben nicht. Ragga war nur ein einzelner Einfluss auf Jungle." Die Wurzeln von Jungle bzw. Drum n Bass in der jamaikanischen Musikkultur, im Ragga, kann man großartig in dem Drum n Bass Klassiker "Original Nuttah" von Shy FX hören:

Die Künstler

Andy C - er legt auch gerne mal auf vier Plattentellern gleichzeitig auf. Er schaffte es sogar mal kurz in die Top 40 der britischen Chaarts. Früher war andy C Teil des Duos Original Unknown, heute ist er Chef vom wichtigen Drum n Bass-Plattenlabel Ram.

Roni Size - er gehört genau genommen zur Bristol Szene, seine Beats sind daher etwas ruhiger und trippiger.

Marcus Intalex - ein vor wenigen Wochen verstorbener DJ Produzent.

LTJ Bukem

LTJ Bukem

Goldie - er ist das bekannteste Gesicht aus dem Drum N Bass. Goldie brachte dieses Jahr eine etwas enttäuschende Comebackscheibe raus, bleibt aber eine Ikone - weniger als DJ, sondern als Authorität, der guten Tunes zu Aufmerksamkeit verhilft.

LTJ Bukem - er gehört inzwischen auch zu den Veteranen. LTJ Bukem ist der jazzigste unter den Protagonisten des Drum n Bass. Bukem tourt noch immer endlos um die Welt.

Die Clubs

Drum n Bass ergießt seinen Basswumms durch die Londoner Stadtteile Brixton mit seinen jamaikanischen Einwohnern und vor allem in dem arbeiterviertel Hackney wummert es noch. Viele der Clubs sind illegal, denn Drum n Bass speist seine Kraft und Kreativität aus der Rave- und Warehouseszene. Drum n Bass, so Kemistry & Storm - weibliches DJ Duo und Mitbegründer des einflussreichen Metalheadz Plattenlabels - ist strictly Underground: "Drum n Bass war solange im Untergrund, dadurch hat sich in der Szene eine Gemeinschaft aufgebaut. Es gibt immer wieder Versuche von den Behörden, Parties zu verhindern. Das stärkt aber auch in der Szene den gegenseitigen Respekt. Man achtet die Leute, die diese Musik über die Jahre am Leben gehalten haben."

Variationen und Stile

Subgenres gibt es inzwischen irrsinnig viele: Jump Up, Hardcore, Deep, Hardstep. Liquid mit melodischen Einflüssen und Neurofunk mit modulierten Basslines und dem Sound der Roland TB 303 Drummachine.

Zitat

"Musik für mich ist totale Freiheit von Gefühl und Ausdruck. Und Drum n Bass bringt das zum Ausdruck. Für mich ist das nichts Neues. Es war immer da, schon in den 70ern. Diese Musik braucht keine Referenzen. Sie ist was sie ist." (LTJ Bukem)

Drum n Bass international

Es gibt große Drum n Bass-Szenen mit Clubs, DJs und Fans in Sankt Petersburg. Viele Fans gibt es auch in Österreich und Deutschland. Brasiliens Musikszene ist besonders affin mit der Einbindung von Bossa und Tropicalia bei DJ Marky und DJ Patife.

Unsere Empfehlung

Immer noch ein Klassiker des urbanen Lebens, mit all seiner Traurigkeit, Melancholie und Eleganz: "Inner City Life" von Goldie.

Stand: 09.08.2017, 10:58