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Blacksteban - Vom Guerrilla-Kämpfer zum Rapper

Blacksteban

Blacksteban - Vom Guerrilla-Kämpfer zum Rapper

Von Viktor Coco

In Kolumbien hat nach 53 Jahren Bürgerkrieg die FARC-Guerilla die Waffen niedergelegt und sich als politische Partei neugegründet. Einer der ehemaligen Kämpfer ist Esteban, der als Blacksteban jetzt seine musikalische Karriere vorantreibt.

Die ehemalige FARC-Guerilla in Kolumbien hat sich als politische Partei neugegründet. Nun steht die Abkürzung für die "Alternative Kraft" und nicht mehr für "bewaffnete Kraft". Ihr Symbol ist eine rote Rose. Als auf dem Bolivar-Platz im Herzen von Bogotá auf einem großen Open-Air-Konzert die Partei präsentiert wurde, stand auch Blacksteban auf der Bühne.

Blacksteban - Vom Guerrilla-Kämpfer zum Rapper

COSMO Soundcheck | 13.09.2017 | 03:49 Min.

Das Leben als Kämpfer

Der 28jährige hat eine hagere Statur und seine schwarzen Haare zu Corn-Rows geflochten. Er trägt ein Trikot der kolumbianischen Nationalmannschaft und an beiden Handgelenken bunte geknüpfte Perlenarmbänder. Vor Tausenden Zuschauern auf der riesigen Bühne vor dem Nationalkongress hatte der Rapper seinen bisher größten Auftritt. Er ist Gründungsmitglied der neuen politischen Bewegung der FARC. Früher war vierzehn Jahre Kämpfer der linken Guerillas in Kolumbien und damals sah sein Alltag anders aus, wie er erzählt.
"Im Camp früher musste man arbeiten, Wachdienst schieben, Erkundungsmärsche. Natürlich musste man sich auch um die Schweine und Hühner kümmern. Und auch unseren Anbau und die Felder pflegen, die wir in einigen Regionen haben. Das war bis letztes Jahr so und vor noch längerer Zeit mussten wir losziehen, um uns in Kriegsgefechten mit unseren Brüdern zu erschießen."

Blacksteban

Die Bedeutung der Musik

'Die Brüder' wie Esteban sie nennt, waren Soldaten vom kolumbianischen Militär, mit denen sich die FARC über 50 Jahre einen verbitterten Bürgerkrieg lieferte. Blacksteban hat sich schon damals in den versteckten Dschungel-Camps für Musik begeistert: "Ich hatte früher schon eine kleine Gitarre, die ich immer mitgenommen habe! Auch wenn wir bombardiert oder überfallen wurden. Sie war wie meine Waffe. Ich wollte unbedingt spielen lernen und Lieder komponieren. Also hab ich sie gepflegt als wäre sie mein Gewehr. Ja, sie war mein Gewehr."

Jetzt haben sie endlich die Waffen niederlegt und auf einem Kongress in Bogotá die politischen Eckpfeiler der FARC-Partei definiert. Der Afro-Kolumbianer Esteban ist im Rahmenprogramm aufgetreten und konnte vor den Parteigenossen einige seiner Songs präsentieren.
"Jeden Abend gab es eine Kulturveranstaltung von unseren eigenen Leuten. Denn wir sind nicht nur Kämpfer gewesen, sondern bei uns herrscht seit jeher die Musik, Kultur und Freude." Blacksteban wechselt in seiner Musik zwischen Rap und sanften Gesangseinlagen. Er schreibt Liebeslieder, oder ideologische Stücke wie nach dem Tod des kubanischen "Máximo Líder" Fidel Castro.

Ein kleines Musiklabel will mit ihm ein Album produzieren. Auf dem Konzert auf der Plaza Bolívar präsentiert er eine A-Capella-Version seines bekanntesten Songs "Reconciliación" ("Versöhnung"). Er rappt von einem neuen Kolumbien, in dem der Hass endgültig verbannt wird.

Politische Arbeit mit Musik

Trotz dieser Versöhnung betont Blacksteban aber, dass die FARC sich als politische Partei neu positioniert und sicherlich nicht am Ende ihrer Ziele angekommen ist. Sie seien weiterhin Kämpfer, so Esteban.2"Wir kämpfen immer noch und lösen uns nicht auf, sondern schließen uns neu zusammen, um das Land nach unseren Idealen aufzubauen. Jetzt findet der Kampf mit Wörtern statt. Im Theater und in der Musik."
Auf der Bühne bekommt er noch die Chance für ein paar Zeilen Freestyle. "Wenn die Waffen schweigen, spricht das Herz. Es lebe der Frieden von Kolumbien!"

Stand: 13.09.2017, 11:00