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60 Jahre "West Side Story"

Die puertorikanisches Flagge mit dem "Just Music"-Schriftzug.

Just Music

60 Jahre "West Side Story"

Vor sechzig Jahren wurde in New York City die "West Side Story" uraufgeführt – ein Musical, das immer noch verblüffend aktuell ist. Mit der "West Side Story" startet Joachim Deickes Musikkolumne: er beschäftigt sich diese Woche mit der Musik Puerto Ricos.


60 Jahre "West Side Story"

COSMO | 01.10.2017 | 03:38 Min.

Original Broadway Cast of West Side Story - America

Die jungen Puertoricanerinnen waren froh, dass sie ihre Insel hinter sich gelassen hatten: "Immer diese Hurricans" sangen sie. "Und diese tropischen Krankheiten". New York war besser, auch wenn sie nicht gerade willkommen waren: Die "Jets" hatten etwas gegen die Neuankömmlinge. Schon damals hieß es "America First!". New Yorks Nobeltheater am Broadway wollten nichts von dieser "West Side Story" wissen, die sich ein paar junge Künstler ausgedacht hatten. Die meisten hatten sie für verrückt erklärt, erzählte Komponist Leonard Bernstein. Man durfte einfach kein Broadway-Musical schreiben, in dem es um Hass, Gewalt und Feindseligkeit geht.

Original Broadway Cast of West Side Story - Prologue

Statt um eine verkappte Prinzessin oder eine lustige Love-Story ging es in diesem Musical um einen Bandenkrieg. Es gab Tote, Fremdenfeindlichkeit, eine gleichgültige Polizei und Stammesrituale in der modernsten Stadt der Welt. Und das Publikum war begeistert:  Schon ein Jahr nach ihrem Start in einem kleinen, versteckten Theater, lief die "West Side Story" doch am Broadway und wurde zu einem der erfolgreichsten Musicals aller Zeiten.

Original Broadway Cast of West Side Story - Jets Song

Bis zur "West Side Story" hatte man Lateinamerikaner für Menschen gehalten, die in Lateinamerika zu Hause waren. Vor 60 Jahren begannen die USA zu begreifen, dass Millionen dieser Spanisch sprechenden Menschen Bürger der Vereinigten Staaten waren. Bürger, die ihre Rechte einforderten.

Jose Feliciano - Light My Fire

Als die "West Side Story" startete, lebten vielleicht 250.000 Puerto-Ricaner in New York. Heute sind es mehr als eine Million. Und in Manhattan wird längst mehr karibische Musik produziert als in San Juan. Die Musikindustrie verdient blendend mit ihren karibischen Stars.

Ricky Martin - Livin' la Vida Loca

Ricky Martin, Willie Colon, Jennifer Lopez, Marc Anthony: Auf solche Puerto-Ricaner ist man stolz in den USA. Sie sind Zeugen der amerikanischen Vielfalt, einer gelungenen Integration. Dreieinhalb Millionen auf der Insel können davon nur träumen. Schon 2012 hatten die Puerto-Ricaner mit überwältigender Mehrheit dafür votiert, dass ihre Kolonie endlich der 51. Bundestaat der USA wird. Darauf wartet die Insel noch immer.

Don Omar - Dale Don Dale

Wenn die USA Soldaten brauchen, dann werden auch Puerto-Ricaner eingezogen. Wenn bedenkliche Waffen getestet wurden, dann machte man das gerne auf Puerto Rico; wenn in Chicago Ärzte gebraucht werden, wirbt man sie einfach ab. Aber Mitwählen oder gar in Washington Mitbestimmen darf die Insel nicht.

Daddy Yankee and Luis Fonsi - Despacito (Versión Urbana_Sky)

Gerade haben Puerto-Ricaner den größten Sommerhit aller Zeiten gelandet. Gerade wurde ihre Insel von einem Hurrican buchstäblich zertrümmert. Und nun hat man das Gefühl, dass Washington nur sehr zögerlich hilft; dass der Präsident sich lieber um protestierende Sportler kümmert; dass Hispanics, egal wo sie herkommen, immer benachteiligt werden. Bald könnte eine neue Auswanderungswelle die USA erreichen.

Rodolfo Guerra Y Sincopa Latina - Puerto Rico

Stand: 01.10.2017, 14:05