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Die asiatische Musikszene in Großbritannien

Just Music

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Die asiatische Musikszene in Großbritannien

Jeder europäische Staat hat seine Minderheiten: Besonders bunt zusammengewürfelt ist die Bevölkerung des britischen Königreiches. Da gibt es Minderheiten aus so ziemlich allen Teilen der Erde. Das hört man längst auch in der britischen Musikszene: Joachim Deicke hat sich in "Just Music" mal die asiatische Musikszene Großbritanniens vorgenommen.

Die asiatische Musikszene in Großbritannien

COSMO | 18.06.2017 | 03:06 Min.

Beatles – Within You Without You

Vor 50 Jahren, als die Beatles ihr legendäres Sgt. Pepper's-Album produzierten, war es gar nicht so einfach, ein indisch-pakistanisches Orchester aufzutreiben. Heute vermitteln Agenturen und Plattenlabels alles, was das Herz begehrt: Ein Sufi-Orchester, eine kaschmirische Hochzeitsband oder den bengalisch-britischen Nachwuchsstar Mumzy.

Mumzy Stranger – Aaja Mere Naal

Mehr als drei Millionen Menschen aus Pakistan, Indien und Bangladesch leben heute in Großbritannien – gut die Hälfte sind Muslime. Und musikalisch haben sie längst ihre eigenen Netzwerke gezogen. Schon in den Achtzigern ging das los – mit den Bhangra-Bands, die den Beat aus dem indisch-pakistanischen Grenzgebiet weiter drehten.

Alaap – Teri Chunni De Sitare

Andere – wie Apache Indian – kreuzten asiatische Klänge mit den Rhythmen des britisch-jamaikanischen Dancehall-Reggae.

Apache Indian – Arranged Marriage ( Indian Wedding Anthem Mix)

Einige versuchten Brücken zum britischen Pop zu schlagen – so wie Cornershop.

Cornershop – Brimful of Asha

Sogar traditionelle Künstler wie der pakistanische Qawwali-Sänger Nusrat Fateh Ali Khan fanden in England neue Partner und ein neues Publikum.

Nusrat Fateh Ali Khan & Michael Brook – My Comfort Remains

Die 90er wurden zum goldenen Jahrzehnt der asiatischen Musik in Großbritannien: Neue Klubs entstanden; Plattenfirmen wurden gegründet und Radio- und Fernsehsender widmeten sich verstärkt einer Szene, die als "Asian Underground" gehandelt wurde.

TJ Rehmi – Dear Earthling

Zumindest in der Musik zogen die verschiedenen Communities am gleichen Strang. Es spielte keine Rolle ob die Familie aus Indien oder Pakistan kam; ob Moslem, Hindu oder Sikh: Die dringendsten Probleme, die asiatische Jugendliche in Großbritannien haben, sind Ausgrenzung, Benachteiligung und Rassismus.

Asian Dub Foundation – Rise To The Challenge

Vorübergehend sah es so aus, als würde die indisch-pakistanisch Szene ebenso ihren festen Platz in der britischen Musiklandschaft finden, wie der Reggae. Aber auch dort gerieten Muslime nach den Anschlägen vom 11. September unter Generalverdacht. Auch die übrigen asiatischen Briten gingen auf Distanz. Von den hoffnungsvollen Ansätzen der 90er Jahre ist heute nicht viel geblieben.

Fun-da-mental – Ja Sha Taan (Wayward Soul Remix)

Auch wenn heute der Londoner Bürgermeister ein britischer Pakistani ist, hat es keine Verschmelzung der Welten gegeben. Englands Asiaten leiden oft unter Arbeitslosigkeit, Armut und Diskriminierung, leben in ihren eigenen Vierteln und Städten. Und momentan stehen die Zeichen nicht gerade auf Ausgleich und Verständigung.

Tigerstyle – Heer

Stand: 18.06.2017, 14:14